auch nichts zur Sache - der maître de plaisir gewesen sind . Dulce est desipere in loco - freilich ! Aber derselbe Dichter rühmt auch , wie Sie wissen , die aequa mens , die man nicht bewahren kann , wenn man sich unmäßiger Lust hingiebt . Es war der erste ernsthafte Vorwurf , den Albrecht sich während seiner ganzen Lehrerlaufbahn zugezogen , und sein Stolz litt darunter um so fürchterlicher , als er sich sagen mußte , daß es ein verdienter sei . Nicht minder empfindlich traf ihn ein zweiter Schlag , der von einer Seite kam , nach der all diese Zeit hindurch hoffnungsvoll sehnender Blick gerichtet gewesen war . Wieder am nächsten Tage empfing er einen Brief und ein Paket , beide mit dem Stempel : » Königliche Angelegenheiten « versehen . Das Paket enthielt die Manuskripte der beiden kleinen Stücke , welche er dem Generalintendanten auf dessen ausdrücklichen Wunsch zugeschickt hatte ; der Brief war von der Hand eines Intendanturrates und benachrichtigte ihn , daß Seine Excellenz nach genauerer Einsicht in die ihm übersandten , übrigens vielfach trefflichen Arbeiten sich denn doch nicht zu einer Aufführung entschließen könne , von der vorauszusehen sei , daß sie an einer gewissen Stelle und gewissen Kreisen , denen eine königliche Schaubühne immer Rechnung tragen müsse , Anstoß erregen würden . Das waren Kalamitäten , die er bei einer ruhigeren Stimmung des Gemütes immerhin mit einigem Gleichmut hätte über sich ergehen lassen . In der jetzigen Verstörung seiner Seele sah er rings um sich her Glück auf Glück scheitern und keine Rettung , als in seiner Liebe . Brach auch dieser letzte Anker , so mochten die Wogen über ihm zusammenschlagen und er zum Abgrund sinken . Hier mußte er Gewißheit haben . Sie mußte ihm sagen , was sie für ihre Liebe zu thun entschlossen sei . Und Aug ' in Auge mußte sie es ihm sagen ; aus ihrem Munde mußte er es hören . Er schrieb ihr , welchen neuen Plan für eine abermalige Zusammenkunft er ersonnen habe . Nach menschlicher Voraussicht seien sie in dem Restaurant , das er entdeckt hatte und ihr nun ausführlich schilderte , absolut sicher . Es komme nur darauf an , daß sie sich für ein paar Abendstunden völlig frei machen könne . Sie antwortete umgehend : der Plan gefalle ihr nicht in allen Punkten . Aber sie wisse nichts anderes und besseres ; und darin habe er sicher recht : aussprechen müßten sie sich . Ein glücklicher Zufall wolle , daß ihr bereits der nächste Sonnabend - es waren noch zwei Tage bis dahin - die gewünschte Freiheit bringe . Es folgte dann noch die Angabe der Stunde und die Aufstellung einer Reihe von Vorsichtsmaßregeln , deren Notwendigkeit Albrecht anerkennen mußte . So sollte ihm denn der nächste Sonnabend die Entscheidung bringen , mochte sie nun Sieg lauten oder Tod . Zweiundzwanzigstes Kapitel Bereits am Mittwoch auf dem Nachhausewege von dem Junggesellendiner im Palast-Hotel hatte Viktor es bereut , Fernau eine so weitgehende Vollmacht gegeben zu haben . Fernau war gar zu beflissen gewesen , gar zu geschäftig ! Wenn auf Seite Klotildens doch alles nur auf eine , für ihn freilich sehr beleidigende Rechthaberei , auf Trotz , Caprice , Gott weiß auf welche Weiberschrulle hinauslief ; schlimmsten Falles es sich um eine ganz gewöhnliche Flirtation mit dem Schulmeister handelte , der ja wirklich ein verdammt hübscher Kerl war ; und Klotilde recht hatte , wenn sie behauptete , Fernaus Hetzereien hätten keinen anderen Zweck , als ihn auf eine falsche Fährte zu locken ! Je mehr sein Rausch in der kalten Abendluft verflog , umsomehr befestigte er sich in diesen Gedanken und beschleunigte zuletzt sogar unwillkürlich seine Schritte , um schneller nach Hause zu kommen und ein vernünftiges Wort mit Klotilden zu reden , an dem er es doch wohl hatte fehlen lassen , und auf das sie gewiß nur wartete . Dann war die dumme Geschichte aus der Welt ; er hatte wieder Frieden im Hause und den Kopf frei für die wichtige Arbeit , die ihn schon seit Wochen in Atem hielt , und an der Excellenz ein so lebhaftes Interesse nahm . Anstatt Klotildens fand er im Salon auf dem Tisch neben seiner Karte , durch welche er ihr sein Ausbleiben gemeldet hatte , einen Zettel : » Ich werde heute auswärts speisen . « Weiter nichts ; nicht einmal eine Unterschrift . Er war wütend ; der kaum verflogene Rausch kam zurück ; die lichten Farben , in denen er eben noch Gegenwart und Zukunft erblickt , waren ausgelöscht ; zu einer schwarzen Tafel geworden , auf der mit Flammenlettern nur das eine Wort stand : Rache ! Daß seine Rücksichtslosigkeit der ihren völlig gleich kam ; er sie hatte brüskieren wollen , wie sie ihn , und sie ihren Zweck durch dasselbe Mittel zu erreichen gesucht hatte , wie er den seinen , daran dachte er nicht . Jetzt war es völlig klar : sie wollte es zu einem Bruch treiben . Gut ! Sie sollte ihn haben . Aber die Trümpfe sollten in seiner Hand sein ; und sie sollte das Spiel verlieren ! schmachvoll verlieren ! Nun scheute er vor Fernaus Plan , der ihm anfangs so widerwärtig erschienen war , zu dem er seine Einwilligung mit so großem innerlichen Sträuben gegeben hatte , nicht mehr zurück ; nur die Ausführung durfte so nicht sein : Fernau mußte daraus fortbleiben ; er selbst den Detektiv engagieren , instruieren . Fernau hatte ihm die genaue Adresse des Mannes gegeben ; er machte sich stehenden Fußes auf den Weg ; der Zufall wollte , daß er den Vielbeschäftigten in dem Augenblicke traf , als dieser seine Wohnung zu einem seiner Kommissionsgänge verlassen wollte . Sich mit Herrn Krüger zu verständigen , bedurfte es nicht vieler Worte : der Mann verstand die leiseste Andeutung . Bereits nach fünf Minuten sagte er : Ich weiß jetzt alles , Herr Assessor , was ich zu wissen