Düppeler Schanzen nehmen , oder wenn wir gar Alsen erobern , « sagten die Olmützer Bürger ( denn niemand spricht so gern von den kriegerischen Thaten per » wir « als diejenigen , welche niemals dabei waren ) , » dann sind wir fertig ... Jetzt zeigen doch wieder unsere Österreicher , was sie können . Auch die braven Preußen schlagen sich prächtig - die beiden miteinander sind natürlich unüberwindlich . Das Ende wird sein , daß ganz Dänemark erobert und dem deutschen Bunde zugeteilt wird - ein glorreicher , glückbringender Krieg ! « Auch ich wünschte jetzt nichts sehnlicher , als die Erstürmung von Düppel - je früher , je lieber - denn diese Aktion würde doch entscheidend sein und der Schlägerei ein Ende machen . Hoffentlich ein Ende machen , ehe Friedrichs Regiment Marschbefehl erhielt . O dieses Damoklesschwert ... Jeden Tag beim Erwachen fürchtete ich mich , daß die Nachricht gebracht werde : » Wir marschieren ab ! « Friedrich war gefaßt darauf . Er wünschte es nicht , aber er sah es kommen . » Gewöhne Dich an den Gedanken , Kind , « sagte er mir . » Gegen die unerbittliche Notwendigkeit hilft kein Sträuben . Ich glaube nicht , selbst wenn Düppel fällt , daß der Krieg darum zu Ende sein wird . Die ausgesandte Doppelarmee ist viel zu klein , um den Dänen eine Entscheidung aufzuzwingen ; wir werden noch bedeutenden Nachschub schicken müssen - und da wird auch mein Regiment nicht verschont bleiben . « Schon dauerte dieser Feldzug über zwei Monate , und noch kein Resultat . Wenn sich die grause Partie doch in einem Kampfe entscheiden wollte , wie bei dem Duell . Aber nein : ist eine Schlacht verloren , so wird eine zweite geliefert ; muß eine Position aufgegeben werden , so wird eine andere behauptet , und so fort bis zur Vernichtung des einen oder des anderen Heeres , oder zur Erschöpfung beider ... Am 14. April endlich wurden die Düppeler Schanzen erstürmt . Die Nachricht ward mit einem Jubel aufgenommen , als wäre hinter diesen Schanzen das nunmehr eroberte Paradies gelegen . Man umarmte sich auf den Straßen : » Sie wissen schon ? Düppel ! ... O unser tapferes Heer ... Eine unerhörte Großthat ! ... Jetzt danket alle Gott . « Und in sämtlichen Kirchen Absingung des Tedeums ; unter den Militärkapellmeistern emsiges Komponieren von » Düppelerschanzenmarsch « , » Sturm von Düppel-Galopp « und so weiter . Die Kameraden meines Mannes und deren Frauen hatten zwar einen Tropfen Bitterkeit in ihrem Freudenbecher ; nicht dabei gewesen zu sein ... bei einem solchen Triumph fehlen zu müssen - solches » Pech « ! Mir verursachte dieser Sieg eine große Freude ; denn gleich darauf trat in London eine Friedenskonferenz zusammen und vermittelte einen Waffenstillstand . Welches freie Aufatmen dieses Wort » Waffenstillstand « doch gewährt ! ... Wie müßte die Welt erst aufatmen - dachte ich damals zum erstenmal - wenn es allenthalben hieße : die Waffen nieder - auf immer nieder ! Ich trug das Wort in die roten Hefte ein . Daneben aber schrieb ich verzagt , zwischen Klammern : » Utopia « . Daß der Londoner Kongreß dem schleswig-holsteinschen Kriege ein Ende machen würde , daran zweifelte ich gar nicht . Die Verbündeten hatten gesiegt , die Düppeler Schanzen waren genommen - diese Schanzen hatten in letzter Zeit eine so große Rolle gespielt , daß mir deren Einnahme als endgültig entscheidend erschien - wie wollte Dänemark jetzt noch weiter sich behaupten ? Die Verhandlungen zogen sich unglaublich lange hin . Dies wäre mir eine Qual gewesen , wenn ich nicht von allem Anfang an die Überzeugung gehabt hätte , daß das Ergebnis ein befriedigendes sein müsse . Wenn die Vertreter mächtiger Staaten , dabei vernünftige , wohlmeinende Leute , sich zusammenthun , um ein so wünschenswertes Ziel zu erreichen , wie Friedensschließung , wie könnte das mißlingen ? Desto entsetzlicher war meine Enttäuschung , als nach zwei Monate lang geführten Debatten die Nachricht eintraf , daß der Kongreß unverrichteter Dinge wieder auseinandergehe . Und zwei Tage später kam für Friedrich - der Marschbefehl ! Zur Vorbereitung und zum Abschied hatte er vierundzwanzig Stunden Zeit . Und ich war auf dem Punkte , niederzukommen . In der toddräuenden , schweren Stunde , wo eines Weibes einziger Trost darin besteht , den geliebten Mann neben sich zu haben , würde ich allein bleiben müssen - allein mit dem über alles bangen Bewußtsein , daß der geliebte Mann in den Krieg gegangen - wissend , daß es ihm ebenso schmerzlich sein mußte , in solcher Stunde seine arme Frau zu verlassen , als es mir schmerzlich sein würde , ihn zu missen ... Es war am Morgen des 20. Juni . Alle Einzelheiten dieses denkwürdigen Tages sind mir eingeprägt geblieben . Draußen herrschte drückende Hitze und um diese auszuschließen , waren die Rollvorhänge in meinem Zimmer herabgelassen . In leichte und lose Gewänder gehüllt , lag ich ermattet auf der Chaiselongue . Ich hatte die Nacht ziemlich schlaflos verbracht , und jetzt hatte mir ein traumhafter Halbschlummer die Augen geschlossen . Neben mir , auf einem Tischchen , stand eine Vase mit stark duftenden Rosen . Durch das offene Fenster drang der Ton entfernter Trompetenübungen herein . Das alles wirkte einschläfernd , dennoch hatte mich das Bewußtsein nicht ganz verlassen . Nur die eine Hälfte davon - die Sorgenhälfte - war mir geschwunden . Die Kriegsgefahr und die mir bevorstehende Gefahr hatte ich vergessen ; ich wußte nur , daß ich lebte , daß die Rosen - nach dem Rhythmus des Reveille-Signals - betäubend süße Düfte hauchten ; daß mein geliebter Mann jede Minute hereinkommen konnte und , wenn er mich schlafen sähe , nur ganz leise träte , um mich nicht zu wecken . Und richtig : im nächsten Augenblick öffnete sich die mir gegenüberliegende Thüre . Ohne die Lider zu heben - nur durch eine linienbreite Spalte unter den Wimpern - konnte