ist umsonst , ich fürchte , sie hatte keine Entschuldigung . « » Ach , lassen wir sie , « sagte Fastrade müde , » sie hat keinem helfen können , sie zählt nicht mehr . « Leise , und als spräche er zu sich selbst , murmelte Egloff : » Zählt nicht - na , sie wäre noch das einzige gewesen , was in dieser verdammten Welt hätte zählen können . « Es war so finster geworden , daß sie einander nicht mehr deutlich sehen konnten . Über ihnen war noch immer das unermüdliche leise Rauschen der kleinen Flügel hörbar , plötzlich hatte die Fledermaus den Ausgang durch das offene Fenster gefunden , sie stieß einen schrillen Laut aus und flatterte in die Dunkelheit des Waldes hinaus . » Ich muß jetzt gehen , « sagte Fastrade , » lebe wohl , Dietz . « Sie reichte ihm ihre Hand , und er drückte sie schweigend . Fastrade wandte sich dem Tische zu , auf dem ihre Handschuhe und Reitgerte lagen , sie blieb dort einen Augenblick stehen und der leise , helle Ton fallenden Goldes wurde vernehmbar . Sie hatte den Ring , den Egloff ihr gegeben , vom Finger gestreift und auf den Tisch fallen lassen , dann ging sie hinaus . Zu Hause erfuhr sie von Christoph , daß der Baron Port eben da gewesen und fortgefahren sei . Während sie sich in ihrem Zimmer umkleidete , dachte sie : so muß es ja kommen , jetzt ist die Geschichte von Lydia , Dietz und mir zu allen Schlössern unterwegs . Fastrade ging zu ihrem Vater hinüber . Der Baron und die Baronesse Arabella saßen nebeneinander auf dem Sofa und die bleichen Gesichter schauten gespannt zur Tür hin . » Guten Abend « , sagte Fastrade , als sie eintrat . » Guten Abend , mein Kind , « erwiderte der Baron feierlich , » setze dich . « Fastrade setzte sich , faltete die Hände im Schoß , sah vor sich hin in das Licht der Lampe und wartete . Der Baron schaute seine Schwester an , diese nickte kummervoll , da trocknete er seine Lippen mit dem Taschentuche , räusperte sich und sprach offenbar mit Anstrengung : » Port war hier , er hat mit deiner Tante gesprochen , nun ja , und deine Tante hat mit mir gesprochen . Er hat da Dinge erzählt , die uns viel Kummer bereiten . « Er hielt inne und sah Fastrade erwartungsvoll an . Diese regte sich nicht , sie schaute noch immer wie abwesend in die Lampe , aber sie sagte ruhig und deutlich : » Ich habe eben meine Verlobung mit Dietz Egloff gelöst . « Wieder sahen die beiden alten Leute einander an , die Baronesse lächelte sogar kaum merklich und der Baron nickte . » So , so , « meinte er , und das Reden wurde ihm leichter , » nun ja , ich habe von meiner Tochter nichts anderes erwartet . Ich erinnere mich zwar nicht , daß hier in Paduren eine Warthe schon einmal ihre Verlobung aufgelöst hätte , das ist für die Familie auch immer unangenehm , aber unter diesen Umständen bleibt uns wohl nichts anderes übrig . Hättest du beizeiten meine Warnungen gehört , so wäre uns viel Kummer erspart worden . Aber lassen wir das jetzt , dieser junge Mann ist erledigt . « Und er fuhr mit der Hand von oben nach unten durch die Luft , wie er es in solchen Fällen zu tun liebte . Fastrade wollte auffahren , wollte gegen diese bleiche Greisenhand protestieren , die über Dietz Egloff den Sargdeckel zuzuschlagen schien , aber sie schwieg . » Nun , und du wirst bald darüber hinwegkommen , « fuhr der Baron heiterer fort , » du hast deine Heimat , deinen Wirkungskreis , wir sind ja hier recht gemütlich beisammen , wer kann uns etwas vorwerfen , wer kann uns etwas tun , nun also . « Die Baronesse Arabella stand auf , ging zu Fastrade und küßte sie auf die Stirn , der Baron legte seine Hand auf Fastrades Hände , sie aber richtete sich auf , als täten diese Liebkosungen ihr wehe . » Sollen wir nicht lesen ? « sagte sie und griff nach St. Simons Memoiren . » Nun ja , « erwiderte der Baron , » dem steht jetzt wohl nichts im Wege . « » Lest , lest , « meinte die Baronesse , ihr tränenfeuchtes Gesicht lächelte , » ich bringe euch Orangen , es ist eben eine neue Sendung angekommen . « Siebzehntes Kapitel Spät am Abend kehrte Dietz Egloff von seiner Reise nach Hause zurück . Klaus empfing ihn im Flur , nahm ihm seine Sachen ab , fragte nach seinen Befehlen und tat das mit einer scheuen , traurigen Miene . Egloff entnahm daraus , daß die Nachricht vom Tode des armen Dachhausen ihm vorausgeeilt war . Im Saal kam ihm die Baronin entgegen , sie umarmte ihn , sie hatte geweint , und auch in ihrer Zärtlichkeit lag etwas Befangenes und Unsicheres . » Du wirst hungrig sein , mein Kind , « sagte sie , » du wirst gleich essen . « Egloff dankte , schlafen wollte er , nur das . » Ja , ja , « meinte die Baronin und streichelte seinen Rockärmel , » schlaf nur , mein Kind ; niemand wird dich stören . Wein und etwas Kaltes lasse ich dir auf dein Zimmer stellen , vielleicht daß du später etwas nimmst . « Auch Fräulein von Dussa kam , und in ihrem Händedruck lag etwas Pathetisches . Die beiden Damen begleiteten Egloff bis an die Tür seines Zimmers , und als er dieselbe hinter sich schloß , hörte er sie eine Weile noch miteinander flüstern . Er streckte sich auf sein Sofa aus und schloß die Augen , er war wirklich todmüde , aber was half es , so war es ihm schon auf