. So habe ich bereits gesagt , daß der große Redner der Seneca , dessen Grab wir in Buffalo besuchten , zum Clan der Wölfe gehörte . Es gab einen Clan der Adler , der Geier , der Hirsche , der Bären , der Schildkröten und so weiter . In einen solchen Clan konnte ein Jeder eintreten , weß Stammes er immer war . Selbst der Todfeind wurde angenommen und aus allen Kräften beschützt und unterstützt , wenn er die ihm auferlegte Bedingung treu und ehrlich erfüllte . So sehr zum Beispiel die Kiowas und die Navajos einander haßten und sich gegenseitig bis auf Blut und Tod verfolgten , sobald sie sich als Mitglieder eines Clan erkannten , war diese Feindschaft augenblicklich und für stets vergraben . Man kann sich denken , wie segensreich diese Clans wirkten ! Leider , leider aber hörte das auf , als die » Bleichgesichter « erschienen und ihnen gestattet wurde , auch beizutreten . Sie nützten die Clans nur für ihre persönlichen Zwecke aus und steckten die Vorteile ein , die ihnen daraus erwuchsen , ohne aber ihren Verpflichtungen nachzukommen . Dadurch büßten die Clans ihren guten Ruf , ihre moralischen Kredite ein und somit auch die großen , sozialen Wirkungen , auf welche hin sie von ihren einstigen Gründern berechnet waren . Es blieb der Zukunft vorbehalten , ob sie überhaupt wieder aufleben würden oder nicht . Immer waren die Clans nach Tieren benannt , niemals aber nach einem Menschen . Wenigstens ist es mir nicht erinnerlich , von einem solchen Fall gehört zu haben . Vielmehr war ein solches Beispiel jetzt soeben zum ersten Male an mich herangetreten : Ein Clan mit dem Namen Winnetou ! Denn daß es sich um einen Clan handelte , verstand sich ganz von selbst , und das Erkennungszeichen für die Zugehörigen war der zwölfstrahlige Stern , den der » junge Adler « und Aschta an ihren Gewändern trugen . Wann war dieser Clan gegründet ? Vor wenigstens vier Jahren . Denn so alt war der Anzug , den der » junge Adler « jetzt trug . Dieser junge Indianer war der Allererste , der in den neuen Clan aufgenommen wurde , und zwar von Tatellah-Satah , der also der Gründer dieser Winnetou-Vereinigung war , deren männliche Mitglieder sich als » Winnetou « und die weiblichen sich als » Winnetah « bezeichnen durften . Welchen höheren Zweck hatte dieser Clan ? Und welche Verpflichtungen legte er seinen Mitgliedern auf ? Ich fragte nicht , denn ich hoffte , es sehr bald zu erfahren . Daß seine Ziele eminent friedliche waren , konnte man schon aus der Stammesangehörigkeit der beiden Mitglieder ersehen , die ich jetzt kannte : ein Apatsche und eine Siou Ogallallah , also zweien Nationen angehörig , die sich unbedingt als Todfeinde zu betrachten hatten ! - - - Während des Kaffeetrinkens sagte uns Pappermann , daß wir heut Abend die Devils pulpit erreichen würden . Er bat nur um eine Stunde Aufenthalt hier am Kanubisee , um sich da wieder einmal umsehen zu können . Dagegen hatten wir nichts . Wir hätten ihm sehr gern noch viel länger Zeit gegeben . Aber die Stunde war noch nicht vorüber , so kehrte er von seinem Rundgange schon zurück und sagte : » Wollen aufbrechen , wenn es Euch recht ist ! Und wenn ich noch länger hier herumkrieche , so finde ich doch mehr Bitterkeiten als Süßigkeiten , und das brauche ich mir alten Kerl doch wohl nicht anzutun ! « Recht hatte er . Auch dieser Kanubisee war schön , sehr schön , aber seine Wasser hatten für uns keinen frohen , sondern einen mehr als elegischen Schimmer , und so blieb er in unserer Erinnerung nur als der Ort einer kurzen Rast , auf welche neue Wanderung zu folgen hatte . Wir ritten in das Tal des Purgatorio hinab und folgten dort einem schmalen , kristallklaren Wasser , welches uns nach unserm Ziele zu führen hatte . Wir erreichten es , doch erst dann , als es bereits fast dunkel geworden war , so daß ich vorschlug , lieber heut noch außerhalb des Bereiches der » Teufelskanzel « zu bleiben , weil wir vor diesem Orte gewarnt worden waren und wegen der Dunkelheit keine Zeit mehr hatten , ihn auf die Anwesenheit von feindlichen Indianern hin vorher zu untersuchen . » Well ! « sagte Pappermann . » So führe ich Euch nach einem Verstecke , welches wohl kein Roter , und habe er noch so gute Augen , ausfindig machen wird . Ich fand es nur durch Zufall und glaube nicht , daß es jetzt außer mir einen Menschen gibt , der es kennt . « » Das ist viel gesagt ! « bemerkte ich . » Aber jedenfalls richtig ! « antwortete er . » Wir haben nur noch wenige Schritte zu reiten und dann einem kleinen Seitenwässerchen zu folgen , welches aus einem stillen , verborgenen Weiher quillt . Dieser Weiher ist nicht groß . Hohe Felsen , die man nicht ersteigen kann , umgeben ihn . Diese Felsen haben keine Lücke ; nämlich so scheint es . Aber wenn man grad durch den Weiher bis zur gegenüberliegenden Seite reitet , macht man die Bemerkung , daß es doch eine Seitenspalte gibt , die schief hindurchschneidet und nach dem eigentlichen Quell des Wassers führt , welches nicht im Weiher entspringt , sondern weiter drin , eben da , wo wir übernachten werden . « » Ist die Lücke breit genug für unser Gepäck ? « erkundigte ich mich . » Ja , « antwortete er . » Nur die Zeltstangen habe ich lang zu packen , anstatt quer . « » Und wie tief ist der Weiher ? « » Höchstens einen Meter . « » Damals ! « » Hm ! Meint Ihr etwa , daß er tiefer geworden ist ? Das habe ich in meinem Leben noch nicht gehört Stehende Wasser pflegen mit der Zeit seichter zu werden