. Als er die Thür öffnete , stand das tatarische Mädchen vor ihm , das ausschließlich die Fürstin bediente . Ihre zitternde Hand hielt ein Billet , dessen Adresse sie ihm wies . Die Adresse lautete an ihn . Er riß es auf - es enthielt nur wenige Worte , Iwanowna unterzeichnet : » Folgen Sie der Ueberbringerin - ich muß Sie sprechen ! « - Er sah auf den schlafenden Freund . Dann winkte er der Tatarin , der er sich durch die Sprache nicht verständlich machen konnte , zu harren und ging , Jussuf zu holen , den er auch glücklich in der Nähe traf und zu dem Kranken sandte . Ein zweiter Wink an das Mädchen , daß er bereit sei , und sie ging voran bis zu jenem Erkerzimmer , dem Aufenthalt ihrer Gebieterin . Sie hob die Portiere und ließ ihn eintreten . Er fand sich getäuscht in seinem Hoffen , die Fürstin war nicht allein , die englische Dame , seine Reisegefährtin auf der gestrandeten Fregatte , bei ihr . Iwanowna Oczakoff stand in der Mitte des Gemachs , ihre gewöhnliche und ruhige Haltung war einer Erregung von Außen gewichen , verschiedenartige Gefühle schienen in ihr zu kämpfen , während sie stumm und mit niedergeschlagenen Blicken die ehrerbietige Begrüßung des Offiziers erwiederte ; indeß die fremde Dame mit dem gemessenen zurückhaltenden Wesen , das den vornehmen Engländerinnen eigen ist , Beide beobachtete . Hätte der Vicomte Zeit oder Lust gehabt , dieselbe näher zu betrachten , so würde er gefunden haben , daß auch auf ihrem Gesicht sich Unruhe und Besorgniß häufig zeigten . » Ich würde es nicht gewagt haben , die Zurückgezogenheit unserer großmüthigen Retterin zu stören , « sagte der Vicomte , nachdem er auf den Wink der Dame Platz auf einem Fauteuil genommen hatte , » so sehr ich auch wünschte , ihr besonders meinen Dank abzustatten , - Ihre Erlaubniß muß mich daher entschuldigen . « Die Fürstin machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand . » Wir haben keine Zeit zu Einleitungen , noch zu Formen der Höflichkeit , Herr Vicomte , « sagte sie . » Der Krieg unserer Monarchen kann uns wenigstens die früheren freundlichen persönlichen Erinnerungen nicht vergessen machen ; Iwanowna grüßt Sie wie damals , als sie Ihnen an jenem unglücklichen Tage ihre Hand zum Dank für das Opfer reichte , das Sie ihrer Schwesterliche gebracht . Iwanowna Oczakoff , mein Herr , trägt das Gedächtniß an jene Stunde noch unverändert in ihrem Herzen . « » Fürstin - « er beugte sich verwirrt , betäubt von dem süßen Geständniß über die Hand , die sie ihm reichte und bedeckte diese mit Küssen . » Still , mein Freund - jene Dame dort darf wohl hören , daß die Tochter der wilden Steppen des Ostens offen und frei die Liebe zu dem Edlen und Würdigen gesteht , aber sie muß auch sehen , daß die Russin die Pflicht für ihr Vaterland kennt und für den Feind desselben nur die Erinnerung des Herzens hat . Diese allein gehört uns - für das Uebrige hat das Schicksal , dem wir uns beugen müssen , Meere von Blut und Unglück zwischen uns gedrängt . « Er senkte das blitzende Auge und ließ langsam und traurig die schöne Hand los , die ihn willkommen geheißen . » Sie haben den Grafen Wassilkowitsch erkannt , gestern bei jener furchtbaren Scene ? « Er bejahte . » Er haßt Sie - noch bitterer , wie damals , als er das unselige Mißverständniß zwischen Ihnen und meinem Bruder hervorrief . Vieles ist mir deutlich geworden erst seit Kurzem . Sie wissen , « - eine dunkle Röthe überzog ihr schönes Gesicht - » warum er Sie haßt , und Sie wurden jetzt , wie mein Bruder mir erzählt , noch sein Sieger bei Silistria , was eine Bitterkeit vermehrt . « » Ich kümmere mich wenig darum , Fürstin ! « » Fürchten Sie Alles von ihm . Leider reicht wahrscheinlich schon morgen meine Macht nicht mehr hin , Sie zu schützen . Er ist zum Befehlshaber an dieser Küste ernannt und jeden Augenbild können die kommandirten Abtheilungen unserer Truppen eintreffen . « » Dann müssen wir ausführen , was wir beschlossen haben . Ihre Großmuth , Fürstin , hat es verweigert , uns als Kriegsgefangene anzusehen . Wir sind demnach durch Nichts gebunden . Wir sind sechsundfünfzig rüstige Männer und wollen versuchen , zu Lande Balaclawa zu erreichen . « » Es ist unmöglich - lesen Sie ! Deshalb eben ließ ich Sie holen , denn die Lady hier hatte mir gleichfalls Ihre Absichten mitgetheilt . « Sie reichte ihm das Blatt , das ihre Hand bei seinem Eintritt gehalten . » Es ist von einer Landsmännin , einer französischen Dame , geschrieben , « sagte sie mit einer leichten Verlegenheit , » die , so viel ich weiß , einen Verwandten des Obersten geheirathet und nach jenes Tode oder Verbannung von Bukarest ihn hierher begleitet hat . « Der Offizier las ; das flüchtig mit Bleistift geschriebene Billet lautete : » Meine Fürstin ! Ihre Freundlichkeit durch eine Warnung zu vergelten , ist mir Pflicht . Auch bin ich Französin und kann unmöglich meine Landsleute mit kaltem Blute morden sehen . Finstere Pläne gegen die Schiffbrüchigen sind im Werk - ich weiß nur so viel , daß Boten abgegangen , um die Ueberkunft der Truppen zu beschleunigen . Das Landvolk der Gegend , voll Erbitterung gegen die Alliirten , ist aufgeboten und ein Haufe Gesindel , mehr als Zweihundert , bewacht die Wege vom Schloß , um Ihre Schützlinge zu verhindern , zu dem französischen Streifcorps zu gelangen , das kaum drei Stunden von hier im Gebirge diesen Morgen sich gezeigt hat . Aber ich fürchte , man hat Schlimmeres noch mit den Unglücklichen vor , als sie gefangen zu nehmen ; der Graf hat ihr Verderben geschworen . Ich hoffe , einen der Diener zu bestechen , daß