und ich gönne dir dein Glück von Herzen , Arnold . « » Mach es mir lieber nach ! « rief Arnold lachend . » Aber ich muß fort , Wilma erwartet mich zu Tische . Auf Wiedersehen ! « Er ging und traf auf dem Wege zu seiner Braut wieder mit Treumann zusammen , der in dem gleichen Hotel wohnte . Aber der alte Herr hatte das frühere strahlende Aussehen völlig verloren , er ging mit düsterer Miene , den Blick auf den Boden geheftet , und wäre beinahe gegen den Major geprallt . » Was ist denn los ? « rief dieser . » Sie sehen ja so gekränkt aus ! « » Ich bin auch gekränkt , « entgegnete der Notar . » Eben bin ich dem Maxl begegnet , aber wie ! Er ging mit einem Menschen – einem Menschen – « » Nun ja , ein Mensch wird es wohl gewesen sein , « meinte Hartmut . » Das ist doch weiter nichts Verfängliches . « » Der Redakteur des Neustädter Tageblattes war es ! « brach Treumann grimmig aus . » Dieser Leibsklave des Pascha von Steinfeld , der mit seinem Herrn durch dick und dünn geht , der in jeder Nummer auf Heilsberg und auf Ernst schimpft – der mich damals verhöhnt hat wegen meiner Prophezeiung – « » Der Ihnen die fossile Beleidigung an den Kopf geworfen hat ? « » Derselbe ! Und mit dem geht mein Neffe Arm in Arm auf offener Straße . Ich habe den Maxl natürlich zur Rede gestellt – was gibt er mir zur Antwort ? Der Herr wäre auch als Berichterstatter hier , es wäre ein ganz netter Junge , und wenn man sich öffentlich befehde , so hindere das nicht , daß man privatim gemütlich miteinander kneipe . Sie hatten allerdings sehr gekneipt , sie waren beide nicht mehr nüchtern . Da habe ich ihm freilich derb den Text gelesen , und er schien sein Unrecht auch einzusehen , aber ich fürchte – « Der Notar brach ab und starrte düster vor sich hin . » Daß er trotzdem weiter kneipt mit diesem schändlichen Redakteur , « ergänzte Hartmut . » Ja , das fürchte ich auch , denn wenn der Maxl vor einer Weinflasche sitzt , ist er im stande , mit dem Ronald selbst Brüderschaft zu trinken , das gehört auch zu seiner Selbstachtung . « Sie hatten inzwischen das Hotel erreicht , und während sie die Treppe hinaufstiegen , hob der alte Herr in unsicherem Tone wieder an : » Herr Major , mir sind da in der letzten Zeit doch Bedenken aufgestiegen wegen meines Testamentes , das ich schon vor Jahren gemacht habe . Der Maxl ist nämlich mein Universalerbe , Ernst bekommt nur ein kleines Legat . Er war ja hinreichend versorgt durch seine Stellung und auch ganz einverstanden mit der Bestimmung , denn Maxi hatte gar nichts und sollte seine Künstlerlaufbahn erst beginnen , aber wenn er solchen Umgang hat ! Das ist der Weg zum Verderben . « » Ja und dann verjubelt er die ganze Erbschaft mit dem Neustädter Redakteur , « sagte der Major , » Dann gehen sie von einem Wirtshaus in das andere und bringen alles durch . « » Im Grabe würde ich mich umdrehen ! « rief Treumann heftig . Da wurde im ersten Stock eine Thür geöffnet , Klein-Lisbeth guckte heraus , und hinter ihr wurde das rosige , glückliche Gesicht Wilmas sichtbar . » Da ist der Papa ! « rief die Kleine jubelnd . » Natürlich ist er da ! « bekräftigte Arnold und verschwand urplötzlich von der Seite seines Gefährten . Dieser sah nur noch , wie er seine Braut umfaßte und Lisbeth sich an ihn hing , dann schloß sich die Thür . Dem alten Junggesellen wurde es ganz wehmütig um das Herz . Er gönnte ja der jungen Frau ihr Glück , sie hatte nicht viel davon gehabt in ihrer ersten Ehe . Diesmal hatte sie es besser getroffen , Major Hartmut war ein prächtiger Mensch , und Ernst war ein großer Mensch – aber der Maxl , der Maxl ! Der Berliner Aufenthalt hatte dem Onkel die Augen geöffnet über vieles , wovon er bisher nichts geahnt . Jetzt wollte das düstere Bild , das Hartmut heraufbeschworen hatte , nicht wieder weichen . Er sah den Maxl als seinen Erben , wie er , Arm in Arm mit seinem Todfeinde , dem Neustädter Redakteur , die ganze Erbschaft verjubelte , und sah sich selbst empfindlich dadurch gestört in seiner Grabesruhe . Ganz niedergebeugt ging er weiter , richtete sich aber plötzlich mit einem förmlichen Ruck empor . » Aber ich bin ja noch gar nicht tot ! « sagte er ganz laut . » Vorläufig hast du noch nichts zu verjubeln , Maxl , vorläufig bin ich noch am Leben – sehr bin ich das ! « Und mit dieser tröstlichen Gewißheit stieg er die Treppe vollends hinauf . – – Die Gerichtsverhandlungen hatten begonnen , und die fieberhafte Teilnahme , die sich nicht nur in der Hauptstadt , sondern im ganzen Lande kundgab , zeigte am besten die Tragweite der Interessen , die hier auf dem Spiele standen . Dem Wortlaute nach handelte es sich ja nur um eine Klage wegen Verleumdung und Beleidigung , in Wahrheit galt es einen Kampf zwischen der Macht des Geldes und dem öffentlichen Rechtsbewußtsein , das sich auch hatte blenden und einschläfern lassen , jahrelang , bis ein Mann auftrat , der es wach rüttelte mit seinem Mahnworte . Die meisten hatten es gemacht wie Bankier Marlow , sie hatten nicht sehen wollen , bis ihnen gezeigt wurde , daß der erträumte Gewinn trügerisch war und sich in Verlust verwandelte , und nun waren sie die ersten , die sich gegen den Mann wandten , den sie früher umschmeichelt hatten . Als Ernst Raimar seine Schrift in die Welt hinaussandte , stand er allein und wußte nicht