dann , das Anzünden einer Zigarette gaben einen kleinen flüchtigen Augenblick des Vergessens und sehr durchdringenden Behagens . Aber die schwere Arbeit des Wartens und Bangens mußte gleich wieder aufgenommen werden . Wenn Doralicens Gedanken , der Spannung müde , kraftlos wurden , waren sofort Bilder da , farbige , belebte Traumbilder . Sie sah den Strand gelb von Sonnenschein , die Generalin im weißen Piquékleide kämpfte mit dem Winde , Lolo stand , ein schmaler roter Strich , in einem grünblauen Meere und Hans kam langsam durch den Sonnenschein auf Doralice zu . » Schön , schön « , sagte er in seiner herzlichen , eifrigen Weise , » du hast auf mich gewartet , schön , schön . « Und Doralice fühlte , daß nun alles wieder gut sei , fühlte das mit einer so starken und heißen Erschütterung der Freude , daß sie mit einem Ruck aus ihrem Sessel auffuhr und das bleiche sich sachte hin und her wiegende Gesicht Agnes ' verständnislos anschaute . Nein , diese Traumbilder waren Leben und dieses Zimmer mit der bleichen Agnes und der heulenden schwarzen Nacht draußen , das waren nur die Schrecken eines unbegreiflichen Traumes . Und sie flüchtete wieder zu den Traumbildern , lebte mit ihnen , bis die Freude , die sie brachten , sie wieder weckte . Der Tag graute , zögernd und schäbig . Ein heftiger Gewitterregen ging nieder ; er hüllte das Land und das Haus wie in undurchdringliche staubgraue Spinnweben ein . Da hatte das Licht einen schweren Stand . War das überhaupt ein Tag , dachte Doralice , dieses müde , kummervolle Hindämmern , unterbrochen von dem jähen Aufschrecken , wenn das deutliche Bewußtsein des jammervollen , unfaßbaren Wartens kam . Sie kleidete sich an wie sonst , Agnes kochte wieder Tee , später machte sie Spiegeleier , denn sie meinte , des Sturmes wegen würde man nicht so leicht Feuer auf dem Herde machen können . Leute kamen , die Wardeins und die Steege ; sie standen da im Zimmer und sprachen laut miteinander . Die Steegin mit rotverweinten Augen , ungekämmtem Haar , bleich und übernächtig , weinte ganz laut : » Hu , hu , hu « und redete wie im Fieber . Natürlich , wenn man alles Geld ins Wirtshaus trägt , kann man sich kein neues Boot kaufen , dann kann man kaum das alte instand halten . Aber auf sie hörte er ja nicht . Noch gestern morgen hatte sie ihm gesagt , daß sie einen schlechten Traum gehabt hatte ; ihr hatte geträumt , Steege stünde in seinem Boot und das Boot war ganz voll mit Dorschen gewesen , bis zum Rande voll . Von Dorschen aber zu träumen ist schlecht , von Butten gut . Aber auf sie hörte er ja nicht . » Von Dorschen zu träumen ist schlecht und von Butten gut « , wiederholte die Mutter Wardein ernst , » das ist richtig . « - Als die Frauen gegangen waren , kam der Geheimrat ; er war steif und offiziell , dabei hatten seine Züge etwas Gekniffenes und Verzerrtes , als schmerze ihn sein Gesicht . Er sagte , Doralice könne sich auf ihn verlassen , alles Nötige würde geschehen . Sobald es möglich wäre , würden Leute hinausfahren . Einen Mann zu Pferde hatte er den Strand hinab , dem Leuchtturme zu , geschickt . Dann saß er da , trommelte mit den Fingern auf sein Knie , suchte nach etwas , das er sagen könnte , etwas , das zu Herzen geht , er fand jedoch nichts . So bemerkte er nur : » Sie sollten sich einen Pelzmantel umnehmen , in solchen Zeiten friert man . « Nachdem er schweigend eine Weile gesessen , ging er . Gegen Abend verbreitete sich das Gerücht , der Fischer Stibbe sei zurück . Wieder war das Zimmer voller Frauen ; die Stibbin erzählte , ihr Mann habe sich bald von Steege getrennt , da ihm das Wetter verdächtig erschienen sei . Unterwegs habe das Gewitter ihn noch erwischt , es sei dunkel geworden , daß er nicht die Hand vor Augen sah , und der Sturm ! Es war noch gut gewesen , daß er bald in die Bucht hinter den Leuchtturm geraten war und dann - ein gutes Boot war eben ein gutes Boot . Wenn er das neue Boot nicht gehabt hätte , wer weiß , wie es ihm dann ergangen wäre . Von Steege und Hans wußte er nichts . Die Frauen sprachen alle zu gleicher Zeit , die Steegin weinte wieder : » Hu , hu , hu « , endlich schickte Agnes sie alle hinaus . Der Abend brach herein ; Doralice und Agnes saßen sich gegenüber ; Agnes wiegte sich sachte und jammerte leise ; Doralice versuchte es mit ihren Gedanken , sich in irgendwelche ferne , friedliche Erinnerungswinkel zu flüchten , oder sie hörte gedankenlos dem Sturm und dem Meere zu . Die Nacht kam , Agnes brachte Doralice zu Bett und Doralice versank in einen schweren Schlaf ; durch den tiefen Schlaf ging zuweilen etwas , das zu schwer zu tragen war , und das Erwachen wurde dann zur einzigen Zuflucht . Doralice schlug die Augen auf . Das Zimmer war hell ; auf dem Stuhl am Fußende des Bettes saß Agnes in Tücher gewickelt ; das kleine gelbe Gesicht schaute seltsam friedlich , fast heiter drein , die weiche Linie des zahnlosen Mundes zuckte in einem verhaltenen Lächeln . Als Agnes sah , daß Doralice wach wurde , fing sie an zu sprechen . Sie sprach so , als fahre sie in einer begonnenen Erzählung fort : » Und damals , als wir die Hochzeit für die Base Anne ausrichteten , nein , dieser Schlingel ! Also wir hatten eine schöne , große Gans , die war in das Rohr geschoben und bret dort . Unterdessen war vieles andere zu tun und als wir nun denken , die Gans muß fertig