jener Rabbis , die durch gewisse Zahlenzusammenstellungen , die sie einer thönernen Figur auf die Stirn schreiben , diese lebendig machen . Eine solche Figur dient dem Zauberer , verrichtet ihm alle Geschäfte , macht das Schwierigste möglich und begehrt keinen andern Lohn dafür , als gut zu essen und zu trinken . Wischt dann ein Zufall die Zahlen von der Stirn des » Golem « oder der Rabbi vergißt eine gewisse Formel , so wird das Thonbild zum leibhaften Teufel und hat schon manchen Nachts im Bette erdrosselt . Gott - so immer kam ihm die Erinnerung an Leo Perl ! ... Das war nun da die Kirche , wo dieser , ein Jude , celebrirt hatte ! Das war nun da der Friedhof , wo er begraben lag ! ... Und das waren die Lehmhaufen , aus denen er sich allenfalls so einen Golem hätte bilden können ! ... Im Kloster Himmelpfort , hieß es eines Tages im Wirthshause , lebten noch Mönche , die den Pfarrer Perl näher gekannt hätten ... Mit diesem Kloster kam Löb durch einen Besuch in Verbindung . Vor noch nicht acht Tagen wurde er in Witoborn » Bei Tangermanns « , durch den Küfer Stephan Lengenich überrascht . Der » Gerechtfertigte « kam wieder aus dem Gefängnisse , das er jetzt wegen seiner Betheiligung an jener Versammlung im Roland hatte als Strafe für geheime Verbindungen verbüßen müssen . Der vierschrötige , feierliche , exaltirte Mann trat in einem großen kaffeebraunen Mantel bei ihm ein und gab sich in so fragwürdiger Schreckhaftigkeit , daß Löb Seligmann unwillkürlich an eine seiner Lieblingsopern » Zampa « und das erste Auftreten des furchtbaren Räuberhauptmanns denken mußte ... Der Küfer kündigte ihm an , daß er sein Begehren nach dem Stück Tuch vom Jagdrock des Kronsyndikus ( der bei seiner Ankunft noch lebte ) zwar für einige Zeit durch Veilchen ' s Beredsamkeit hätte fallen lassen können , aber nicht für immer und am wenigsten für jetzt , wo er seit einem halben Jahr schon wieder die ganze Schwere des Unrechts dieser Welt und der Nichtrechtfertigung vor Menschen hätte erfahren müssen . Er verfluchte den Verführer Hammaker , der seinen Lohn gefunden . Er bereute den Verkauf des Blutackers in Drusenheim . Er war ganz in jener volksthümlichen Rachestimmung , die bei solchen Gelegenheiten unter welthistorischeren Bedingungen zu Masaniellos , John Hampdens und Andreas Hofers machen kann , in unserm Leben , wie es so kommt und geht , leider nur zu commandirenden Spritzenmeistern . Stephan Lengenich wollte zu näherer Auskunft über den Tuchstreifen ins Kloster zu dem Mönche Sebastus . Zitternd und doch voll hohen Interesses hörte Löb Seligmann die Proposition , ihn dorthin zu begleiten . Die wildesten Racheklangfiguren aus » Fidelio « und » Lucrezia Borgia « tanzten vor seinem Ohr und Auge ... Glücklicherweise - so kann man hier wol sagen und da leugnete Veilchen die unmittelbare Vorsehung ! - war der Kronsyndikus schon in den nächsten Tagen gestorben und Stephan Lengenich knirschte nur mit den Zähnen . Er kam , um einen Proceß gegen den Kronsyndikus einzuleiten . Eine festliche Einholung in die Keller der Moppes ' schen Weinhandlung , wo ihm seine unterirdische Stellung verblieben war , hatte er um diesen Proceß verschoben . Nicht eher wollte er mit Blumen geschmückt wie Bacchus auf einem Fasse in die Keller getragen werden unter Männergesangbegleitung - der junge Moppes hatte selbst eine Cantate dazu componirt - als bis er , endlich im Besitz des Tuchstreifens , zum Landvogt gesagt : » Schließ ' deine Rechnung mit dem Himmel , denn deine Uhr ist abgelaufen ! « Nun war die Uhr abgelaufen ... Stephan Lengenich sprach mit Advocaten , die ihm keine Ermuthigung gaben . Seine » Entlastung « konnte er nur an der Eiche selbst vollziehen ... So besuchte denn Löb Seligmann mit ihm das Kloster Himmelpfort , um auf alle Fälle den Streifen Tuch von Klingsohr zu fordern . Beide trafen den Pater auf dem Krankenbett . Siech und elend blickte er sie an . Vor dem Küfer , gegen den er einst falsches Zeugniß abgelegt hatte , schlug er die Augen nieder . Auch auf Löb Seligmann besann er sich ; er hatte ihn einst trotz seiner Verehrung vor dem Judenthum in der Theorie , in der Praxis beim Zinngießer Klingelpeter zur Thür hinausgeworfen . Bekannt war ihm , daß Seligmann die Brieftasche bei Nathan , seinem Bruder , in der Rumpelgasse gefunden und von der Einlage dem Küfer Kunde gegeben hatte ... Seligmann führte das Wort und erzählte , daß nur bisher durch Veilchen ' s Beredsamkeit , dann durch eine neue Haft , der Küfer in seinem Verlangen nach jenem Tuche wäre aufgehalten worden , nun aber begehre er dasselbe aufs bestimmteste von ihm . Klingsohr hatte eben die Kunde vom Tod des Kronsyndikus erhalten und gab das Tuch und ließ geschehen was wollte . Er fragte nach Veilchen . Löb erzählte von ihrer Güte und Milde . Klingsohr erwiderte : Euch Juden steht es besser an , wenn ihr dem Shylock gleicht ! ... Da Stephan Lengenich ! Macht damit was Ihr wollt ! Auch aus mir - und - meinem falschen Zeugniß ! ... Dumpfe Stille in dem Kämmerlein ... Der Mönch wandte dem Besuch den Rücken und streckte sich , lang wie er war , gegen die Mauer auf sein Lager ... Stephan Lengenich kannte sein Schicksal . Er sah in Klingsohr einen Gefangenen der Regierung , einen gottesfürchtig gewordenen Mann , den man verhinderte , für die Sache der Kirche zu wirken ... Ihn seines falschen Zeugnisses wegen jetzt noch zu verklagen verbot seine ganze Stimmung ... Auch würde ihn die Kunde , er hätte bei weltlichen Gerichten einen Mönch des Meineids beschuldigt , daheim um seinen Triumph gebracht haben ... Pater , sprach er , Sie haben mir viel bitteres Leid angethan , durch das Unterschlagen dieses Tuchs vom Rock des Mörders Ihres Vaters , das ist wahr - jahrelang ... Aber ich -