Tanger , trotz etlicher » accidents « ( darunter der Postwagenunfall ) und endlich trotz reichlich in Afrika gemachter Einkäufe , nur gerade viertausend Francs , also etwa tausend Taler gekostet hatte , was nicht ermangeln wird , den Neid aller ungeschickt und teuer Reisenden , zu denen ich mich leider selber zu zählen habe , zu wecken . Ende 1847 oder Anfang 1848 war W. Gentz wieder in Paris zurück und unterzog sich hier eben der Ausführung seiner mitgebrachten Skizzen , als die Februarrevolution dazwischen trat und ihm Veranlassung gab , auf fast Jahresfrist in seine märkische Heimat ( Ruppin ) zurückzukehren . Hier entstanden zunächst verschiedene Porträts , darunter die Bildnisse seiner Eltern , worauf er dann , auf längere Zeit , nach Dresden ging , um daselbst einige Kopien italienischer Meister , namentlich Tizians und Correggios , zu fertigen . Die Sehnsucht nach den seiner Kunst so förderlichen Kreisen der französischen Hauptstadt zog ihn aber , im selben Jahre noch , wieder nach Paris zurück , woselbst er nun das Jahr darauf ( 1849 ) sein erstes großes Bild malte : » Der verlorene Sohn in der Wüste « . Dies Bild , » Der verlorene Sohn « , wurde im Herbst 1850 auch in Berlin ausgestellt und erfuhr daselbst sowohl seitens des Publikums wie der Kritik eine sehr günstige Aufnahme . Die Freude darüber wurde W. Gentz aber nicht unmittelbar zuteil ; denn um eben die Zeit , wo die günstigen Beurteilungen in den Blättern erschienen , war er längst nicht mehr in Berlin , auch nicht in Paris , sondern in Ägypten , wohin er schon im März genannten Jahres ( 1850 ) seine zweite große Afrikareise , die auch seine größte blieb , angetreten hatte . Begleiten wir ihn auf dieser seiner Fahrt . Am 10. März war er in Marseille , am 26. in Kairo . Hier blieb er , erfaßt von dem ganzen Zauber des Orients , volle sieben Monate . Am 2. November endlich bestieg er eine Dahabîye , ein großes Nilboot , um auf ihm die bekannte Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt und dem nahe gelegenen Wadi Halfa zu machen . Alle Vorbereitungen waren getroffen und in der Abreisestunde schrieb er seinen Eltern : » Das Mieten eines Schiffes macht so viele Schwierigkeiten , wie wenn man bei uns daheim ein Rittergut kauft . Zwei volle Tage habe ich zur Verfertigung des Kontraktes nötig gehabt . Mit den Schiffsleuten ist nicht mehr aufzustellen als mit dem brutalsten Vieh , und danach behandelt man sie auch . Den kleinsten Punkt muß man im Kontrakt regeln , ist dieser aber gut abgefaßt , so kann man , ohne alle Sorge , dem Kapitän in Kontraventionsfällen bei jedem Scheich einer Stadt eine gehörige Tracht Hiebe auf die Fußsohlen aufzählen lassen . Selbst wenn man einen solchen Kerl niederschösse , würde kein Hahn danach krähen . Mein Dragoman ist ein ehrlicher , verständiger Mann . Außerdem habe ich einen Reisebegleiter gefunden , einen Galizier , Herrn von Wrublewski , mit dem ich schon früher den Ausflug nach Sakkarah gemacht habe . Zur Sicherheit sind alle Vorkehrungen getroffen . Ich habe mir eine Doppelflinte , einen Säbel , einen Yatagan und einen Dolch außer meinen beiden Pistolen gekauft . Auch eine kleine Reiseapotheke . Übrigens bin ich akklimatisiert . Meine Provision habe ich für drei Monate eingerichtet : Sechzig Pfund Schiffszwieback , zwanzig Flaschen Rum und Kognak , einen Sack Kartoffeln , Reis , Makkaroni , Kaffee , Tee . Kurzum genug . Für den täglichen Bedarf findet man sehr viel Wild , und mein Begleiter ist ein guter Jäger . Die Wunder des grauen Altertums werden bald vor unseren Blicken sein . « Am 15. November war er in Karnak und Luxor , am 16. in Esneh , am 21. am ersten Katarakt ( Assuan und Philä ) ; vom 24. bis 26. zwischen Korosko , Deri und Ibrim , am 3. Dezember am zweiten Nilkatarakt und am Tage darauf in Wadi Halfa . Hier befand er sich am vorgesteckten Ziel , von dem aus er die Rückfahrt antrat . Am 13. , nach kurzem Verweilen in Abu-Simbel und Kelabscheh , war er wieder am ersten Katarakt , wo er besonders der im Nil gelegenen Felseninsel Philä seine Aufmerksamkeit schenkte . Am 18. in Edfu . Dann , während der ganzen Weihnachtswoche abermals in Karnak und Luxor , die jetzt beide mit aller Gründlichkeit von ihm durchforscht wurden , bis er am 1. Januar in Dendare und am 8. in Kairo eintraf , das , trotz der Fülle des auf seiner Nilfahrt Gesehenen , den alten Zauber auf ihn ausübte . Noch etwa sechs Wochen blieb er daselbst ; dann , Ende Februar , brach er auf und verbrachte den März auf einer Wanderung durch Palästina , Syrien , Klein-Asien . In Smyrna lernte er den Prinzen Friedrich von Schleswig-Holstein 31 kennen , mit dem er , von jener Zeit an , bis zum Tode desselben , in freundschaftlichem Verkehr blieb , nachdem er ihn noch im Jahre 1874 auf seinem Schlosse Noer , in der Nähe von Eckernförde , besucht hatte . Anfang April war W. Gentz in Konstantinopel und Ende desselben Monats in Korfu . Von da ging er , über Pest und Wien , ins elterliche Haus zurück , an das er , alle die Zeit über , zahlreiche Briefe gerichtet hatte . Daheim nahm er seine malerische Tätigkeit rasch wieder auf , und nachdem er , durch Jahr und Tag hin , nur gezeichnet und skizziert hatte , ging er jetzt mit doppelter Lust an ein großes Bild : » Der Sklavenmarkt in Kairo « , das das Jahr darauf in Berlin ausgestellt wurde . Zu gleicher Zeit beschäftigte ihn die Herausgabe seiner , von Ägypten her , an die Eltern gerichteten Briefe , und zu Weihnachten 1852 erschienen denn auch » Briefe aus Ägypten und Nubien « – Verlag von Karl Barthol in Berlin – ein vorzügliches Buch ,