. Er ist seiner Frau Treue schuldig , nicht ich , und wenn er diese nicht hält , so kommt es auf ihn und nicht auf mich . Soll ich meines Bruders Hüter sein ? « » Ach , daß du recht hast « , sagte die Prinzessin und fuhr mit der Hand über das blonde Wellenhaar Ebbas . » Aber wie ' s auch sei , du weißt , man beobachtet uns , weil wir unsrerseits auch alles beobachten , und ich möchte nicht gern , daß wir uns vor dem König und seiner Gräfin eine Blöße gäben . « An dem dienstfreien Tage , der diesem Gespräche folgte , hatte Holk vor , allerlei Briefschulden abzutragen . Vor ihm lag die ganze Korrespondenz der letzten vierzehn Tage , darunter auch Briefe der Gräfin . Er überflog sie , was nicht viel Zeit in Anspruch nahm , da ihrer nur wenige waren , und dann , als letztes , ein neues Telegramm , darin sie sich entschuldigte , seit vier Tagen nicht geschrieben zu haben . Das war alles , und so wenig es dem Umfange nach war , so wenig war es inhaltlich . Es verdroß ihn , weil er der Frage , wer eigentlich die Schuld trage , klüglich aus dem Wege ging . Er sagte sich nur , und dazu war er freilich berechtigt , daß es früher sehr anders gewesen sei . Früher , ja noch bei seiner letzten Anwesenheit in Kopenhagen , waren die zwischen ihnen gewechselten Briefe wahre Liebesbriefe gewesen , in denen , aller Meinungsverschiedenheiten unerachtet , die große Neigung , die sie bei jungen Jahren füreinander gehegt hatten , immer wieder zum Ausdruck gekommen war . Aber diesmal fehlte jede Zärtlichkeit , alles war frostig , und wenn ein Scherz versucht wurde , so war ihm etwas Herbes oder Spöttisches beigemischt , das ihm alles Erquickliche nahm . Ja , so war es leider , und doch mußte geschrieben werden . Aber was ? Er sann noch hin und her , als die Hansen eintrat und ihm Briefe behändigte , die der Postbote eben gebracht hatte . Zwei davon waren Kopenhagener Stadtbriefe , der dritte , von Christinens Handschrift , hatte nicht das gewöhnliche Format und statt des Poststempels Glücksburg den Poststempel Hamburg . Holk war einen Augenblick überrascht , erriet aber den Zusammenhang der Dinge , noch eh er geöffnet hatte . » Natürlich , Christine macht ihre Pensionsreise . « So war es denn auch wirklich , und was sie schrieb , war das Folgende . » Hamburg , Streits Hotel , den 14. Oktober 59 Lieber Holk . Mein Telegramm , in dem ich mich wegen meines mehrtägigen Schweigens entschuldigte , wirst Du erhalten haben . Nun siehst Du schon aus dem Poststempel , was die Veranlassung zu diesem Schweigen war : ich war in Reisevorbereitungen , die , trotz der Hülfe meiner guten Dobschütz und trotzdem ich alles auf das bloß Nötigste beschränkte , meine ganze Kraft in Anspruch nahmen . Wir fuhren bis Schleswig zu Wagen , von da per Bahn , und seit heute mittag sind wir hier in Streits Hotel , an das uns so viele freundliche Erinnerungen knüpfen . Wenn Dir an solchen Erinnerungen noch liegt ! Ich habe Zimmer im zweiten Stock genommen , Blick auf das Bassin , seinen Pavillon und seine Brücken , und habe mich , als die Dämmerung kam , in das Fenster gelegt und das schöne Bild , wie früher , auf mich wirken lassen . Nur Asta war bei mir , Axel in die Stadt gegangen ; er wollte mit Strehlke , der uns bis hierher begleitet hat , erst nach der Uhlenhorst und dann zu Rainvilles . Von da dann nach Ottensen , um sich Meta Klopstocks Grab anzusehen . Ich habe gern zugestimmt , weil ich weiß , daß solche Momente bleiben und das Leben vertiefen . Und das wäre nun wohl der Zeitpunkt , Dich wissen zu lassen , welche Beschlüsse , nach nochmaliger eingehender Beratung , hinsichtlich der Kinder von mir gefaßt wurden . Auch Alfred stimmte bei , wenn er auch die Bedeutung der Frage bestreitet . Asta natürlich nach Gnadenfrei . Daß es füglich nicht anders kommen konnte , damit wirst auch Du Dich vertraut gemacht haben . Ich habe glückliche Jahre dort verbracht , ich sage nicht , die glücklichsten ( Du weißt , welche Jahre mir die glücklichsten waren ) , und ich wünsche meinem Kinde das gleich beneidenswerte Los , die gleich harmonische Jugend . Was Axel angeht , so hab ich mich , auf Schwarzkoppens Rat , für das Bunzlauer Pädagogium entschieden . Es hat den besten Ruf und bleibt in der Strenge der Grundsätze hinter den thüringischen Lehranstalten nicht zurück , läßt aber diese Strenge da fallen , wo nicht Prinzipien in Frage kommen . Strehlke , der erst nach Malchin wollte , wird nun bei seinem Bruder in Mölln vikarieren ; in den großen Ferien hat er mir versprechen müssen unser Gast zu sein und sich um Axel zu kümmern . Er ist ein guter Mensch und wäre vorzüglich , wenn er , eh er seine Studien in Berlin abschloß , die vorhergehenden Jahre , statt in Jena , lieber in Halle verbracht hätte . Das Jenasche , mit seinen Einflüssen , ist nie ganz wieder zu tilgen . Ich wüßte nicht , was ich hinsichtlich der Kinder diesen Zeilen noch hinzuzusetzen hätte . Vielleicht das eine , daß mich eine gewisse Freudigkeit an ihnen schmerzlich überraschte , als es feststand , daß sie das elterliche Haus verlassen sollten . Der aller Jugend angeborne Hang nach dem Neuen , nach einem Wechsel der Dinge , scheint mir dabei nicht mitzusprechen oder wenigstens nicht allein . Aber wenn es das nicht ist , was dann ? Haben wir es doch vielleicht an etwas in unserer Liebe fehlen lassen ? Oder sehnten sich die Kinder danach , aus dem Widerstreit der Meinungen , davon sie nur