und ritterlich gegen die Misogynität Partei genommen , unter solchem Beistande will ich es doch wagen . « » Nun , das freut mich . Denn ich brenne vor Neugier . « » Und will auch nicht länger ängstlich um die Sache herumgehen . Unser Rheinsberger Prinz war ein richtiger Prinz aus dem vorigen Jahrhundert . Die jetzigen sind Menschen ; die damaligen waren nur Prinzen . Eine der Passionen unsers Rheinsberger Prinzen - wenn man will , in einer Art Gegensatz von dem , was schon gesagt wurde - war eine geheimnisvolle Vorliebe für jungfräuliche Tote , besonders Bräute . Wenn eine Braut im Rheinsbergischen , am liebsten auf dem Lande , gestorben war , so lud er sich zu dem Begräbnis zu Gast . Und eh der Geistliche noch dasein konnte ( den vermied er ) , erschien er und stellte sich an das Fußende des Sarges und starrte die Tote an . Aber sie mußte geschminkt sein und aussehen wie das Leben . « » Aber das ist ja schrecklich « , brach es beinahe leidenschaftlich aus Armgard hervor . » Ich mag diesen Prinzen nicht und seine ganze Fronde nicht . Denn die müssen ebenso gewesen sein . Das ist ja Blasphemie , das ist ja Gräberschändung - ich muß das Wort aussprechen , weil ich so empört bin und nicht anders kann . « Der alte Graf sah die Tochter an , und ein Freudenstrahl umleuchtete sein gutes altes Gesicht . Auch Wrschowitz empfand so was von unbedingter Huldigung , bezwang sich aber und sah , statt auf Armgard , auf das Bild der Gräfinmutter , das von der Wand niederblickte . Nur Woldemar blieb ruhig und sagte : » Comtesse , Sie gehen vielleicht zu weit . Wissen Sie , was in der Seele des Prinzen vorgegangen ist ? Es kann etwas Infernales gewesen sein , aber auch etwas ganz andres . Wir wissen es nicht . Und weil er nebenher unbedingt große Züge hatte , so bin ich dafür , ihm das in Rechnung zu stellen . « » Bravo , Stechlin « , sagte der alte Graf . » Ich war erst Armgards Meinung . Aber Sie haben recht , wir wissen es nicht . Und soviel weiß ich noch von der Juristerei her , in der ich , wohl oder übel , eine Gastrolle gab , daß man in zweifelhaften Fällen in favorem entscheiden muß . Übrigens geht eben die Klingel . An bester Stelle wird ein Gespräch immer unterbrochen . Es wird Melusine sein . Und sosehr ich gewünscht hätte , sie wäre von Anfang an mit dabeigewesen , wenn sie jetzt so mit einem Male dazwischenfährt , ist selbst Melusine eine Störung . « Es war wirklich Melusine . Sie trat , ohne draußen abgelegt zu haben , ins Zimmer , warf das schottische Cape , das sie trug , in eine Sofaecke und schritt , während sie noch den Hut aus dem Haare nestelte , bis an den Tisch , um hier zunächst den Vater , dann aber die beiden andern Herren zu begrüßen . » Ich seh euch so verlegen , woraus ich schließe , daß eben etwas Gefährliches gesagt worden ist . Also etwas über mich . « » Aber , Melusine , wie eitel . « » Nun , dann also nicht über mich . Aber über wen ? Das wenigstens will ich wissen . Von wem war die Rede ? « » Vom Prinzen Heinrich . Aber von dem ganz alten , der schon fast hundert Jahre tot ist . « » Da konntet ihr auch was Besseres tun . « » Wenn du wüßtest , was uns Stechlin von ihm erzählt hat und daß er - nicht Stechlin , aber der Prinz - ein Misogyne war , so würdest du vielleicht anders sprechen . « » Misogyne . Das freilich ändert die Sache . Ja , lieber Stechlin , da kann ich Ihnen nicht helfen , davon muß ich auch noch hören . Und wenn Sie mir ' s abschlagen , so wenigstens was Gleichwertiges . « » Gräfin Melusine , was Gleichwertiges gibt es nicht . « » Das ist gut , sehr gut , weil es so wahr ist . Aber dann bitt ich um etwas zweiten Ranges . Ich sehe , daß Sie von Ihrem Ausfluge erzählt haben , von Ihrem Papa , von Schloß Stechlin selbst oder von Ihrem Dorf und Ihrer Gegend . Und davon möcht ich auch hören , wenn es auch freilich nicht an das andre heranreicht . « » Ach , Gräfin , Sie wissen nicht , wie bescheiden es mit unserem Stechliner Erdenwinkel bestellt ist . Wir haben da , von einem Pastor abgesehen , der beinah Sozialdemokrat ist , und des weiteren von einem Oberförster abgesehen , der eine Prinzessin , eine Ippe-Büchsenstein , geheiratet hat ... « » Aber das ist ja alles großartig ... « » Wir haben da , von diesen zwei Sehenswürdigkeiten abgesehen , eigentlich nur noch den Stechlin . Der ginge vielleicht , über den ließe sich vielleicht etwas sagen . « » Den Stechlin ? Was ist das ? Ich bin so glücklich zu wissen « ( und sie machte verbindlich eine Handbewegung auf Woldemar zu ) , » ich bin so glücklich zu wissen , daß es Stechline gibt . Aber der Stechlin ! Was ist der Stechlin ? « » Das ist ein See . « » Ein See . Das besagt nicht viel . Seen , wenn es nicht grade der Vierwaldstätter ist , werden immer erst interessant durch ihre Fische , durch Sterlet oder Felchen . Ich will nicht weiter aufzählen . Aber was hat der Stechlin ? Ich vermute , Steckerlinge . « » Nein , Gräfin , die hat er nun gerade nicht . Er hat genau das , was Sie geneigt sind am wenigsten zu vermuten . Er hat Weltbeziehungen , vornehme , geheimnisvolle Beziehungen , und nur alles Gewöhnliche