in dem großen Gemach abgehandelt , in dem die Offiziere ihren Platz und reichliche Brwirthung gefunden hatten . Bei aller Güte , welche die schöne Herrin des Schlosses für sie bewies , konnten sie sich doch nicht verhehlen , daß sie so gut wie Gefangene waren , und die Nachricht , daß vielleicht schon am andern , jedenfalls zweitfolgenden Tage ein russisches Detaschement erwartet wurde , machte dies Loos gewiß . Das Schicksal der Besatzung des Tiger bei der Strandung am Ufer von Odessa war unzweifelhaft auch das ihre , und wahrscheinlich ein härteres und mit größeren Unannehmlichkeiten verbunden , da seitdem durch die Belagerung Sebastopols die Erbitterung unter den Russen bedeutend gestiegen war . Auch die Fürstin empfand das Schwierige ihrer Lage . Sie hatte am Morgen einen der Kosacken mit der Anzeige des Strandens der Fregatte in das Hauptquartier nach Baktschiserai geschickt , doch wußte sie , daß die Truppen von Kaffa und Symferopol , welche dem Obersten untergeordnet worden , eher eintreffen mußten , als die Bestimmung des General-Gouverneurs , und daß Graf Wossilkowitsch dann das Recht und die Mittel in Händen hatte , seinen Absichten Gehorsam zu erzwingen . Der Verkehr zwischen dem alten und neuen Schloß schien während des Tages ganz abgebrochen , doch hatte sie theils selbst bemerkt , theils war ihr von Sergei und der tatarischen Zofe berichtet worden , daß drüben große Thätigkeit zu herrschen schien . Boten hatten zu Pferde das Thor der Villa verlassen und die Richtung nach Yalta und Alushta eingeschlagen . Eine neue Gefahr drohte von anderer Seite . Der Schiffbruch hatte , sobald sich die Nachricht verbreitete , eine Menge Bewohner der Gegend herbeigezogen , Fischer , Tataren , Leibeigene anderer Grundherren und eine der zahlreichen Zigeunerhorden , wie sie umherziehend einen Theil der Bevölkerung der Krimm bilden . Wohl an zweihundert wilde , ihrer Botmäßigkeit , die sich auf das kleine Gebiet des Schlosses erstreckte , nicht unterthane Männer lagerten , der Witterung trotzend , am Meeresstrand und theilten sich in die Beute , die theils das Meer an ' s Ufer geworfen , theils sie selbst aus dem Wrack plündernd geholt hatten . In Allen lebte offenbar Haß gegen die geretteten Feinde , durch die grausame Plünderungen , welche kurz vorher englische Schiffe an der unbeschützten Küste verübt hatten , zur grimmen blutdürstigen Erbitterung gesteigert . Der alte Tabuntschik ging wiederholt unter ihnen umher , und schien die Leute zu einem unbekannten Unternehmen anzuspornen und zu bereden , wie die häufig nach dem Schloß gerichteten Geberden bewiesen . Die Fürstin hatte daher strengen Befehl gegeben , alle Ausgänge des Schlosses sorgfältig zu schließen , und die gefährdeten nach der Terrasse hin zu verrammeln , so daß kein Ueberfall zu besorgen war . Am Vormittag hatte sie die Vornehmeren der Geretteten und die englische Dame empfangen , der sie Kleider und Wäsche gesandt und jede Höflichkeit erzeigt hatte , die ihr Geschlecht forderte . Seitdem hatte die Fürstin vermieden , mit den männlichen Gästen zusammenzutreffen - sie fürchtete , ihn wieder zu sehen . Die Lady war bei ihr geblieben . Es war am Nachmittag , als der Colonel in einem kleinen gewölbten Gemach am Lager seines verwundeten Kameraden saß , an dem er den Arzt abgelöst . Doctor Welland hatte die Nacht und den Vormittag bei dem Patienten zugebracht , der im wilden Fieberwahnsinn ras ' te , bald sich noch von den Wellen umbraust , bald sich im Getümmel der Schlacht wähnend . Die Lebenskraft , der frische Muth , die den Gefahren und dem Elend des Donau-Feldzugs , dem Tode in den Laufgräben vor Sebastopol und den Schrecken der Cholera getrotzt hatten und glücklich entgangen waren , die ihn eben noch gerettet aus dem Toben des Orkans - sie lagen gebrochen jetzt von dem hinterlistigen Schlag eines Greises , und in wildem Gehirnfieber verzehrte sich Leben und Geist . Doctor Welland hatte alle mögliche Hilfe seiner Kunst aufgeboten , dem Manne , der ihn vor wenigen Monaten noch vor dem Tode des Verbrechers gerettet , jetzt selbst das Leben zu erhalten , und darüber noch nicht ein Mal Zeit gefunden , an die wunderbare neue Bewahrung des seinen zu denken und die beiden Schwarzen aufzusuchen , denen er sie verdankte . Er wußte , es war Jussuf , der On-Baschi , der den Colonel begleitete , und er mochte vielleicht ahnen , wer die schwarze Verhüllte war , die sich ihm in das tobende Meer nachgestürzt , obschon er ihre Gegenwart auf dem Schiffe erst nach dem Ausbruch des Sturmes bemerkt hatte . Seit sie auf dem Schlosse waren , schien sie auf ' s Neue verschwunden oder ihn wenigsten sorgfältig zu meiden , und mannigfache widerstrebende Gefühle hinderten ihn , den On-Baschi nach seiner Begleiterin zu fragen . Jetzt hatte der Arzt erschöpft sich einige Ruhe gegönnt , nachdem es ihm gelungen war , die wilde Aufregung des Fieberkranken zu besänftigen , der jetzt in apathischem Schlaf lag . Méricourt hatte bereits zwei Stunden an seiner Seite gesessen , fast eben so bewegungslos als der Kranke selbst - seine Gedanken waren bei dem unerwarteten Wiederfinden der Geliebten , seine Träume bei ihr , so nah ' und doch so fern , kaum durch Schritte getrennt , und doch durch Völkergeschicke geschieden . Er dachte an sie ! - Wenn des erprobten Mannes geharnischte Seele die Liebe erfüllt , geschieht es mit ihrer ganzen urewigen Gewalt , mit jener unermeßlichen geheimen Kraft des Lebens , die eine Bürgschaft ist für das ewige auf den Sternen . Blut , Ehrgeiz , Menschenhaß - selbst die Phantome mit jenen edlen Namen der Ehre , des Ruhms und des Vaterlandes - bauten Wälle zwischen ihren Herzen ; - Wälle und Mauern aber sind menschliche Erfindungen und scheiden nur Körper , nicht Seelen ! Er wußte , daß sie ihn liebte - was thut es , ob sein Arm sie umschlingt ? - Herzen lassen nicht von Herzen ! Ein leises Geräusch erweckte ihn aus seinen Träumen