er sieht noch heutigen Tages ihre Herrlichkeit , obgleich es außerhalb seiner Augen dunkel ist ! « Der gute Sejjid war ja ganz poetisch geworden . Er schien sich für diesen Blinden besonders zu interessieren . Darum machte ich die Bemerkung : » Ich habe ihn dann leider nicht mehr gesehen ; er saß nie wieder an dieser Stelle . « » Er kam nicht wieder , weil nun sein Herzenswunsch erfüllt war , dich einmal sprechen zu hören , oder - - dieser Blinde sagt immer , sprechen zu sehen . « » Ich denke , diesen Wunsch hat ein Anderer gehabt , nämlich dein Vater ; du sagtest es ja ! « » Ganz richtig ! Aber mein Vater war eben dieser Blinde ! Als er erfuhr , daß du einen Diener suchtest , befahl er mir , mich zu melden . Es bedurfte gar nicht eines Befehles , denn ich tat es selbst so gern ! Und wie glücklich war er , als ich ihm nach unserer Rückkehr von den Pyramiden sagte , daß unser Wunsch erfüllt sei ! Du glaubtest , ich bemerke es nicht , aber ich habe es wohl gesehen , wie du mich wegen des Reitens auf die Probe stelltest . Mein älterer Bruder , der nun gestorben ist , war Saïs29 beim Khedive ; ich durfte wochenlang draußen bei ihm sein und auf den schönen Pferden sitzen . Da habe ich das Reiten gelernt . Nun schreibe ich von überall , wohin ich mit dir komme , einen Brief an den Vater , welcher ihm vorgelesen wird . Da ist er froh , wenn ich ihm von dir erzähle und ihm sage , daß du mit mir zufrieden bist . O , Sihdi , wenn du ihm doch auch einmal eine Zeile senden wolltest ; welch eine Freude wäre das für ihn ! « » So trag das Geld jetzt noch nicht zur Post , sondern warte ! Ich werde gleich jetzt einen ganzen Brief , nicht bloß eine Zeile , an ihn schreiben . Die Adresse sagst du mir dann . « Da ergriff er , wie damals in Kairo , meine Hand und küßte sie , ehe ich es verhindern konnte . Wie leicht ist es doch , gut und freundlich zu sein ; wie schwer fällt das manchen Menschen , und wie noch mehr andere haben kein Geschick dazu ! Und wie belohnt sich so ein Bißchen Güte und Menschenliebe ! Ich hatte einem Blinden eine Gabe angeboten , die von ihm nicht einmal angenommen worden war . Und der Lohn ? Ein Diener , wie ich ihn mir treuer , aufopfernder und besser gar nicht wünschen konnte . Aber so reicher Lohn kommt nur dann , wenn man an keine Belohnung denkt ! - - - Der österreichische Dampfer kam ohne Verspätung ; er hatte wenig Fracht und wenig Passagiere und sich also nicht durch aufhaltende Hafenarbeiten verspäten können . Alle Welt fährt lieber mit dem Norddeutschen als mit dem Triester Lloyd . Mir war es sehr lieb , daß es so viel Platz gab , denn ich gehe gern ungestört spazieren , auch auf - - der See . Aber eine Anzahl Passagiere kam doch mit an Bord , nämlich Fang , der Chinese , die sechs Gentlemen , welche wir in Point de Galle zur Treppe herabgeworfen hatten , und auch mehrere von den Europäern , von denen in Colombo die Eingeborenen niedergeritten worden waren . Sie dampften der Gegend zu , welche mit Sehnsucht erwartete , von ihnen zivilisiert zu werden . Warum sie es vorgezogen hatten , nicht mit einem deutschen Schiffe zu fahren , konnte ich mir denken . Leider sah ich mich gezwungen , an derselben Tafel mit ihnen zu speisen . Wie es schien , hatten sie sofort , als sie mich als Mitpassagier erkannten , beschlossen , sich an uns zu rächen . Sie begannen nicht mit mir , sondern mit Omar . Dieser nämlich war , wie sich ganz von selbst versteht , nicht Passagier erster , sondern dritter Klasse , hielt sich aber zu meiner Bedienung viel auf dem Deck und in den Räumen der ersten Klasse auf . Hierüber hatten sie sich beim Kapitän beschwert und ihm sehr energisch zu verstehen gegeben , daß sie einen Passagier dritter Klasse nicht in der ersten dulden würden . Es war ihnen der Bescheid geworden , daß sie da gar nichts machen könnten . Es sei auf allen , auch auf den englischen Linien , so eingeführt , daß die reisenden Herrschaften des Tages über ihre Dienerschaft bei sich haben könnten , dafür aber für sie ein erhöhtes Passagegeld zahlen müßten . Das hätte ich auch getan , und also sei mein Araber in vollem Rechte , zu mir zu kommen , so oft es mir und ihm beliebe . Omar , der sich an die meist italienisch sprechende Schiffsbemannung angevettert hatte , um sprachlich so viel wie möglich zu profitieren , war von dieser Beschwerde unterrichtet worden und teilte mir es mit . » Diese Leute sind ganz unerfahrene Knaben , « sagte er , » die noch nicht einmal wissen , was auf einem Schiffe gebräuchlich ist . Sie halten sich für bessere Menschen als wir Araber sind ; früher hätte mich das geärgert ; aber jetzt bin ich Sejjid Omar und bedaure sie ! « Damit war die Sache für uns abgemacht . Mit Fang kam ich nicht zusammen . Er lag seekrank in seiner Kabine und ließ sich nicht sehen . Auch mochte die Scheu vor den Gentlemen das Ihrige dazu beitragen , daß er so beharrlich unten blieb . Diese Vermutung war nicht falsch ; ich erfuhr es in der letzten Nacht . Was mich betrifft , so ergingen sich diese Herren in unzähligen Sticheleien und legten mir alles Mögliche in den Weg ; ich achtete aber nicht darauf . Unser Dampfer brauchte fünf Tage , um von Colombo nach Penang zu kommen . Sonnabend