siehst ganz aufgeregt aus – gibt ’ s denn so was Wichtiges ? “ „ Ja ! “ gab sie tonlos zurück . Die einfache Mahlzeit war bald beendet . „ Na , dann schütte dein Herz aus , “ sagte der Medizinalrat freundlich . „ Kann ich mit dir zuerst allein sprechen , Papa ? “ „ Das klingt ja Schrecklich geheimnisvoll ! Na , da komm ’ mit ! “ Aenne folgte ihm , holte ihm Cigarrenetui und Spitze und strich das Zündhölzchen an . Als er die ersten Züge that . trat sie vor ihn . Ihre zitternden Finger hatten sich ineinander gewunden , ihre vor Erregung weit geöffneten Augen hefteten sich in die seinen . „ Lieber Papa , ich wollte dich bitten – erlaube mir , daß ich mich zur Sängerin ausbilde . Er sah sie unangenehm überrascht an . „ Mein Gott , du singst ja schon ganz nett , “ murmelte er . „ Aber nicht so , wie es nötig wäre , um es berufsmäßig – – ? “ „ Na , höre – berufsmäßig ! Was ist denn das für ein Beruf ? – Du hast doch nicht etwa die Idee , zur Bühne gehen zu wollen ? “ „ Nicht eigentlich , Papa , ich möchte Konzert- und Kirchensängerin werden , und auch Lehrerin , antwortete sie . „ Wie kommst du denn darauf ? “ „ Ich möchte eine Lebensaufgabe , einen Beruf haben , Papa . “ „ Gefällt ’ s dir denn so gar nicht mehr bei uns ? “ „ Doch , Papa – ach doch ! Aber ich bin so überflüssig , ich möchte hinaus , nützen möcht ’ ich , leben – “ „ Du hast einen so schönen Lebenszweck von dir gestoßen . Sie preßte die Hände gegen die zuckenden Lippen . „ Ich konnte nicht , “ flüsterte sie , „ gewiß nicht , Papa ! “ „ Und wie denkst du dir denn das eigentlich ? „ Ich müßte nach Berlin oder Dresden gehen und studieren „ Und woher soll ich das Geld nehmen für dieses teuere Studium ? “ In diesem Augenblick trat Frau Rat ein , ihre Blicke flogen von Aenne zu ihrem Manne , sie sah , es ging um etwas Ernstes . „ Na , was wird denn hier verhandelt ? “ fragte sie , neben ihren Gatten tretend . Herr Rat räusperte sich . „ Aenne will Musik studieren , in Dresden , “ sagte er ruhig . Frau Rat lachte kurz auf , dann ward sie still unter dem Blick ihres Kindes . „ Ich bin nicht in der Lage , dir das Studium zu ermöglichen , “ fuhr der Medizinalrat fort . „ Aber – Walther studiert doch auch , und Robert – “ wandte Aenne ein . „ Schwatz ’ doch nicht solches Blech , “ fuhr die Mutter sie an , „ Walther ist ein Junge , und – “ „ Und wenn ich nun ebenfalls ein Junge wäre , “ unterbrach das Mädchen , „ müßte ich dann auch hier sitzen , thatenlos , ohne Zweck und Ziel ? Wäre dann auch nichts für mich da ? “ „ Du bist aber eben kein Junge , damit beruhige dich ! “ rief die Rätin streng . „ Sei doch froh , daß du deine Eltern noch hast und nicht hinaus brauchst in die Fremde ! “ „ Ich soll nichts thun , nichts lernen ? “ „ Nichts thun ? Genug ist zu thun , Kochen , Flicken , Staub wischen , deine Mutter pflegen – “ „ Aber Mama , dazu seid ihr schon drei mit dem Mädchen ! Es ist ja ein furchtbares Faulenzerleben , zu dem ihr mich verdammt ! “ „ Die meisten Mädchen leben bis zu ihrer Hochzeit so , du bist auf der Welt zum Nutzen , zur Freude deiner Eltern , und um später die Frau eines braven Mannes zu werden – basta ! Nun red ’ nicht mehr davon ! „ Nützen thu ’ ich nichts , und freuen könnt ihr euch doch nur , wenn ich glücklich und froh bin , “ wendete Aenne ein , „ und das kann ich nur sein , wenn ich frische , mir zusagende Arbeit habe , und Mama – verheiraten werde ich mich nie ! “ Frau Rat öffnete bereits den Mund zu einer neuen gereizten Antwort , der Zorn flackerte ihr rot über das Gesicht , der Rat aber wehrte ihr , indem er ihr leise die Hand auf die Schulter legte . „ Kind , “ sagte er , „ wir wollen das Gespräch nicht fortsetzen , es wär ’ verlorne Müh ’ – ich habe die Mittel nicht . “ „ Dann muß ich sehen , wie ich allein durchkomme , “ erklärte sie finster , sich zum Gehen wendend . „ Aenne ! “ rief die Rätin , außer sich über den Trotz des Mädchens , und hielt sie am Aermel fest , „ bist du denn ganz von Gott verlassen ? Wer hat dir nur so verrückte Ideen in den Kopf gesetzt ? “ Sie machte sich ruhig los , nur einen großen schmerzlichen Blick gönnte sie der erregten Frau . „ Laß doch , Mama , ihr könnt oder wollt mich nicht verstehen , ich weiß wirklich nicht , was ich noch hier zu thun hätte . „ Woher soll denn dein Vater das Geld nehmen ? “ schrie , ganz außer sich , die Mutter , „ hast du denn gar keine Einsicht ? “ „ Doch ! Ich verstehe es – da ich nur ein Mädchen bin , habe ich kein Rechte , etwas zu fordern ; hieße ich Kunz oder Hans , so wäre es da , “ antwortete sie . „ Ich will mich bemühen , mit dieser hergebrachten Ungerechtigkeit fertig zu werden . “ Sie ging hinaus , setzte sich in der sogenannten „