wenig der alte Nicolai mit all seinen Meriten imstande war , einer Erscheinung wie der des Rosenkreuzerordens gerecht zu werden , geht aus seinen eigenen Aufzeichnungen am besten hervor . Er sah in allem , was damals in Dichtung und Philosophie den Vorhang von einer neuen Welt hinwegzuziehen gedachte , nur Eitelkeit , Anmaßung , Phantasterei und Geisterschwindel , und stand gegen die ganze junge Literatur , wenigstens soweit sie romantisch war , ebenso feindselig , wie gegen Wöllner und die Rosenkreuzerei . » Die Herren Fichte , Schelling , Hegel , Schlegel , Tieck « , so schreibt er , » und wie die sich wichtig dünkenden Männer und Männchen weiter heißen , preisen sich zwar fleißigst einer den andern und sprechen von allen Philosophen und Dichtern , welche nicht zu ihrer geheiligten Kirche gehören , so wie auch von der gesunden Vernunft und Aufklärung aufs verächtlichste . Aber auch das Verachten will nicht gelingen ... Sie versichern daher die Entdeckung gemacht zu haben , daß Fichte und Schelling , ob sie gleich , leider ! schon anfangen voneinander zu differieren ( wie uns Hr . Hegel , ein neulichst berühmt werden-wollender Philosoph , in einer besondern Schrift des breiteren auseinandersetzt ) , dennoch die einzigen Philosophen sind , denen , auch wenn sie nicht übereinstimmen , allein das wahre Wissen vom Subjekt-Objekte gebührt . Ferner noch haben diese Herren durch ihre intellektuelle Anschauung deutlich erkannt , daß Wieland und Klopstock keine Dichter sind , hingegen Friedrich Schlegel und Ludwig Tieck Dichter vom größten Genie ! « – So eifert Nicolai über viele Seiten hin . An einer andern Stelle zieht er direkt Parallelen zwischen den Rosenkreuzern einerseits und Fichte-Schelling andererseits und findet , daß die Philosopheme beider sich als » gleich ungereimt « erweisen . All das ging ihm eben über Kraft und Verständnis . 38 General von Köckritz mochte wohl so schreiben . Dieser liebenswürdige Mann ( den Stein wohl zu hart beurteilt hat , denn » niemand ist verpflichtet , ein großer Mann zu sein « ) stand damals auf der Höhe seiner Gunst und seines Ansehens . Es war so recht eigentlich die Köckritz-Epoche . In diese Epoche fällt auch die seinerzeit viel bewunderte Geschichte vom » Pfeifchen und Fidibus « , die beide dem überraschten General , einem leidenschaftlichen Raucher , von der Königin präsentiert wurden . Wir übergehen diese Anekdote nicht nur deshalb , weil sie oft erzählt worden ist , sondern viel mehr noch aus ästhetischen Bedenken , weil sie einen Hergang festzuhalten trachtet , der als Erlebnis reizend , als Plauderanekdote , über den Tisch hin , annehmbar , aber als gedruckte Geschichte mindestens entbehrlich ist . Schwarz auf weiß macht schwerfällig und entzaubert manches . Man kann dreist behaupten , die Helden , die durch solche oder ähnliche Anekdoten glorifiziert werden sollen , haben unter ihnen zu leiden , wie unter einer Jugendtorheit . Es gilt hier fein zu unterscheiden . Dieselbe Geschichte , die , auf einem jungen Damen-Kaffee vorgetragen , ein ungeteiltes und berechtigtes Entzücken weckt , wird sich in einem Zeitungsblatt etwas insipide ausnehmen , und die bejubeltste , als unbedingt » bester Witz der Neuzeit « proklamierte Jagd- und Portweinanekdote wird am besten tun , auf Darstellung in Typen ganz zu verzichten . 39 Allerhand Spiele : Turnen , Wettlaufen , waren an der Tagesordnung ; die Sieger wurden beschenkt . Unter Anleitung der jungen Prinzen Karl und Albrecht kam die Bildung einer Art » Paretzer Legion « zustande , die im Feuer exerzierte und manövrierte , wobei sieben kleine Kanonen benutzt wurden , von denen eine , mit dem Greif und der Jahreszahl 1588 , bis diesen Tag unter den Dörflern existiert . Bei einer bestimmten Gelegenheit , – es mochte um 1820 sein , als die » Russen « einen ihrer Sommerbesuche machten , – kam es zu einem vollständigen Gefecht zwischen der Paretzer Legion und den Zöglingen des Potsdamer Militärwaisenhauses , die nach Paretz hinaus befohlen und mit ihren Waffen erschienen waren . Die Legionäre nahmen ihnen in einem unbewachten Augenblick die Waffen fort , bezogen unter Führung und Anfeuerung des Großfürsten eine Art Waldposition und behaupteten sich im Besitz ihrer Beutestücke . Der König folgte der Bataille mit dem lebhaftesten Interesse und meinte schließlich , » die Dorfluft scheine doch derber zu machen . « 40 Eben dieses Einsiedelsche Haus hatte , vielleicht aus derselben oder vielleicht auch erst aus späterer Zeit stammend , ein Holzbildwerk an seiner schrägen Eckfront , den Diogenes in der Tonne darstellend . In den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts verschwand es , wurde später unter altem Gerümpel entdeckt , wieder hergestellt und aufs neue an seinem alten Platz befestigt , wo es sich bis diese Stunde befindet . 41 Ein sehr bedeutender Teil des Werderschen Obstes , namentlich aus den an der Eisenbahn gelegenen Obstbergen , geht nicht zu Schiff , sondern vermittelst Bahn nach Berlin . Auch dieser Verkehr ist außerordentlich bedeutend . Ob er in den Zahlen , die wir vorstehend verzeichnet haben , mit einbegriffen ist oder nicht , vermögen wir nicht mit Bestimmtheit zu sagen . 42 Es ist oft gesagt worden , daß der Stadt Berlin das Material zu raschem Emporblühen beinah unmittelbar vor die Tore gelegt worden sei . Das ist richtig . Da sind Feldsteinblöcke für Fundament- und Straßenbau , Rüdersdorfer Kalk zum Mörtel , Holz in Fülle , Torf-und Salzlager in unerschöpflicher Mächtigkeit . Ohne diesen Reichtum , der in dem Grade , wie er jetzt vorliegt , lange ein Geheimnis war , wäre das riesige Wachstum der Stadt , bei der ursprünglich geringen Fruchtbarkeit ihres Bodens , bei ihrer Binnenlage und ihrer immerhin beschränkten Wasserverbindung nahezu eine Unmöglichkeit gewesen . Daran , daß es möglich wurde , hat Glindow seinen Anteil : der große Ziegelofen der Residenz . Das sogenannte » Geheimratsviertel « ist großenteils aus Glindower Steinen aufgeführt und ein ganzes » Berlin der Zukunft « steckt noch in den Glindower Bergen . ( Glindow heißt übrigens