finden ! Unter uns , liebste Klaudine , ich glaube , Geralds Neigung wird von ihr erwidert und von Prinzessin Thekla begünstigt . « » Ich glaube es auch , Hoheit « , bestätigte Klaudine und erschrak fast über ihre harte Stimme . Es war mit einem Male seltsam kalt und still in ihr geworden . In Neuhaus waren indessen die fürstlichen Gäste heimisch geworden . Prinzeß Helene hatte das Kind ihrer Schwester , das Frau von Berg den Damen im weißen , überreich mit Spitzen verzierten Kleidchen entgegentrug , geküßt und dann sofort Umschau gehalten . Sie war treppauf und -ab gegangen , hatte Türen geöffnet , in die Zimmer gesehen und gefragt , wo denn ihr Schwager sein Heim habe , um stehenden Fußes auch in dessen Räume einzudringen , die mit ihren Jagdtrophäen und Waffen , mit Bilderschmuck , mit antiken Möbeln und persischen Teppichen das Muster einer eleganten Herrenwohnung boten , und hatte dort , neugierig wie ein Kind , mit ihren schwarzen Beerenaugen alles gemustert . Sie war im Garten gewesen und wieder in das Herrenhaus gekommen und hatte da plötzlich vor einer Tür gestanden , die mit großer energischer Schrift die Worte : » Verbotener Eingang ! « zeigte . Sofort hatte Ihre Durchlaucht den Drücker gebogen , und ihr dunkles Köpfchen lugte neugierig in das altvaterische Wohnzimmer . Wie das gemütlich aussah ! Wie traulich das Abendrot die altersbraunen Möbel überhauchte ! Und wunderbar , dort am offenen Fenster saß ein schlanker Mann und las , sein feines Profil hob sich scharf ab gegen das dunkle Grün der Bäume hinter den Scheiben . Er war so tief in den alten Lederband versunken , daß er gar nicht bemerkte , wie er beobachtet wurde . Leise machte die kleine Prinzeß die Tür wieder zu und flog die breite eichene Treppe hinauf . Oben warf sie sich in einen Lehnstuhl und wollte sich totlachen über das erschreckte Gesicht der Frau von Berg , die auf ihrem gewöhnlichen Platz eifrig schrieb . » Was haben Sie uns denn eigentlich immer berichtet von diesem Neuhaus , liebste Berg ? « fragte sie . » Da war in Ihren Briefen an Mama von weiter nichts die Rede , als von › durchaus nicht standesgemäß ‹ , von › spießbürgerlichen Gewohnheiten ‹ und so weiter . Ich finde es reizend , überaus reizend hier , ich werde nicht einen Augenblick die Langeweile verspüren , die man immer zwischen Ihren Zeilen lesen mußte . Und was wollen Sie denn von der Schwester des Barons ? Sie ist eine originelle Dame und sieht stattlich genug aus in ihrem grauen Seidenkleid , und was das Kind betrifft , so waschen Sie der Kleinen nur die dichte Schicht Reispuder ab , die Sie auf das arme Gesichtchen gelegt haben , wahrscheinlich um Mama zu rühren . Augenblicklich gleicht es Ihnen , liebste Berg , wenn Sie nämlich schmachtend zu erscheinen wünschen . « » Durchlaucht ! « rief Frau von Berg beleidigt und wurde rot unter der Schminke . » Ereifern Sie sich doch nicht « , fuhr die Prinzessin fort , » geben Sie lieber derartige Versuche auf ! Ich finde es nun einmal reizend hier draußen und werde das meinem Schwager sagen . « » Da werden Durchlaucht völlig seinen Geschmack treffen . « » Oh , was Sie meinen , Beste , das weiß ich « , erwiderte die Prinzessin , » aber das ist lächerlich , einfach lächerlich . Heraus mit der Sprache , liebstes Bergchen , wenn Sie positives wissen « , sagte sie siegesgewiß . » Sie begreifen doch , es kann mir nicht gleichgültig sein , wer die Mutter des Kindes « – sie wies nach der Nebentür – » wird . « » Durchlaucht glauben mir ja doch nicht « , schmollte die Dame und sah vorüber an den funkelnden schwarzen Mädchenaugen . » Mitunter nicht ! Ich weiß indessen ganz genau Wahrheit und Dichtung bei Ihnen zu unterscheiden . « » Nun , so lasse ich Ihnen die Wahl , Prinzessin « , begann Frau von Berg eifrig , » ob Sie glauben wollen oder nicht . Er – « » Es ist nicht wahr ! « » Aber , Durchlaucht , ich sprach noch gar nicht ! « » Alice , sagen Sie nichts , es ist nicht so « , rief die Prinzessin fast drohend . » Er hat sie niemals angesehen , er ist ihr geflissentlich aus dem Wege gegangen . Sie wollten etwas anderes erzählen . « » Gut , wie Durchlaucht befehlen . Sie – « » Sie ist in anderen Ketten und Banden , ich habe es gesehen « , rief Prinzeß Helene . » Der Herzog – « » Aber ich habe ja noch gar nichts gesagt « , unterbrach die Berg . » Wenn Durchlaucht so gut unterichtet sind , was soll ich dann noch sagen ? « » Sprechen Sie , Alice « , bat die Prinzessin jetzt , » ist es denn möglich ? Mama ist außer sich darüber , ich sehe es ihr an , sie redet kein Wort zu mir , seit wir den Herzog mit ihr im Wagen gesehen haben , und ihre Nase ist spitz , das bedeutet Sturm . Sie wissen es , Alice . « » Aber die Herzogin fuhr mit , Prinzessin . « » Ach Gott « , rief diese und schlug die kleinen Hände zusammen , » die arme gute Liesel ! Sie schwebt , wie gewöhnlich , in höheren Regionen und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht . Ich wette , Hoheit , meine Cousine , schreibt wieder an einem Trauerspiel , das dann im nächsten Winter zu unser aller Erbauung aufgeführt werden wird . Wissen Sie noch , Alice , vorigen Winter ? Aber Sie waren ja in Nizza . Schauerlich ! Schauerlich ! Drei Tote waren zuletzt auf der Bühne , und ich hörte , wie Graf Windeck zu der Moorsleben