es krampfte ihm das Herz in der Brust zusammen , als er sich dies nicht mehr wegzuläugnen vermochte . Er mußte froh sein , wenn er sich Valerio ' s auf gute Art entledigen konnte , er mußte den Handel - der Freiherr brauchte dieses Wort mit einem Gefühle tiefer Selbsterniedrigung - er mußte den Handel mit dem jungen Manne eingehen , obschon er zuverlässig wußte , daß er nicht im Stande sein werde , das Versprechen zu halten , auf welches Valerio sich stützen wollte , und das er ihm zu leisten sich endlich doch von der Noth gedrungen fand . Tremann ' s Vermittlung kam ihm dabei , wie unwillkommen sie ihn im ersten Augenblicke auch bedünkte , endlich als eine sehr erwünschte vor . Er schrieb ihm gleich in der Frühe des nächsten Morgens , daß er ihm für die Mittheilung danke , die er eben jetzt von ihm empfangen habe , und daß er ihn sogar bitte , mit dem jungen Manne , der sich seiner brüderlichen Fürsorge zu entziehen wünsche , in seinem Namen zu verhandeln . Da Valerio eine glänzende musikalische Begabung zeige , keine Neigung für die ihm bestimmte militärische Laufbahn hege , in der er sich ohnehin unmöglich gemacht habe , und da er sich zu keinem andern , seinem Stande angemessenen Lebenswege entschließen wolle , so finde er sich , so schwer ihm dies auch ankomme , doch genöthigt , der Entfernung Valerio ' s und seiner musikalischen Ausbildung - von der Bühne zu sprechen , konnte Renatus auch jetzt noch sich nicht entschließen - Nichts in den Weg zu legen . Daß Valerio den Namen von Arten unter diesen Verhältnissen nicht führen könne , verstehe sich von selbst . Gerade deßhalb sei er selber aber behindert , den Weg des jungen Mannes zu fördern , und er werde sich daher Paul und der Gräfin Eleonore verpflichtet fühlen , wenn sie Valerio die Hand zur Ausführung seines Vorhabens bieten wollten , bei welcher derselbe auf das ihm zustehende Jahrgeld rechnen könne . Dem Briefe war eine Summe als Reisegeld und als vierteljährige Pensionszahlung für Valerio beigefügt , und das ganze Schreiben war in einer Form gehalten , die man unter den obwaltenden Umständen schicklich nennen und gelten lassen konnte . Aber dem Freiherrn zitterte die Hand , mit welcher er die fünf Siegel mit dem Arten ' schen Wappen auf den Geldbrief drückte , und das alte fortis in adversis brannte ihm wie eine schwere Mahnung in die Seele . Er hatte sein Lebensschiff in einer Weise erleichtert , die er vor sich und seinem Gewissen nicht verantworten konnte , und er hatte dazu noch das Bewußtsein , sich auch damit keine wirkliche Rettung bereitet zu haben . Es litt ihn nicht in seinem Hause ; er mochte auch keinen der Seinigen sehen . Trotz des übeln Wetters machte er einen langen Spaziergang in den Park . Er hatte ein Bedürfniß , allein zu sein und die schwer beladene Brust zu dehnen . Als er am Mittage wiederkehrte , war Vittoria abwesend . Cäcilie sagte , die Mutter habe den Wagen anspannen lassen , um Valerio seinen Koffer hinzubringen , und auch um sich in der Stadt nach einer Wohnung für sich umzusehen . Der Wagen kam ohne Vittoria zurück ; sie hatte sich bei einer Freundin absetzen lassen , bei der sie speisen wollte . Der Freiherr und seine Frau nahmen ihre Mahlzeit einsam ein ; man war überzeugt , daß Vittoria mit ihrem Freunde und ihrem Sohne bei der Freundin zusammentreffe . Renatus äußerte sich heftig darüber ; Cäcilie , die seine Gereiztheit und seine Verdüsterung gewahrte , versuchte eben für diesen Tag und diesen Fall Vittoria zu entschuldigen . Am Abende war ausnahmsweise einmal eine geladene Gesellschaft bei der Gräfin Berka . Cäcilie und Renatus hätten sich gern von dem Besuche derselben befreit . Weil sie aber die Sicherheit in ihren Verhältnissen verloren hatten , wollten sie durch ihr Fortbleiben keine Fragen veranlassen , sondern auf dieselben , wenn sie etwa gethan werden sollten , lieber durch persönliche Zurechtlegungen antworten , und etwas später , als die Einladung es bestimmte , langten sie in dem Berka ' schen Hause an . Die Gesellschaft war bereits versammelt , und täuschte die Verstimmung und Unruhe die beiden Eheleute oder herrschte wirklich eine augenblickliche Pause in der Unterhaltung , genug , sie glaubten Beide zu bemerken , daß man bei ihrem Eintreten schwieg und daß man sie mit einer Art von Neugier betrachtete . Das raubte Cäcilien die Fassung , welche sie ohnehin den Tag hindurch nur mühsam in sich aufrecht erhalten hatte , und sich an die Schwester wendend , machte sie eine überflüssige und eben darum nicht geschickte Entschuldigung für ihr verspätetes Erscheinen . Hildegard , die gerade von den ausgezeichnetsten Personen ihres Kreises umgeben war , hielt Cäcilie mit der ganzen vornehmen Anmuth , die sie sehr wohl zu entwickeln verstand , die Hand entgegen und sagte freundlich : Wie magst Du darüber nur ein Wort verlieren ! Ich versichere Dich , ich habe den ganzen Tag an Euch gedacht und immer zu Dir fahren wollen , weil ich glaubte , Du würdest Dich nicht aufgelegt fühlen , auszugehen . Indeß es ist gut , daß Ihr Euch überwunden habt , es zerstreut Euch doch . Sei herzlich willkommen ! Sie küßte die Schwester dabei , was sie sonst in der Gesellschaft nie gethan hatte ; aber es überlief Cäcilie kalt bei ihren Worten , und sie wendete sich ängstlich um , zu sehen , ob Renatus Hildegard ' s Aeußerung nur nicht vernommen habe . Den aber hielt Graf Gerhard neben seinem Sessel fest , und Cäcilie konnte nicht gleich zu ihm kommen , denn Hildegard hatte den Arm der Schwester in den ihrigen gelegt und führte sie mit sich herum . Es war von ihr offenbar auf eine besondere Schaustellung abgesehen ; sie wollte darthun , daß sie ihre Schwester aufrecht zu erhalten und in Schutz