inzwischen herbeigekommen war ; » aber die neue Magd ist um Mittag auf dem Vorwerk eingetreten , und da mußte ich selber nachsehen . Und es war gut , daß ich kam ! – Das dumme Mädel kommt von einem reichen Bauerngut und heult nun über die leeren Schränke und den wüsten Keller ... Ich konnte mir ' s schon denken und hatte deshalb Schinken und Wurst und ein paar Einmachbüchsen in den Korb da gepackt , und während sie mir in der Küche vorjammerte , da versteckte meine Kleine die Sachen heimlich in den Speiseschrank ... Na ja , besonders schön ist ' s freilich nicht da drüben – sie haben nichts in der Räucherkammer , die Schweine sind ihnen vorigen Winter abgepfändet worden – und wer eben erst an den Fleischtöpfen Ägyptens gesessen hat , der mag sich bedanken . Um deshalb sollte die Herrschaft eigentlich doppelt freundlich zu dem neuen Gesinde sein ; aber den Leuten steckt ja der Amtmannsdünkel im Blut , wie die Motten im Pelze – da ist nichts zu machen ! ... Wie wir in den Hausflur getreten waren , ich und meine Luise , da kam das Fräulein Erzieherin gerade die Treppe herunter . Sie hatte ihren grauen Hutschleier um den Kopf gewickelt – « » Ja , man sah nicht viel von ihrem Gesicht , « warf Luise ein ; » aber sie ist so wundervoll gewachsen und sah vornehm aus wie eine Hofdame – « » Und der ganze Hausflur roch in dem Augenblick nach Veilchen , wie zu Hause mein Leinenschrank , « ergänzte Frau Griebel trocken . » Und wie ihr mein Schnattergänschen da mit seinen Blauaugen ein bißchen vorwitzig ins Gesicht guckt , da dreht sie sich weg und ist zur Haustür hinaus , kein Mensch weiß wie ... Herr Markus , es ist schauderhaft , aber die Hoffart bleibt , und wenn im Magen keine Krume Brot und auf den Schuhen keine Sohle mehr ist ! Ich hörte , wie ihr der Amtmann aus dem Fenster nachrief : › Wo hinaus , Agnes ? ‹ – › In den Wald ! ‹ – › Hast du auch Handschuhe an ? ‹ – Nun bitte ich Sie , Herr Markus ! « Er lachte . » Mein Gott , warum soll denn die Dame ihre schönen Hände nicht pflegen ? – Zwei Mägde arbeiten jetzt für sie – « » So ? Zwei ? – Na , Sie werden gucken , wenn ich Ihnen sage , was ich weiß ... Sehen Sie « – sie hob mit einer strafenden , gekränkten Miene den Zeigefinger – » wie Sie gestern so einfach Ihre Bücher zusammenpackten und aus dem Gartenstübchen fortliefen , als wär ' Feuer auf dem Dache , da dachten Sie in Ihren Gedanken : › Die alte Katze , die ! ‹ Und die › alte Katze ‹ war ich ! – Na , na , seien Sie nur still ! – Das weiß ich so gut wie das ABC – das hab ' ich Ihnen nur so von Ihrem bösen Gesicht abgelesen ! Aber ich war still und dachte auch mein Teil ... Und ich hab ' recht gehabt , und ein andermal trauen Sie doch lieber einer ehrlichen , alten Frau , die ihr Lebtag nicht gelogen hat , als so einem Paar schwarzen Zigeunerfunkelaugen – « » Was ist geschehen ? « schnitt er ihr heftig , in unverhehltem Schrecken die Rede ab . » Na , ein Unglück , über das man sich aufregen müßte , doch beileibe nicht ! Wie kommen Sie mir denn vor , Herr Markus ? Was geht es denn im Grunde uns beide an , wenn Amtmanns Knall und Fall ihre Magd wegjagen ? « » Weggejagt , sagen Sie ? « Jetzt kam ihr unzerstörbarer Gleichmut doch ein wenig ins Schwanken . Sie sah ziemlich verblüfft dem jungen Mann ins Gesicht , der sie so grimmig anfuhr . » Sie tun ja , meiner Treu , als hätte ich das Mädel beim Kragen genommen ! Da muß ich denn doch recht sehr bitten ! – Ich müßte lügen , wenn ich sagen wollte , daß ich das besondere Ding jemals in mein Herz geschlossen hätte – das ist keine nach meinem Sinn – aber ihr schaden und sie bei der Herrschaft verhetzen – nein , das brächte ich nicht übers Herz ! ... Ich fragte nur so nebenbei die › Neue ‹ : › Wo steckt denn die andere ? ‹ Da guckt sie mich ganz dumm und bestürzt an und weiß von keiner anderen ... Das Fräulein habe ihr das Nötige gezeigt , sagte sie , und der alte Herr schnüffele auch immer in der Küche herum und kommandiere brummig und barsch wie ein Unteroffizier – ein anderes Gesicht sei ihr aber weiter nicht vor die Augen gekommen – « » Zur Sache ! « drängte der Gutsherr bebend vor Ungeduld . » Na ja , – und wie ich nachher drin in der Stube nach dem Mädchen frage , das ich doch oft genug auf den Vorwerksäckern bei der Arbeit gesehen habe – hören Sie , da kehrt doch die alte Frau im Bette das Gesicht ganz blaß und still nach der Wand , und der Amtmann kriegt einen feuerroten Kopf und sieht mich mit Augen an , als wollt ' er mich fressen , und stottert und poltert und schnauzt mich an : › Die da ? Na , die ist fort , ja , fort über alle Berge , wie es sich ganz von selbst versteht ! Oder glauben Sie etwa , meine Gute , ich werde zwei solche Tagediebe ernähren , jetzt , wo sie mir die Bude über dem Kopfe einreißen und meine ganze schöne Landwirtschaft stockt und stillstehen muß ? ‹ – Ich bitte Sie , › die ganze , schöne Landwirtschaft ‹ , Herr Maikus ! Der alte Aufschneider , der ! ... Und was er sich nur