Blick . Schon in der Alle hatte Forbeck einen so stürmischen Schritt angeschlagen , daß Moser sich nur mühsam an seiner Seite zu halten vermochte . Als sie das Brucknerhaus erreichten und Mali den Farbenkasten und die Staffelei übernahm , um sie über die Treppe hinaufzutragen , wischte sich der Alte den Schweiß vom Gesicht und brummte : » Der hat aber an guten Schritt ! Sakra ! Hinter dem möcht ich net als Büchsenspanner auf die Berg umanand steigen ! « Aber seine Erschöpfung schien jäh verschwunden , als er draußen auf der Straße das » feine Lieserl « vorübergehen sah . » He ! Schatzerl ! « rief er und humpelte hastig zum Gatter . » Wart a bißl auf dein alten Spezi ! « Lachend verhielt das Mädel den Schritt . » Wo brennt ' s denn ? Hast was Neus ? « » Natürlich ! Mei ' alte Lieb ! Die is allweil wieder neu , so oft ich dich anschau ! « » Geh , du alter Narrenseppl ! « Moser hängte sich vertraulich in den Arm des Mädels ein und kicherte : » Lieserl ! Jetzt kommen unsere jungen Grafen bald . « » Alle zwei ? « huschte es mit flinker Frage von den roten Lippen . » Alle zwei ? Wart , wart , wart ! Du bist mir aber eine ! « Moser kniff mit Behagen in den runden Arm . » Wenn der Herr Graf Robert allein kommen möcht , mir scheint , dös tät dir net völlig taugen ? Was ? « Wieder rührte er die Finger , und diesmal so derb , daß Lieserl kreischte . » Au ! Du verfluchter Kerl ! Hör doch auf mit deiner Zwickerei ! « Es gelang dem Alten schwer , die Zürnende zu versöhnen . Schließlich lachte sie aber doch wieder zu seinen Späßen . Und als sie das Haus ihres Vaters erreichte , schieden die beiden als gute Freunde . So aufgeputzt wie Lieserl , so schmuck und propre war das Haus , das sie ihre Heimat nannte . In einem wohlgepflegten Gärtchen lag es einsam an der nach Schloß Hubertus führenden Straße . Rings um den Zaun dehnten sich die Wiesen , jenseits der Straße rauschte in tiefer Schlucht der Seebach , und drüben begann der gegen die Berge ansteigende Wald . Die Hauswand , die von der Tür durchbrochen war , schimmerte in weißem Anstrich , während die Giebelseite bis unter das Dach hinauf von dichtem Weinspalier überwachsen war , aus dem die kleinen Fenster hervorlugten wie Augen aus einem bärtigen Gesicht . Zwischen dem wirren Blätterwerk ein rotes Schild mit der verblaßten Inschrift : » Sebastian Zauner , Sattlermeister und Tapezierer . « Zu ebener Erde der Flur mit der schmalen , steilen Treppe , die Küche , das Wohnzimmer und die kleine Werkstätte , im oberen Stock die beiden Schlafstuben und eine Lederkammer . Als Lieserl in den Flur trat , verzog sie das Näschen . Der scharfe Beizgeruch , der alle Räume erfüllte , war ihr ein Greuel . Um ihn nicht auch am eigenen Körper zu spüren , hatte sie gelernt , sich mit allen möglichen Wohlgerüchen , mit Rosen- , Nelken- und Veilchengeist zu parfümieren ; auf dem Fensterbrett ihrer Schlafkammer standen die Gläser , in denen die Blüten mit verdünntem Spiritus der » Sonnendestallazion « ausgesetzt waren . Die Wohnstube , die das Lieserl betrat , verriet in ihrer ganzen Ausstattung , daß der Zaunerwastl neben seinem Handwerk auch freie Künste trieb . Spiegel , Geschirr , Nähmaschine und Schwarzwälderuhr ausgenommen , war alles zwischen diesen Wänden ein Werk von Wastls Händen , sogar der » altdeutsche « Kachelofen . Natürlich war die Stube » tapeziert « und hatte statt der üblichen Wandbank und den dreibeinigen Stühlen hochgepolsterte Möbel von unterschiedlicher Stilart . Neben der Tür stand ein geschnitzter Schrank . An der Wand hing eine Gitarre und eine Violine zwischen geschnitzten Photographierähmchen und ausgestopften Vögeln auf Postamenten aus Laubsägearbeit . In jedem der beiden Fenster hingen vier Vogelkäfige , der eine wie ein Schloß geformt , der andere wie eine Sennhütte , der nächste wie ein Schweizerhaus . In diesen Käfigen befanden sich die merkwürdigsten Maschinerien , Treträder , Schaukeltreppen , Flaschenzüge , mit denen die Vögel schwierige Kunststücke ausführen mußten , wenn sie zu Trank und Futter gelangen wollten . Auf der Plattform des Kachelofens stand ein Spielwerk neben dem anderen : die Schlange am Kreuz , der Schmied beim Amboß , der Scherenschleifer mit seinem Stein , der Kapuziner auf der Kanzel . Jetzt im Sommer standen diese Spielwerke still ; aber im Winter , wenn vom geheizten Ofen die Wärme in die Höhe strömte , dann ringelte sich die Schlange um das Kreuz , der Schmied hämmerte , der Scherenschleifer drehte den Stein , und der Kapuziner schlug mit den Fäusten auf die Kanzel wie bei der Osterpredigt . Inmitten der schreienden Unruhe dieser Stube saß die Zaunerin am Tisch , massig in die Breite gewachsen , das einzig Feste in diesem Raum , behaglich ihren Kaffee verschluckend . » Grüß Gott , Mutter ! « Die Zaunerin nickte , und ihre fettumpolsterten Äuglein hingen mit zärtlichem Wohlgefallen an dem Mädel , das zum Tisch trat und neugierig den Deckel der Kaffeekanne hob . » Komm , Herzerl , setz dich her , ich schenk dir gleich ein . « Lieserl zog einen Lehnstuhl zum Tisch . » Hast du die Stadtleut antroffen ? Hast die Hemden abgliefert ? Bist gleich zahlt worden ? « » Alles in Ordnung . Es is leider bloß d ' Frau daheim gwesen . Die handelt allweil . Statt vierzehn Mark hat s ' mir bloß zwölfe geben . Wenn ich mit ' n Herrn hätt reden können , hätt ich achtzehn oder zwanzig kriegt . « Das Lieserl lachte . » Mit die Herrn versteh ich mich aufs Reden . « » Ja , Schatzerl , halt dich nur an d