, den Druck zu besorgen . Den Vertrieb sollte sie selbst übernehmen . Zu diesem Zweck würde ihr Zimmer nicht genügen und eine eigene , kleine Wohnung notwendig werden . Sie suchte schon fleißig , natürlich im Vorort , da sie nicht zwischen den vier Mauern eines Gartenhauses , das in Berlin selbst allein in Frage kam , leben wollte . Im Vorort konnte sie wohl eine kleine Wohnung mit freierem Ausblick finden . Der Vater war von dem Plan verständigt worden , und sie hatte um eine Summe gebeten , mit der sie die ersten Unkosten und die einfachste Einrichtung der Wohnung bestreiten konnte . Ohne weiteres hatte er das Geld gesandt . Es war ein Geschäft wie jedes andere , das sie begann , - warum ihr nicht helfen ? Ja , zu ihrem Erstaunen war er erfreut gewesen von dem Plan , denn es hatte ihn gequält , daß das Mädchen , ohne verständlichen Zweck , fern von zuhause , in der fremden Großstadt saß . Nun hatte ihr Dortsein einen Zweck , und darum half er ihr , ihren Plan auszuführen . Sie begann Verbindungen mit Autoren und Redaktionen anzuknüpfen , wollte nicht eher beginnen , bevor ein fester Kreis von Mitarbeitern und auch von » Abnehmern « gewonnen war . Dabei hieß es erkennen , was die Tagespresse brauchte , vielleicht neue Anregungen geben und Bedürfnisse wecken ; andererseits galt es , die Autoren zu interessieren , sie zur Arbeit anzuregen , sie auf Probleme der Frauenkultur , wie sie sich in der Zeit meldeten , aufmerksam zu machen , mit Geschick die geeigneten Persönlichkeiten heranzuziehen . Die Korrespondenz , wie sie ihr vorschwebte , sollte nicht wahllos Artikel , die der Zufall auf den Tisch wirbelte , aneinanderreihen , - sie sollte der Ausdruck einer in sich geschlossenen Anschauung werden . Bei dieser Arbeit half ihr Lore Wigolski . Lange hatte sie eine passende Helferin für die Erledigung der vielen schriftlichen Arbeiten gesucht . Und da sie noch keine eigene Schreibmaschine besaß , war es schwer geworden , eine Kraft zu finden , die ihr nur stundenweise und doch sicher zur Verfügung stand , so oft sie sie brauchte . Sie hatte es mit verschiedenen , kleinen Tippmädchen versucht , - aber die pünktliche und sichere Lieferung der zumeist eiligen Briefe klappte nicht , wie sie mußte . Auf gut Glück war sie , begleitet von Stanislaus , auf eine Annonce hin , auch zu Frau - oder Fräulein - Wigolski gegangen . In einer kleinen Gartenhauswohnung in Schöneberg , vier Treppen hoch , wohnte sie . Ein junges , eben schulentlassenes Dienstmädchen öffnete und führte die Besucher gleich in eine große , lichte Stube , die mit behaglichem Altväterhausrat ausgestattet war . Da standen prächtige , alte Biedermeierkommoden , tiefe Fauteuils und ein bequemes Sofa , wie es in die » gute Stube « einer alten Berliner Familie gehörte , aber mit braunem Tuch neu bezogen ; da war auch ein großer , moderner Arbeitstisch , von rotgebeiztem Holz , fast so groß wie ein Zeichentisch , mit Papieren und Maschinenschriftmanuskripten bedeckt . Daneben war ein kleines Tischchen , auf dem , auf einem dicken Schalldämpfer von Kork , die Schreibmaschine stand . Und da war noch ein Möbelstück , das eigentlich nicht in dieses Zimmer paßte : ein weißes Kinderbett , mit einem Betthimmel von hellblauem Tüll , stand nahe einer schmalen Tapetentür in der Ecke . Über das ganze , behagliche Zimmer waren Blumen verteilt , - auf den Kommoden standen Vasen mit Herbstlaub , Astern und Georginen , und grüne Blattpflanzen reckten sich im Erker der Sonne zu . Eine schlanke Frau , in knappem , dunklen Tuchkleid , trat ein . Ihr Kopf erinnerte Stanislaus an die Modelle moderner Maler : große , scharfgezeichnete Züge , ein etwas breiter Mund mit zwei prächtigen Zahnreihen , lebhafte , graue Augen , deren äußere Winkel etwas schräg gestellt waren und einen wendischen Einschlag im Blute verrieten , dem man in alten Berliner Familien oft begegnet . Sie sprach mit kräftiger , sicherer Stimme , und der reservierte Zug in ihrem Gesicht verschwand bald . Zwischen den beiden Frauen spann fast augenblicklich , über die geschäftlichen Beziehungen , die sie anknüpften , ein persönliches Interesse seine Fäden , - es war wie eine Ahnung , die die kämpfenden Frauen dieser Zeit oft blitzschnell zu schwesterlichem Erkennen fühlt . Man einigte sich rasch . Lore Wigolski sollte schon am nächsten Tage zum Diktat kommen . Stanislaus und Olga erhoben sich . Da hörte man Kinderweinen im Nebenzimmer . Die Tapetentür wurde geöffnet , und das kleine Dienstmädchen rief herein : » Ach bitte , - Frolain , - kommen Se doch mal ! Lörchen is so unnütz ! « Aber da drängte es sich schon durch die Tapetentür , - das unnütze Lörchen , - vierjährig mochte es sein - schön , wie ein kleiner Cherub , mit roten Bäckchen , großen , grauen Strahlenaugen und dunkelblonden Locken . » Mutti - is will mal die Leute sehen « , - damit zappelte sie geradewegs auf die Geschwister zu . Lore Wigolski lächelte . Es war , als ob über die herben Züge eines Kliemtschen Kopfes das uralte , das ewige Licht - aus dem Antlitz der Kindesmutter genommen - gebreitet würde . So lächelt - besitzfroh - die Mutter , Madonna divina - die das Pfand empfangen , geboren , gerettet weiß ... Freundlich beugte sich Olga zu dem Kind . Für Stanislaus aber war die Stube mit dem Altväterhausrat verwandelt . Flammend hatte das Licht hineingeschlagen , und im göttlichen Glanz sah er das Püppchen , das Lörchen , die Arme breiten , sah er ein Kind auf kleinen Beinchen schwanken , hörte er das Stammeln der jungen Sprache ... Er durfte die Verklärung erleben , die den Frommen und Gläubigen wird , wenn sie der Mutter mit dem Kinde begegnen , - denn er war einer von ihnen . In