wie ein zartes feines Feenland daliegt - wie eine wirkliche Stadt des Heils . Blau fließt der Tigris zur Linken des Dichters - in der Tiefe - und drüben wohnt Al Battany . Safur ist bald wieder in der alten Olivenallee und dann im Bücherkioske , den die bunten Tulpen umblühen ... Auf den kurz geschorenen Rasen krächzen die alten Papageien . Auf den orangefarbigen , nicht gemusterten Fliesengängen kommen dem Dichter zwei Inder entgegen , die grade im Bücherkioske Schach gespielt haben . Die Inder kommen dem Safur noch steifer und stolzer vor als die andren Menschen . Der Bücherkiosk , der wie eine Krone daliegt , wirkt den Indern gegenüber ganz einfach und bescheiden wie ein Fischerhäuschen . Safur wirft den Kopf in den Nacken zurück und mustert die Inder , sein braun und blau gestreiftes Beduinengewand zieht er dabei geschickt in schwungvolle Falten . Die Inder lächeln - ihre goldgestickten Kleider sind viel schöner . Al Battany läßt sich entschuldigen - er wird gleich kommen . Und Safur muß sich dazu bequemen , die Zeit des Wartens mit den Indern zusammen zuzubringen ; der ältere von diesen entfernt sich bald . Der Zurückbleibende ist jener Schauspieldichter , der in Benares vor Battany so fein von der Empfindlichkeit und von der Qual aller Gebildeten zu sprechen wußte - der diese Empfindlichkeit und die daraus entspringende Qual durch die Religion oder durch die Kunst auflösen - überwinden wollte ... Das Gespräch zwischen dem indischen und arabischen Dichter wird somit naturgemäß nach einiger Zeit recht lebhaft . Allerdings die frostige Förmlichkeit wird auf beiden Seiten nicht durch allzu große Liebenswürdigkeit verdrängt - man will sich nichts vergeben . Safur spielt sich als Genußmensch auf , behauptet , daß jeder Augenblick des Lebens , der nicht einen Genuß biete , ein überflüssiger Augenblick sei . Der Inder will den leidenschaftlichen Ton des Arabers sanfter stimmen - erreicht aber nur das Gegenteil . Die Laune des Safur ist so gereizt , daß er sich sofort in gewagten Behauptungen verhaspelt und immer kühner wird - statt sanfter . » Sieh « , sagt er , » es liegt mir nicht bloß daran , alles das zu genießen , was das einfache Volk auch genießen kann . Früher suchte ich meine Zunge und meine Fingerspitzen auszubilden und glaubte damit was Besondres zu tun . Heute will ich viel mehr . Ich will das Unsinnige , das Tolle , das Unverständliche , das Unbegreifliche , das Übersinnliche , - genießen . Versteh mich recht : ich will nicht bloß all das verstehen - das Verstehen scheint mir nicht so wichtig - genießen will ich das alles . Ich will in die Welt der Geister dringen , und ich will genießen , was nur die Geister genießen können . « Der Inder meint , daß das sehr schwer sei und die Ausbildung ganz besondrer Nervenkräfte verlange . Er glaube auch , daß derartige Anstrengungen den Körper und den Geist zerrütten müssen . Aber da läßt sich der Araber nicht bange machen - weist allerdings die Anstrengungen vornehm ab - anstrengen will er sich durchaus nicht . Das findet nun der Inder wieder sehr drollig . Lächelnd - etwas sehr überlegen - erwidert er folgendermaßen : » Die Araber sind doch sehr merkwürdig . Sie kommen aus ihrer Wüste mit ihren Schwertern und Lanzen wie ein Heuschreckenschwarm heraus und bilden sich ein , daß sie alles gleich mit Beschlag belegen können - nur weil sie kräftige Arm - und Beinmuskeln besitzen . Ihr wollt überall nur genießen - Alles - Alles ! Ihr wollt nicht bloß essen und trinken , ihr wollt auch gleich alle Religionen genießen , auch alle Künste - selbst das Unverständliche und das Unverständige . Ihr traut doch Eurem guten Magen ein bißchen zuviel zu . Lieber Safur , von Dir hat mir Battany viel erzählt . Du bist ohne Frage ein sehr gebildeter Mensch - gereizter denn Viele . Daß Du aber jeder Anstrengung , jeder Müh und Arbeit streng aus dem Wege gehen willst - das wird Dein Untergang - Du müßtest in großen und langen Gedichten Deine Gereiztheit zu lösen trachten - das tust Du natürlich nicht - Du bist ja ein viel zu vornehmer Araber , der nur genießen will , der nur den Genuß für berechtigt hält - - - als wenn der Genuß einem Dichter wie eine reife Frucht in den Schoß fiele . « Der Inder muß herzhaft lachen . Er spricht noch in lässigem Tone über religiöse Übungen , Fasten , Rosenkranz , Selbstgeißelung , Gebet und geschlechtliche Enthaltsamkeit - wird dann aber schweigsam , da Safur verächtlich die Mundwinkel runterzieht . - Die Beiden können sich nicht mehr verständigen . Safurn kommts so vor , als wär er bei Osman , der immerfort das Dschinnengedicht von ihm verlangt - und er empfindet eine heftige Abneigung gegen den indischen Dichter . Es trennen sich die Beiden , wie Battany naht , noch viel frostiger , als sie sich begrüßten . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Safur erlangt bei Battany sehr rasch das , was er wollte . Höchst vergnügt und stolz wallt er mit drei dicken Goldrollen davon - zu seiner Tarub . Draußen auf der Landstraße hört er noch ein paar Adler auf einer Palme so zitternd pfeifen , als hätten auch sie Gold bekommen - Gold ... - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Inder aber erklärt dem Battany unumwunden , daß er von Safur garnichts halte - aus dem hätte mal was werden können , wenn er mal zu den Füßen eines Meisters gesessen hätte - jedoch jetzt würde aus ihm garnichts mehr - dem Safur fehle sowohl der religiöse wie der künstlerische Ernst - er hätte als Nabob geboren werden müssen .