weinen können ! « 31 Dies Geburtsdatum festzustellen , war schwierig . Die Geschichts- und Nachschlagebücher geben abwechselnd 1737 , 1738 und 1741 an . Monat und Tag werden gar nicht genannt . In dieser Verlegenheit half endlich das Marquardter Kirchenbuch : Es heißt in demselben : Hans Rudolf von Bischofswerder starb am 30. Oktober 1803 , in einem » ruhmvollen Alter « von zweiundsechzig Jahren elf Monaten und neunzehn Tagen . Dies ergibt das oben im Text angegebene Geburtsdatum . – Eine verwandte Mühe ( was gleich hier bemerkt sein mag ) haben alle andern Namen- , Zahlen- und Verwandtschaftsangaben gemacht und nicht immer ist das Resultat ein gleich befriedigendes gewesen . Vieles war absolut nicht in Erfahrung zu bringen . Ich habe das Vermählungsjahr Bischofswerders mit seiner zweiten Gemahlin , Gräfin Pinto , nicht mit Sicherheit feststellen können . Bestimmte Angaben hierüber würden mit Dank entgegengenommen werden . 32 Auch dies ist bestritten worden . Man gefiel sich darin , den König , seinen Günstling , den ganzen Hof als absolut unliterarisch , als tot gegen alles Geistige darzustellen . Sehr mit Unrecht . Ignaz Feßler , in seinem Buche » Rückblicke auf meine siebzigjährige Pilgerfahrt « ( Breslau , W. G. Korn 1824 ) schreibt : Ich stand mit auf der Liste , die der Minister für Schlesien , Graf Hoym , als eine Art Konspiratoren-Verzeichnis beim Könige eingereicht hatte . Es traf sich aber , daß General von Bischofswerder , wenige Tage zuvor , einiges aus meinem » Marc Aurel « dem Könige vorgelesen hatte , der nunmehr ohne weiteres den Namen Feßler durchstrich , dabei bemerkend : » Der ist kein Schwindelkopf , er ist monarchisch gesinnt , wie sein Marc Aurel zeigt . « So geringfügig dieser Hergang ist , so lehrreich ist er doch auch . Er zeigt , ebenso wie das oben aus Massenbachs Memoiren Mitgeteilte , daß sich der Hof Friedrich Wilhelms II. ( und in erster Reihe sein Generaladjutant ) sehr wohl um literarische Dinge kümmerte , scharf aufpaßte und sich danach ein Bild von den Personen machte . 33 Es waren dies zwei Töchter . Die eine , Karoline Erdmuthe Christiane , blieb unverheiratet und starb 1842 . Über ihr Begräbnis in Marquardt berichten wir an anderer Stelle ausführlich . Die andere vermählte sich schon 1794 oder 1795 mit dem jungen Grafen Gurowski , dem Besitzer der Starostei Kolo . Die » Vertrauten Briefe « sagen von ihm : » Er war ein junger Krüppel mit einem kurzen Beine , sonst ein Ungetüm und unter den jungen Polen der verdorbenste . Ein Libertin , auf der untersten Stufe des Zynismus . Wenige Wochen nach der Heirat kam es zur Scheidung ; er nahm dann teil an der Insurrektion und trat später das schöne Gut Murowanna Goßlin an seine geschiedene Frau ab . « Über die weiteren Schicksale dieser verlautet nichts . – Beide Fräulein von Bischofswerder waren übrigens sehr liebenswürdig , von feiner Bildung und Sitte . Nichts war unwahrer und bösartiger als eine Schilderung derselben in den mehrgenannten » Anmerkungen « zu den Geheimen Briefen , worin es heißt : » Les Demoiselles Bischofswerder sont deux petites filles mal élevées . L ' ainée a dans ses yeux le flambeau de l ' hymen . On les dit intriguantes . A propos jaloux . Au reste il faut distinguer les ridicules des vices et dire que jusqu ' ici la conduite de ces Demoiselles est intacte . « So die » Anmerkungen « . Die » Vertrauten-Briefe « , » Geheimen Briefe « usw. jener Epoche sind nie impertinenter , wie wenn sie sich zu einer halben Huldigung oder Anerkennung herablassen . 34 Auch hieran knüpft sich ein eigentümlicher Zwischenfall , freilich aus viel späterer Zeit . Herr von Ostau hatte sich wieder vermählt , die Kinder dieser zweiten Ehe waren herangewachsen und hatten nur eine ganz allgemeine Kenntnis davon , daß ihr Vater einmal in erster Ehe mit einem Fräulein von Bischofswerder vermählt gewesen sei . Ein Sohn aus dieser zweiten Ehe kam , während der Manövertage , nach Marquardt in Quartier . Er besichtigte Schloß , Park , Kirche und stieg auch in die Gruß . Ein Lichtstümpfchen gab die Beleuchtung ; alles Staub und Asche ; ein solcher Besuch hat immer seine Schauer . Der junge Offizier mühte sich , die Inschriften der einzelnen Särge zu entziffern ; da las er plötzlich auf einem Bleitäfelchen : » Bertha v. Ostau , gestorben 1824 . « Die Begegnung mit diesem Namen an dieser Stelle machte einen tiefen Eindruck auf ihn . 35 In der Nähe dieses Baumes , auf einem Grasrondell , steht ein leichtes österreichisches Feldgeschütz , wie jedes Bataillon in alten Tagen eins aufzuweisen hatte . Es wurde in einer der Schlachten des Siebenjährigen Krieges von den Preußen genommen . Friedrich II. schenkte es dem Grafen Pinto auf Mettkau ; durch dessen Witwe , » die Gräfin « , kam es nach Marquardt . An gewissen Tagen wird ein Schuß daraus abgefeuert . Jedesmal vorm Laden schüttet der Gärtner Pulver ins Zündloch und zündet es an , um das Geschütz auszubrennen . Als es das letzte Mal geschah , flogen , zu heiterer Überraschung aller Umstehenden , nicht nur Eierschalen aus der Mündung heraus , sondern mit den Eierschalen zugleich ein halbverbranntes Wiesel , das in dem Kanonenrohr Quartier genommen und von hier aus den Hühnerstall geplündert hatte . 36 Der betreffende Brief gibt sich das Ansehen , als sei er aus Wien datiert und als habe die ganze Szene auf einem Landgut in der Nähe Wiens gespielt . Wer aber je in Marquardt war , und den dortigen Park , den See , die Grotte das Schloß und seinen tiefen Doppelkeller kennengelernt hat , dem wird sichs zunächst aufdrängen , daß hier durchaus Marquardt gemeint sein müsse . Es ist aber trotz alledem nicht der Fall , kann nicht sein , da Marquardt erst 1795 in die Hände Bischofswerders kam . 37 Wie