sagte Mrs. Fairfax , » Kommen Sie her und sprechen Sie mit dieser Dame , welche Ihre Lehrerin sein wird , damit Sie eines Tages eine gescheite Dame werden . « Die Kleine kam näher . » C ' est là ma gouvernante ? « fragte sie zu ihrer Wärterin gewendet auf mich zeigend ; diese antwortete : » Mais oui , certainement . « » Sind sie Ausländer ? « fragte ich , ganz erstaunt , die französische Sprache zu hören . » Die Wärterin ist eine Ausländerin und Adela wurde auf dem Kontinent geboren ; ich glaube auch , daß sie bis vor sechs Monaten dort verblieb . Als sie zuerst herkam , konnte sie kein Wort englisch sprechen ; jetzt hat sie es so weit gebracht , ein wenig sprechen zu können ; ich verstehe sie nicht , sie vermischt es so sehr mit dem Französischen ; aber ich vermute , daß Sie sehr gut begreifen werden , was sie meint . « Zum Glück hatte ich den Vorteil gehabt , französisch von einer Französin zu lernen ; und da ich es mir stets hatte angelegen sein lassen , so viel wie möglich mit Madame Pierrot zu reden und überdies während der letzten sieben Jahre täglich mehrere Seiten französisch auswendig gelernt hatte , war es mir möglich geworden , mir einen Grad der Fertigkeit und der Korrektheit in der Sprache anzueignen , welcher mich in den Stand setzte , mit Mademoiselle Adele gleichen Schritt zu halten . Als sie hörte , daß ich ihre Gouvernante sei , kam sie auf mich zugelaufen und reichte mir die Hand ; dann führte ich sie in das Frühstückszimmer und richtete einige Worte in ihrer Muttersprache an sie ; im Anfang antwortete sie sehr kurz , aber nachdem wir am Tische Platz genommen hatten und sie mich ungefähr zehn Minuten mit ihren großen hellbraunen Augen angesehen hatte , begann sie plötzlich ganz geläufig zu plaudern . » Ach , « rief sie auf französisch aus , » Sie sprechen meine Muttersprache ebenso gut wie Mr. Rochester , ich kann mit Ihnen reden wie mit ihm , und Sophie kann es auch . Sie wird glücklich sein ; hier kann niemand sie verstehen , Madame Fairfax ist durch und durch englisch . Sophie ist meine Wärterin ; sie ist mit mir über das Meer gekommen in einem großen Schiffe mit einem Schornstein , der rauchte – und wie er rauchte ! – und ich war krank , und Sophie war es auch und Mr. Rochester auch . Mr. Rochester legte sich auf ein Sofa in einem hübschen Zimmer , das Salon genannt wurde , und Sophie und ich hatten kleine Betten in einem anderen Zimmer . Beinahe wäre ich aus dem meinen heraus gefallen , es war ganz wie ein Brett . Und , Mademoiselle – wie heißen Sie doch ? « » Eyre – Jane Eyre . « » Aire ? Bah ! Das kann ich nicht aussprechen . Nun also weiter : gegen Morgen , der Tag war noch nicht ganz angebrochen , hielt unser Schiff bei einer großen Stadt an – bei einer enorm großen Stadt , mit sehr düsteren Häusern , die ganz von Rauch geschwärzt waren ; sie hatte gar keine Ähnlichkeit mit der sauberen , hübschen Stadt , aus welcher ich kam . Und Mr. Rochester trug mich auf seinen Armen über ein Brett ans Land , und Sophie kam hinterher ; dann stiegen wir alle in einen Wagen , der uns bis an ein großes , prächtiges Haus brachte , viel größer und viel , viel schöner als dieses , und es hieß ein » Hotel « . Dort blieben wir beinahe eine Woche . Sophie und ich gingen oft auf einem großen , grünen Platz voller Bäume umher , den sie » Park « nannten . Außer mir waren noch viele , viele Kinder dort , und ein Teich mit prachtvollen Vögeln darauf , die ich oft mit Brotkrumen gefüttert habe . « » Können Sie sie denn eigentlich verstehen , wenn sie so schnell plappert ? « fragte Mrs. Fairfax . Ich verstand sie sehr gut , denn ich war an Madame Pierrots geläufige Zunge gewöhnt . Dann fuhr die gute , alte Dame fort : » ich möchte gern , daß Sie ein paar Fragen über ihre Eltern an sie richteten ; es soll mich doch wundern , ob sie sich ihrer noch erinnert ? « » Adele , « fragte ich , » mit wem hast du in jener hübschen , sauberen Stadt gewohnt , von welcher du mir erzählt hast ? « » Mit meiner Mama , aber das ist schon lange her ; sie ist zur heiligen Jungfrau gegangen . Mama hat mich auch tanzen und singen und schöne Verse hersagen gelehrt . Viele Herren und Damen kamen stets , um Mama zu besuchen , und dann pflegte ich ihnen etwas vorzutanzen oder vorzusingen . Oft nahmen sie mich auf den Schoß , und ich sagte ihnen Gedichte her . Wollen Sie mich jetzt auch singen hören ? « Sie war mit ihrem Frühstück zu Ende , und deshalb erlaubte ich ihr , mir eine Probe ihres Talents zu geben . Sie kletterte von ihrem Stuhl herunter und kam zu mir , um sich auf meinen Schoß zu setzen ; dann faltete sie ernsthaft ihre kleinen Hände , warf ihre Locken zurück , heftete ihre Augen auf die Decke des Zimmers und begann , eine Melodie aus irgend einer Oper zu singen . Es war ein Lied von einer verlassenen Frau , welche anfangs die Treulosigkeit ihres Geliebten beweint und dann ihren Stolz zu Hilfe ruft ; darauf befiehlt sie ihrer Begleiterin , ihr die schönsten Gewänder und ihre prächtigsten Juwelen zu bringen und beschließt , dem Falschen am Abend auf einem Balle zu begegnen und ihm durch ihre Fröhlichkeit zu beweisen , wie wenig seine Treulosigkeit sie ergriffen hat . Das Lied schien seltsam gewählt für eine so