und wo die Hülfe so nothwendig gewesen wäre . Wie der Herr will ! Ich bin nun über die Siebenzig hinaus , lange kann es ja doch nicht mehr währen , bis ich mein Haupt zur Ruhe lege . Hat mir das Leben auch nicht viel Gutes gegönnt , ich nehme doch die Ueberzeugung mit , daß ich mich auf meinem geringen Acker redlich gemüht habe ; Gott weiß es – ich war ja wohl keines besseren werth ! “ Es lag eine rührende Resignation in den einfachen Worten , Benedict blickte schweigend auf das greise , müde Leben , das sich so still und geduldig dem Grabe zuneigte , so ohne alles Murren und Klagen auf das Loos zurückblickte , das ihm gefallen war ; aber für den jungen Priester war diese stille Ergebung nur ein Stachel mehr , er hatte noch den ganzen Trotz der Jugend , die wohl unterzugehen , aber nicht zu entsagen versteht , und er war im Begriff eine leidenschaftliche Antwort zu geben , als in ihrer Nähe Schritte ertönten ; vom Dorfe her kamen zwei Freunde , gleichfalls in ihre Mäntel gehüllt , auf sie zu . Die Erscheinung Fremder war hier etwas so Ungewöhnliches , daß die beiden Geistlichen ihr Gespräch unterbrachen und ihnen überrascht entgegenblickten . Benedict schien sie zu erkennen , und sofort verschwand die kurze Offenheit , die er dem Pfarrer gegenüber gezeigt hatte , um der alten Verschlossenheit Platz zu machen , als er den Ankommenden entgegenging und den Aelteren von Beiden artig , aber eisig begrüßte . „ Herr Graf Rhaneck , Sie hier ? “ Der Graf bot ihm die Hand und wandte sich dann an den Pfarrer . „ Verzeihen Sie , Hochwürden , mein Hiersein gilt nur Ihrem Caplan , den ich dringend zu sprechen wünschte . Man sagte uns im Pfarrhause , daß er soeben fortgegangen sei , und daß wir ihn noch einholen würden . “ Der Greis verneigte sich höflich vor den beiden vornehmen Herren , die Benedict ihm nannte . „ Wollen der Herr Graf nicht mit uns umkehren ? Der Ort und das Wetter ist wenig geeignet zu einer Unterredung im Freien . “ „ Ich danke ! “ unterbrach ihn Rhaneck schnell . „ Unser Gespräch wird nur kurz sein ; überdies ist Pater Benedict , wie ich höre , auf einem Amtswege begriffen , ich möchte nicht die Schuld einer Verspätung auf mich nehmen . “ Der Pfarrer mochte wohl an dem Wesen des Fremden sehen , daß es sich hier um eine Unterredung von Wichtigkeit handelte , er verabschiedete sich daher , indem er die Hoffnung aussprach , die Herren würden ihm bei der Rückkehr die Ehre erweisen , noch auf einige Minuten in ’ s Pfarrhaus zu treten . Der Graf sagte zerstreut zu , er wartete mit offenbarer Ungeduld , bis der Geistliche außer Gehörweite war , und wandte sich dann rasch zu Benedict . „ Wir suchten Dich , Bruno ! Wie Du siehst , hat Ottfried mich begleitet . Ihr seid im Grolle geschieden und schuldet einander noch die Aussöhnung , die ich von Euch verlangte . Was Ihr damals in der Hitze des Streites verweigertet , werdet Ihr mir jetzt gewähren . Ottfried bietet Dir die Hand zur Versöhnung , Du wirst sie annehmen . “ Die Worte waren milde , aber doch im Tone eines unbedingten Befehls gesprochen . Ottfried ’ s Antlitz verrieth deutlich genug , daß sein Entgegenkommen ein erzwungenes war , dennoch streckte er gehorsam die Hand aus , Benedict rührte sich nicht . „ Nun ? “ fragte der Graf noch ruhig , aber doch in schärferem Tone . Der junge Priester trat zurück . „ Ich bitte , ersparen Sie dem Grafen und mir eine Ceremonie , die uns Beiden gleich peinlich ist und in unserer gegenseitigen Stellung nicht das Geringste ändert ! “ entgegnete er kalt . Ottfried ließ wie erleichtert die Hand wieder sinken , aber trotzdem schoß ein Blick tiefen Hasses aus seinem Auge auf den „ Bedientensohn “ , der es wagte , sein Entgegenkommen in dieser Weise abzulehnen . Das Auge Rhaneck ’ s glitt langsam von Einem zum Anderen . Man konnte nicht Verschiedeneres sehen , als diese Beiden , wie sie so nebeneinander standen . Der junge Graf mit dem blonden Haar , den hellen Augen und den matten , leblosen Zügen , die , so deutlich sie auch seine Rhaneck ’ sche Abstammung bekundeten , so sehr sie denen des Vaters glichen , doch nicht das Geringste von jenem charakteristischen Ausdruck zeigten , der dem stolzen Geschlecht eigen war , und das bleiche , energisch gezeichnete Antlitz des jungen Priesters mit dem schwarzen Lockenhaar und den tiefdunklen Augen . Nicht in einem Zuge , nicht in einer Linie glichen sie sich und doch hatten sie Eins gemeinsam , die hohe schlanke Gestalt , die eigenthümlich stolze Wendung des Kopfes , den Gang und die Haltung . Die Aehnlichkeit trat heute , wo auch Ottfried einen dunklen Mantel trug , auffallender als je hervor ; von ferne gesehen hätte man sie mit einander verwechseln können . Auch dem Grafen schien sich diese Wahrnehmung aufzudrängen , sein Blick lag schwer und düster auf den beiden jungen Männern und blieb zuletzt auf dem Aeltesten haften . „ Diesmal bist Du es , Bruno , der den alten , unheilvollen Riß noch erweitern will ! “ sagte er vorwurfsvoll . „ Sei ’ s darum ! in einer Stunde wirst Du anders denken , Du wirst dann selbst die Hand zur Versöhnung bieten , ich weiß es . Laß uns allein , Ottfried ! “ Der junge Graf gehorchte , aber der alte Groll wallte wieder heiß in ihm auf , als er sich zurückzog . Die Vorgänge der letzten Zeit waren ihm nicht verborgen geblieben und er errieth nur zu gut , was der Vater mit dieser plötzlichen Fahrt in ’ s Gebirge beabsichtigte . Er wollte seinen Schützling warnen