Kreise gehörte ein junger Dichter , den wir hier Peter nennen wollen ; den hatte er schon vor langem mit der Familie bekannt gemacht , und war der merkwürdigerweise der einzige von den jungen Genies der Frau , zu welchem der Mann in eine Art von Beziehung geriet , indem er nämlich gelegentlich kleine Scherze über ihn machte , die der harmlos erwiderte , denn in so verschiedenen Welten lebten die beiden , daß sie sich gar nicht kränken konnten . Peter war gleichfalls vor etwa zehn Jahren nach Berlin gekommen , in einer freilich unbekannten Absicht , und hatte eine Anzahl seltsam ungeschickter und kindischer Gedichte mitgebracht , die recht töricht schienen , wenn man sie für sich las , obschon zwar aus dem wirren und gleichgültigen Zeug zuweilen einmal ein Wort , besonders ein Beiwort oder ein Satz auffiel , der dem Leser ans Herz rühren mochte . Las er aber selbst vor , so bekamen diese schülerhaften Reime ein ganz neues Leben , denn seine guten und sanften Augen leuchteten , und sein Gesicht hatte einen Schein von innen heraus , und die abgenutzten Worte und Wendungen erhielten ein frühlingsmäßiges und feines Gefühl . Dann sagte jeder lächelnd : » Er ist ein großes Kind « , aber alle wurden sonderbar froh , glücklich und gut , als wenn seine bescheidene Seele mächtig geworden wäre über sie , und lächelten auch über ihn und dachten : Er ist doch ein Dichter ; und das war mit einer Freude empfunden , wie gegenüber einem kleinen Kinde geschieht . Auch dieser Jüngling hatte in jenen früheren Zeiten sein Bändchen herausgegeben ; nur kein Kritiker beachtete es , weder in feindlicher noch in freundlicher Gesinnung , und so schrieb niemand etwas über seine Gedichte ; aber alle jene scharfsinnigen und klugen Schriftsteller liebten ihn und sagten : » Er ist doch ein Dichter « , oder sie sagten : » Er ist ein großes Kind . « Und so lebte auch er zehn Jahre lang in einer Weise , die sich keiner erklären konnte , denn niemand nahm und druckte seine Arbeiten , und er borgte von niemand , außer etwa einmal eine rührende Kleinigkeit , zehn oder zwanzig Pfennige . Es fand sich aber , daß er Unterkunft hatte bei ganz armen Leuten , bei denen er als Student gewohnt ; die gönnten ihm ein Plätzchen umsonst , am Tage auf einem Stuhl in der Werkstatt , denn der Mann war Schuhmacher , und des Nachts in der Küche in einer alten eisernen Bettstatt , die am Tage zusamengeklappt wurde ; sein weniges Essen aber fand er bei Freunden , wenn er die zur Abendbrotzeit besuchte , oder die Schuhmachersleute gaben ihm auch wohl von ihrer Suppe ab . Weil der nun in seiner Armut unterstützt werden sollte und ihm doch niemand ein Almosen bieten mochte , so war er von der Frau angenommen , der Tochter und einigen ihrer Freundinnen Unterricht in der Literatur zu erteilen , wodurch er dreißig Mark im Monat verdiente ; und weil er seit langen Jahren nicht so viel Geld gehabt hatte , so schöpfte er jetzt neue Zuversicht und hatte neue Kraft zu schaffen , sagte auch , wie wohl es einem Dichter tue , wenn er eine feste Einnahme habe , die ihn vor der Not schütze und ihm auch erlaube , sich zuweilen ein gutes Buch zu kaufen . Bei seinen Schülerinnen hätte er wohl einen recht schweren Stand gehabt , denn die hatten bald gemerkt , daß er vieles Sonderbare glaubte , was man ihm aufbinden mochte , und daß sein Urteil und Wissen in der Literaturgeschichte recht wunderlich schien ; aber er merkte es gar nicht , wenn sie über ihn lachten , sondern lachte fröhlich mit , sagte auch wohl , wie gut es tue , so zwischen Jugend zu leben und ihre glückselige Heiterkeit in sein Herz aufzunehmen . Und bald entwickelte sich etwas Merkwürdiges , daß seine Schülerinnen ganz mütterliche Gefühle für ihn zu bekommen schienen , und er folgte ihnen treulich , wenn sie ihm dieses oder jenes richteten oder anbefahlen für seine Kleidung oder seine Lebensweise , und wurden die Mädchen dabei dann ganz ernsthaft und umsichtig , und zuletzt kamen sie auf den Gedanken , weil er doch ein so guter Mensch sei , wenn auch nicht ganz klug , so müsse er heiraten , weil ein solcher wie er bei den gegenwärtigen Zeiten , wo die Männer meistens selbstsüchtig und ungebildet seien , eine Frau sehr glücklich machen werde durch die Bildung seines Herzens , und er selbst müsse auch jemand haben , der für ihn sorge , aber sehr reich müsse die Frau sein , da er ja niemals viel verdienen werde . Dabei stellte sich denn heraus , daß ihn alle diese zwitschernden und lachenden Mädchen so herzlich lieb hatten , daß ihn jede genommen hätte , wenn nur die Eltern einverstanden gewesen wären : denn um seine eigene Einwilligung machten sie sich keine Sorgen . Am nachdenksamsten aber wurde durch ihn Luise und faßte eine besondere Neigung zu ihm , und geschah das so , daß Peter einmal mit ihr allein war , und da sie zu ihm Vertrauen hatte , so erzählte sie ihm , daß in ihrer Familie etwas vorgefallen sei , wie ja öfter geschah durch den Gegensatz der beiden Eltern , und daß man ihr nichts davon mitteilte . Auf diese Klage antwortete er , daß den Eltern doch viel Trost im Leben fehle , wenn sie die Kinder an ihrem Kummer nicht teilnehmen lassen , und den guten Kindern machen sie auch das Herz schwer , denn sie spüren doch von dem Unheil , aber müssen dann ihre Lust am Helfen und Trösten in ihrer Brust verschließen ; das nahm sie ihm nun zwar übel , daß er sie für ein Kind hielt ; aber wie er dann fortfuhr , daß den Erwachsenen die Kinder gegeben seien , damit sie besser und heiterer