er . » Ich begreife sogar noch mehr , als du ahnst ! « » So laß sehen , ob das wahr ist . Ich habe eine Bitte . « » Welche ? « » Schenke mir diese Zeitungen ! « » Was willst du mit ihnen thun ? « » Verbrennen ! Ich pflege solche Dinge niemals aufzuheben , noch weniger zu lesen . Sie fliegen stets , sobald ich sie erhalte , in das Feuer . So kommt kein Schatten bei mir auf . Ich will dich von den deinigen befreien . Erfüllst du meinen Wunsch ? « Da ging er von Kasten zu Kasten , stieß mit dem Fuß an sie und sagte : » Das sind die Furien , die Erinnyen , die ich dir ja beschrieben habe . Sie lügen , wie gedruckt ! - - - Hier die schadenfrohen oder gedankenlosen Nachbeter und Nachtreter , welche bei Gott schwören , daß sie schuldlos seien , weil sie doch bloß nachgedruckt und nichts erfunden hätten ! - - - Und da die sogenannten guten Freunde , die stets behaupten , daß sie retten wollen , und doch so ungeschickt dabei verfahren , daß sie mehr schaden , als die andern alle . - - - Ich schenke sie dir . Nimm sie hin ! Verbrenne sie ! Du hast so recht : Ich will hier reine Arbeit machen ! « » Aber ich verbrenne sie wirklich ! « versicherte ich . » Ich gebe sie dir nicht zurück ! « » Das weiß ich . Es ist dir ernst ! Aber auch mir ! Ich will nun endlich , endlich einmal freien Geistes sein . « » Ich danke dir ! Endlich einmal freien Geistes sein willst du . Weißt du , was du mit diesen Worten gesagt hast ? Unfreie Geister gibt es nicht . Wer in Fesseln liegt , ist vielleicht eine Intelligenz , doch niemals Geist ! Du willst also nicht mehr bloß ein denkendes , ein nach Regeln , welche von Menschen vorgeschrieben sind , denkendes Wesen sein , sondern ein Geist , für den diese Regeln nur in so weit vorhanden sind , als sie mit seinen eigenen Wegen zusammenfallen . Du willst eine jener über sich selbst bestimmenden Personen werden , welche , wie ich unten ausführte , dem dritten Leben angehören . Das ist ein großer Entschluß , den du nur dann auszuführen vermagst , wenn du den Körper , deinen bisherigen Gebieter , zum gehorsamsten aller deiner Diener zu machen weißt , und wenn du deine bisherige Sklavin , die krank in dir darniederliegende Seele , zu deiner Freundin , deiner allereinzigen Freundin erhebst . Denn wisse : der Geist wird ohne Seele nie den Weg empor zum Geiste aller Geister finden ! Nun also : Sei fortan nur Geist , und - - - such ' dir deine Seele ! « Wir standen einander gegenüber , ich ihm erwartungsvoll in das Gesicht schauend , ob er mich begreifen werde , er aber sinnend nach seinen Büchern hinüberblickend , als ob nur dort das zu finden sei , was ich jetzt bei ihm suchte . » Meine Seele ! « sagte er . » Ich habe dich gebeten , in meinen Werken nachzuschauen , ob sie darin vorhanden sei . Seele ist darin ; das weiß ich ganz genau ! « » Seele ? Nur Seele ? Das ist so viel wie nichts ! Oder vielmehr , es ist so wenig wie nur Geist ! Du sollst nicht Geist und sollst nicht Seele haben ! Sondern du sollst Geist sein und sollst auch Seele sein ! Die Person Geist sollst du sein , und die Person Seele sollst du sein ! Eine vollständige Persönlichkeit im Reiche der Geister und eine vollständige Persönlichkeit im Reiche der Seelen , beides zu Einem vereint in dir , wie Licht und Wärme in der brennenden Flamme , das sollst du sein . Der Körper sei - - - der Docht ! « » Der Docht ! « wiederholte er nachdenklich . » Licht und Wärme , wie in der Flamme ! Das ist Seele und Geist ! Der Körper des Menschen ist nichts , nichts , nichts , als nur der Docht ! Und das Oel , Effendi ? Vielleicht erfahre ich auch dieses noch ! Was alles hast du mir doch schon gesagt ! Es ist so viel dabei , was ich noch nicht ganz oder noch nicht recht begreife . Vielleicht grad deshalb , weil es gar so einfach klingt . Warum ? Wer hat es dem Menschengeiste vorgelogen , daß nur das seines Strebens und seines Fleißes wert sei , was ihm durch die konvuse Ausdrucksweise des Pseudo-Gelehrtentums unverständlich gemacht worden ist ? Auch in mir lebt noch ein Rest jenes alten Stolzes , der sich einer eigenen Kaste und auch einer eigenen Sprache rühmt . Aber gleich daneben habe ich das heilige Buch der Bücher liegen , in dem der Geist durch Welten und durch Himmel forschen geht und doch dabei in einer Sprache redet , die jedes Kind versteht . Ist diese kindliche Einfachheit , diese Klarheit jetzt plötzlich aus mir herausgetreten , um deine Gestalt anzunehmen ? Ich sehe dich vor mir stehen , als seist du jener Teil von mir , welcher durch keine dialektischen Kunstsprünge irr zu machen ist , weil er die reine , wahrheitskeusche Sprache redet , die jeden Dialekt vermeidet . Wenn ich dich in dieser Weise sprechen höre , so bist du ich selbst , nur jünger , weicher , tiefer , nur scheinbar hart , und doch von einem Willen , den selbst das andere Ich von mir wohl nicht erschüttern könnte . Mir ist , als hättest du nur immer jung zu bleiben , als könnte von uns beiden nur ich zu altern haben . Ich möchte schwören , daß ich durch dich schaue , als wärest du Kristall . Und dennoch kenne ich dich noch lange