... Armgart ließ ihn , da sein Schweigen nur ein umständliches Vorbereiten auf das Verschleiern seines Nichtwissens wurde , ebenso schnell stehen , wie sie ihn angeredet hatte ... Das kostete wieder einige Zeit des Besinnens und wieder einige Spritzengüsse ... Bei alledem aber doch höchst geschmeichelt und befriedigt von einer so ehrenvollen Aufnahme carriolte er auf Witoborn zurück ... Er führte sein halbbedecktes Wägelchen selbst ... Es gehörte einem witoborner Kutscher , dem er ein ansehnliches Pfand für die richtige Behandlung des Gauls hatte hinterlassen müssen ... Löb verstand sich aber auf alles , was zum Leben des Landes gehört ... Er war die seltsamste realistische Natur , die sich zum Ideal verklärte ... Sein Wissen und sein Thun erfüllt von Thatsachen der Wirklichkeit bis zum Klee und zum Dünger hinunter und doch sein Fühlen ganz Aether ... Seligmann war kein Pantheist oder Spinozist - ( die Einwendung , die er einst gegen Veilchen ' s Pantheismus gemacht hatte , lautete : » Ei Veilchen , der Geist Gottes schwebte doch über den Wassern . Und Sie sagen : Er schwebte in ihnen ? « ... ) aber sein Gott blies alle Instrumente und in der Luft klang es ihm wie Sphärenmusik . Bei Witoborn wieder angekommen , mußte Löb etwas langsamer fahren , denn die Wallanlagen sind erhöht ... Wieder begegnete ihm jener Mönch , der an der Eiche sich so nützlich gemacht hatte ... Wieder grüßte er ihn aufs verbindlichste ... Für die abschreckenden Gesichtsformen dieses resoluten Mannes hatte er kein Auge - Er dachte an Aufklärungen über Leo Perl ... auch über den armen » Feind « von ihm - über Sebastus - Hubertus ging eine Weile neben seinem Wagen einher und redete Löb an ... Er ließ sich von der Brandstätte erzählen ... Der Verdacht über den Ursprung des Feuers haftete immer noch an dem Kohlentopf ... Im Hören und Gehen verfolgte Hubertus einen Plan ... Als Löb Seligmann in die Stadt einbiegen wollte , bat er ihn , einen Augenblick still zu halten ... Wollen Sie einsteigen ? sagte der gefällige und seinen Absichten auf diese Art so nahe kommende Mann und rückte schon zur Seite ... Hubertus sagte , er möchte gern einen Kranken , der hier dicht in der Nähe läge - er wäre beim Brande verunglückt - ins Kloster schaffen ... er verstünde sich auf das Heilen von Brandwunden besser , als die Aerzte im Spital ... Aber ich muß auf Schloß Neuhof - entgegnete Löb , theils dem , was er schon merkte , ausweichend , theils gelegentlich auch die Orientirung über seine vornehmen Verhältnisse unterstützend ... Das ist nur ein Umweg ! - sagte Hubertus . Sie werden nicht viel um eine Stunde später ankommen ... Freilich , setzte er hinzu : Mit einem Kranken muß man langsam fahren ... Und diese Worte kamen so vom Herzen , daß Löb schon gewonnen war . Gott soll dich segnen hundert Jahre ! hörte er im Geist seine Schwester sagen ... So stieg Hubertus schon ein und der Gaul lenkte dahin , wohin der Mönch mit den knöchernen Fingern deutete ... Die Kirchhöfe gaben gleich den natürlichsten Uebergang des Gesprächs auf die gemeinschaftlichen Erlebnisse am Düsternbrook , auf den Küfer , auf Pater Sebastus , von dem Löb erfuhr , daß er für seine beabsichtigte Flucht in der Strafzelle sitzen mußte , auch auf den Tod des Landraths von Enckefuß ... Hubertus erzählte seine Betheiligung an den letzten Lebensstunden desselben und mehrte dadurch nicht wenig den Anschluß Seligmann ' s , der sein Selbander zwischen Jud und Christ nicht mit den Empfindungen genoß , die Andere aus Lessing ' s » Nathan « schöpfen , doch jedenfalls mit manchem wohlthuenden Accord aus » Templer und Jüdin « ... Bald war es Mittagszeit ... Löb sprach von einem Wirthshause , wo man in einer Stunde würde füttern müssen ... Vor drei , vier Uhr erreichte man beim langsamen Fahren und Einschlagenmüssen von Vicinalstraßen das Kloster nicht ... Hubertus stimmte zu und Löb begann schon von Borkenhagen . Da aber zeigte Hubertus auf das Haus der Mutter Schmeling , vor welchem sie halten wollten ... Sie fuhren einen Seitenweg von der Landstraße ab ... Plötzlich stutzte Hubertus . Er entdeckte einen Gensdarmen , der eben ins Haus der Hebamme trat ... Unwillkürlich fuhr sein linker Arm auf die Kapuze , die sein kahles Haupt bedeckte , und drückte sie tief ins Gesicht ... Er fürchtete sein Erschrecken zu verrathen ... Der Wagen hielt und Hubertus wußte eine Weile nicht , sollte er aussteigen , sollte er bleiben ... Ein Halbdach bedeckte beide , ihn und Seligmann ... Er drückte sich sogar an die Hinterwand zurück ... Kommt der Mann von selbst herunter ? ... fragte Seligmann , den Grund des Zögerns nicht begreifend , und stemmte seine Peitsche erwartungsvoll auf die Schöße seines blauen Mantels ... Hubertus schwieg , ermannte sich und stieg aus ... Mit Empfindungen , gemischt aus Theilnahme und Urtheil über Religionsunterschiede und Neugier über den Gensdarmen und die ihm unbekannte Hanthierung der Frau Schmeling sah Löb dem Mönche nach , der mit nackten Füßen , dürftig durch die Sandalen geschützt , in die Nebelnässe hinaustrat und zu dem sich verengenden Hohlweg erst nieder , dann aufwärts schritt ... An der Hauspforte blieb Hubertus eine Weile stehen und horchte ... Mutter Schmeling hatte in ihm unbekannten Angelegenheiten Gensdarmen bei sich erwartet ... Das wußte er ... Aber seiner Besorgniß schien es nun doch entschieden , daß der an den Landrath gegangene Brief in officieller Weise wiederholt worden war ... War der Verbrecher erkannt , wie konnte er ihn da noch der gerechten Strafe entziehen ! ... Schon ergab er sich und dachte : Arme Lucinde ! ... So handelte und fühlte er schon im Bann ihrer bestrickenden Ueberredung ... So in Erregung schon durch ein abenteuerliches Leben als Eremit und die Flucht nach Rom ... Hubertus hörte die Stimme der Schmeling und das Säbelrasseln des Gensdarmen , der eben die