gestrigen Tag verloren . « Möglich ! Und vielleicht nicht nur den gestrigen , sondern mehrere Tage mit allem , was diese sie Liebes und Gutes hoffen ließen ! XIII An einem der nächsten Abende kam die Kleebinderin zur alten Matzner gelaufen . In der rückwärtigen Kammer , auf einer Gewandtruhe , neben dem Fenster , durch dessen blauen , rotgeblümten Vorhang die Strahlen der untergehenden Sonne brannten , saßen die beiden Weiber , und ihre einander zugekehrten Gesichter erschienen halbseitig wie blau und rot tätowiert . Sepherl kauerte auf einem Schemel im Winkel und horchte wundernd zu . » Ich kenn mich nit aus , Matznerin « , klagte die Kleebinder , » nit um die Welt kenn ich mich aus . Schon ' n frühen Morgen kommt das Mensch an ' n Zaun und ruft dem Bubn ein Gruß zu , und dann geht das Hin- und Hergelauf an . ' n Tag über rennt s ' alle Daumlang herzu und zärtelt und läppelt mit ihm , daß einm vom Anschaun nit gut werdn könnt , und ' s Ganz is am End doch nix wie Falschheit , denk ich ! Laßt sie sich einmal a Weil länger nit blicken , so schleicht ihr der Lapp nach , wie scheu er auch sonst gwest is ; sie muß ' n rein behext habn ! « » Wär nit unmöglich « , nickte die Matzner , » die Dirn is mir nit z ' gut für so Praktiken , und ihr Mutter weiß wohl auch dazu Rat , die schaut nit umsonst aus , wie wann s ' afm Besen reiten könnt ; aber was half ' s , wann mer ' s gleich z ' beweisen vermöcht , wo s ' heuttags in den Grichten nit mehr drauf glauben ? ! « Sepherl schüttelte seufzend den Kopf - nicht über den Unglauben der Gerichte , sondern weil sie bedauerte , daß bei der Gottlosigkeit so wirksamer » Praktiken « eine brave Dirn an deren Anwendung gar nicht denken durfte . » Ich sag dir , Matznerin « , fuhr die Kleebinder eifrig fort , » ich werd noch krank vor Ärger . Jedn freien Augenblick , den s ' habn , stecken s ' beieinander , und wann s ' kein habn , so machen sie sich ein . Ging eins verloren , wär nur d ' Möglichkeit , daß mer ' s mitm anderm zsamm fänd ; aber dafür niemal keine , daß du s ' auseinander brächtst ! Und bei all dem Getu und Getreib , wo sie sich eh kaum ausn Augen kommen , begreif ich nit , warum s ' ' n Tag völlig gar nit erwarten können , wo ' s zur Kirchen geht . « » Wann soll denn d ' Hochzeit schon sein ? « » Nach ihrn Redn , heut über vierzehn Tägn . « » Dös geht ja nit . Wo blieb denn da ' s kirchlich Aufgebot von der Kanzel , drei Sonntäg hintereinander ? ! « » Sie lassen sich ein für allemal verkünden . « » Das geht ja nit . « » Aber mitm Dispens . « » Mitm Dispens ? Ah , freilich wohl ! Schau , mer muß sich nur z ' helfen wissen . Ehnder hat man gsagt , ' s ging was so schnell wie mit der Post , neuzeit mag mer wohl sagn , wie mit der Eisenbahn . Hihihi ! « » Mein liebe Matznerin , ein Fremds hat da leicht lachen . Du steckst eben nit in meiner Haut und weißt nit , wie mir is . Dank du Gott dafür ! « » Mein liebe Kleebinderin , sei nit harb , ich hab ja nit über dich glacht , sondern über dö . « » Glaub dir ' s , glaub dir ' s schon . Ich biet doch auch kein Anlaß dazu , hitzt , wo sich mein einzig Kind von mir abwendt und ich mir fremd wo ein Unterkunft suchen muß . « » Aber Kleebinderin - - « Diese war mit der Schürze vor den Augen aufgestanden . Sepherl eilte herzu . » Das laßt der Muckerl niemal gschehn . « Die alte Frau ließ das Vortuch sinken . » In derselben Wirtschaft , was dann anhebt , kann ich nit bleiben und mag auch nit ! « Sie streckte die Hand zum Abschied hin . » Nun mach ich euch weiter keine Unglegenheit , bhüt dich Gott , Matznerin . « » Behüt dich Gott , Kleebinderin ! Sepherl , begleit s ' heim , d ' Kleebinderin ! Jesses , jesses , hat mer oft im Alter ein Kreuz , woran mer jung gar nit denkt . « Über diesen unstreitigen Erfahrungssatz verfiel die alte Matzner , während sie den Davongehenden nachblickte , in ein chronisches Kopfschütteln . Sepherl schritt neben der Mutter des Holzschnitzers einher , und da diese unterwegs nicht zum Sprechen aufgelegt schien , so beschränkte sich die Dirne darauf , von Zeit zu Zeit zu versichern , all das jüngst Geschehene wär » schon aus der Weis - ja völlig aus der Weis tät ' s sein « . Als die beiden die Hütte erreichten , fand gerade in dem Rahmen eines offenstehenden Fensters ein schäkerndes Gebalge zwischen Helene und Muckerl statt . Die Dirne drohte dem Burschen , sie werde ihn beim » Schüppel « nehmen , und er vermaß sich » bei seiner Seel « , wenn er sie bei den Händen zu fassen kriegte , ihr alle Finger auszudrehen oder ihr den kleinen wurz abzubeißen . Sepherl machte die wunderndsten Augen . Alle Finger will er der ausdrehen oder ' n klein wurz abbeißen ! Schau , das hätt sie ihm gar nie zugtraut , daß er vermöcht so - zärtlich z ' tun ! Als Muckerl der Herankommenden ansichtig wurde , rief er : » Grüß Gott , Mutter ! Gutn Abend , Sepherl