Ausweg gewiesen , den er zuweilen im Drange und in der geheimen Noth dieser letzten Wochen durch Selbstmord sich zu öffnen gedacht hatte . Jetzt war er sicher , wie es ihm zukam , als ein Edelmann zu sterben - und er war des Daseins und des Lebens von Herzensgrunde müde . Stolz , sicher , mit festem Blicke des blitzenden Auges die Anwesenden messend , durchschritt er den Saal und näherte sich dem Gesandtschafts-Sekretär . Graf Aurel wünscht Ihnen , Herr Marquis , eine Mittheilung zu machen ! sprach er mit lächelnder Miene zu dem jungen Diplomaten , der sich bei diesen Worten zum Erstaunen der Nächststehenden sichtbar entfärbte , aber , schnell wieder gefaßt , sich eilig zu dem Grafen in das Nebenzimmer begab . Es entstand eine kleine Bewegung , man sah sich nach den betheiligten Personen um ; indeß es waren alles Leute von Welt , die Formen der guten Gesellschaft zogen sich über der augenblicklichen Störung , deren Ursache Niemand mit heftiger Neugier auf die Spur zu kommen suchte , schnell wieder zusammen , und da der Abend schon vorgerückt war und man im Berka ' schen Hause um des Grafen willen nie spät zusammen blieb , fiel es nicht auf , daß Graf Aurel und der Marquis sich bald empfahlen und auch Renatus seine Gattin zum Aufbruche anmahnte . Früh am anderen Morgen , als Renatus noch mit Cäcilie beim Frühstücke war , meldete man ihm den Besuch eines seiner Kameraden . Cäcilie wunderte sich über den frühen Besuch , indeß er flößte ihr keinen Argwohn , keine Besorgniß ein , und auch der Name des Gemeldeten fiel ihr durchaus nicht auf . Es war ein Vetter des Grafen Aurel , der mit Renatus in demselben Regimente diente und mit dem der Freiherr immer auf gutem Fuße , in einem angenehmen kameradschaftlichen Verhältnisse gestanden hatte . Der Besuch währte für die frühe Stunde ungewöhnlich lange , so daß Cäcilie , als Renatus endlich zu ihr wieder zurückkam , sich erkundigte , was der Rittmeister ihm gebracht habe . Er sagte , sie solle nicht neugierig sein , und klagte sich an , daß er sie verwöhnt habe ; da er das alles aber freundlich , ja , scherzend aussprach , gab sie sich auch bald zufrieden , und es war davon die Rede nicht mehr . Der Tag verging unter Besorgungen aller Art äußerlich in gewohnter Weise . Am Vormittage erhielt Renatus einen Brief von Paul , in welchem dieser ihm anzeigte , daß er und die Gräfin Haughton für Valerio die nöthigen Schreiben besorgt hätten und daß er den jungen Mann , da in drei Tagen das nächste Packetboot nach London abgehe , angewiesen habe , sich für die heutige Abendpost zur Reise nach Hamburg einschreiben zu lassen . In einem Billet von Valerio , das beigefügt war , ersuchte dieser den Freiherrn , ihm persönlich Lebewohl sagen zu dürfen , und Renatus war jetzt dazu geneigt , dem Verlangen zu willfahren . Valerio war , da er am Nachmittage zu dem Freiherrn kam , weich und sehr bewegt . Nicht als ob er in sich unsicher oder in seinem Vorhaben und in seinen Hoffnungen schwankend geworden wäre , nur der Abschied von den Seinen schien ihm schwerer zu fallen , als man es erwartet hatte . Er hatte , wie er es gleich nach der Stunde ihres Zusammenstoßes gethan , den Freiherrn als einen Fremden mit seinem Titel anreden wollen ; aber da er nun vor Renatus hintrat , fiel es ihm auf , daß dieser bleicher und sehr ermüdet aussah , und weil der Jüngling meinte , es sei der Kummer über ihn , der den Freiherrn also verwandelt habe , warf er sich demselben mit Leidenschaftlichkeit an die Brust . Ich lerne es nicht , ich lerne es nicht , Dich als einen Fremden anzusehen ! rief er mit überströmender Empfindung - habe ich Dir doch mehr , weit mehr zu danken , als wenn Du mein Bruder wärest , und ich habe Dir es schlecht gelohnt ! Renatus drückte ihn an sein Herz und redete ihm ernsthaft zu . Valerio wollte , daß er ihm ganz ausdrücklich seine Verzeihung aussprechen solle , und der Freiherr that es . Er zeigte sich ebenfalls erschüttert , schloß Valerio ' s Haupt in seine Hände und küßte ihn , da sie schieden , als ob er segnend einen Sohn entließe . Cäcilie weinte , indeß es wurde ihr doch leichter , da sie sich jetzt sagen konnte , ihre große Bangigkeit und die Schwermuth ihres Mannes , die ihr im Lauf des Tages aufgefallen war , würden durch die Trennung von Valerio herbeigeführt . Sie verließ den Gatten so wenig als sie konnte , und er schien es gern zu sehen , daß sie blieb , selbst als er am Abende lange Zeit schreibend an seinem Arbeitstische saß . Ein paar Mal meinte sie ihn seufzen zu hören , und sie wollte ihn fragen , was ihn drücke , aber sie unterließ es , weil sie wußte , daß er dies nicht liebe , daß er eben jetzt , am Ende des Jahres , der unerfreulichen Geschäfte die Menge habe . Abends , als sie den Thee einnahmen , zu dem Vittoria sich eingestellt hatte , war Renatus ruhiger , als in den ganzen letzten Wochen . Er schien die Andern und sich selber zerstreuen zu wollen und machte die Unterhaltung fast ganz allein . Er kam mehrmals auf seinen Vater , auf seine verstorbene Mutter , auf die Zeit zu sprechen , in welcher er noch ein Knabe gewesen und Vittoria in sein Vaterhaus gekommen war . Dann erging er sich in Betrachtungen über das , was man in dem Leben des Menschen die höhere Fügung nenne , und über die geheimnißvolle Grenze zwischen dem sogenannten freien Wollen und dem unabweislichen Müssen . Es war das schon ein Lieblingsthema seines Vaters gewesen , und Renatus hatte , wenn er sich dem