. Heidi guckte hinein und sprang hoch auf vor Freude , denn drinnen lagen wohl zwölf schöne , weiße , runde Brötchen , alle für die Großmutter . Die Kinder vergaßen in ihrem Jubel ganz , daß nun der Augenblick komme , da sie sich trennen mußten , und als mit einemmal der Ruf erschallte : » Der Wagen ist bereit ! « - da war keine Zeit mehr zum Traurigwerden . Heidi lief in sein Zimmer , da mußte noch ein schönes Buch von der Großmama liegen , niemand konnte es eingepackt haben , denn es lag unter dem Kopfkissen , weil Heidi Tag und Nacht sich nicht davon trennen konnte . Das wurde in den Korb auf die Brötchen gelegt . Dann machte es seinen Schrank auf ; noch suchte es nach einem Gute , das man vielleicht auch nicht eingepackt hatte . Richtig - auch das alte rote Tuch lag noch da , Fräulein Rottenmeier hatte es zu gering erachtet , um mit eingepackt zu werden . Heidi wickelte es um einen anderen Gegenstand und legte es zuoberst auf den Korb , so daß das rote Paket sehr sichtbar zur Erscheinung kam . Dann setzte es sein schönes Hütchen auf und verließ sein Zimmer . Die beiden Kinder mußten sich schnell Lebewohl sagen , denn Herr Sesemann stand schon da , um Heidi nach dem Wagen zu bringen . Fräulein Rottenmeier stand oben an der Treppe , um hier Heidi zu verabschieden . Als sie das seltsame rote Bündelchen erblickte , nahm sie es schnell aus dem Korb heraus und warf es auf den Boden . » Nein , Adelheid « , sagte sie tadelnd , » so kannst du nicht reisen von diesem Hause aus ; solches Zeug brauchst du überhaupt nicht mitzuschleppen . Nun lebe wohl . « Auf dieses Verbot hin durfte Heidi sein Bündelchen nicht wieder aufnehmen , aber es schaute mit einem flehentlichen Blick zu dem Hausherrn auf , so , als wollte man ihm seinen größten Schatz nehmen . » Nein , nein « , sagte Herr Sesemann in sehr bestimmtem Tone , » das Kind soll mit heimtragen , was ihm Freude macht , und sollte es auch junge Katzen oder Schildkröten mit fortschleppen , so wollen wir uns darüber nicht aufregen , Fräulein Rottenmeier . « Heidi hob eilig sein Bündelchen wieder vom Boden auf , und Dank und Freude leuchteten ihm aus den Augen . Unten am Wagen reichte Herr Sesemann dem Kinde die Hand und sagte ihm mit freundlichen Worten , sie würden seiner gedenken , er und seine Tochter Klara ; er wünschte ihm alles Gute auf den Weg , und Heidi dankte recht schön für alle Guttaten , die ihm zuteil geworden waren , und zum Schluß sagte es : » Und den Herrn Doktor lasse ich tausendmal grüßen und ihm auch vielmals danken . « Denn es hatte sich wohl gemerkt , wie er gestern Abend gesagt hatte : » Und morgen wird alles gut . « Nun war es so gekommen , und Heidi dachte , er habe dazu geholfen . Jetzt wurde das Kind in den Wagen gehoben und der Korb und die Provianttasche und der Sebastian kamen nach . Herr Sesemann rief noch einmal freundlich : » Glückliche Reise ! « und der Wagen rollte davon . Bald nachher saß Heidi in der Eisenbahn und hielt unbeweglich seinen Korb auf dem Schoße fest , denn es wollte ihn nicht einen Augenblick aus den Händen lassen , seine kostbaren Brötchen für die Großmutter waren ja darin , die mußte es sorglich hüten und von Zeit zu Zeit einmal wieder ansehen und sich freuen darüber . Heidi saß mäuschenstille während mehrerer Stunden , denn erst jetzt kam es recht zum Bewußtsein , daß es auf dem Wege sei heim zum Großvater , auf die Alm , zur Großmutter , zum Geißenpeter , und nun kam ihm alles vor Augen , eins nach dem anderen , was es wiedersehen werde , und wie alles aussehen werde daheim , und dabei stiegen ihm wieder neue Gedanken auf , und auf einmal sagte es ängstlich : » Sebastian , ist auch sicher die Großmutter auf der Alm nicht gestorben ? « » Nein , nein « , beruhigte dieser , » wollen ' s nicht hoffen , wird schon noch am Leben sein . « Dann fiel Heidi wieder in sein Sinnen zurück ; nur hier und da guckte es einmal in seinen Korb hinein , denn alle die Brötchen der Großmutter auf den Tisch legen , war sein Hauptgedanke . Nach längerer Zeit sagte es wieder : » Sebastian , wenn man nur auch ganz sicher wissen könnte , daß die Großmutter noch am Leben ist . « » Ja wohl ! Ja wohl ! « entgegnete der Begleiter halb schlafend ; » wird schon noch leben , wüßte auch gar nicht , warum nicht . « Nach einiger Zeit drückte der Schlaf auch Heidis Augen zu , und nach der vergangenen unruhigen Nacht und dem frühen Aufstehen war es so schlafbedürftig , daß es erst wieder erwachte , als Sebastian es tüchtig am Arm schüttelte und ihm zurief : » Erwachen ! Erwachen ! Gleich aussteigen , in Basel angekommen ! « Am folgenden Morgen ging ' s weiter , viele Stunden lang . Heidi saß wieder mit seinem Korb auf dem Schoß , den es um keinen Preis dem Sebastian übergeben wollte ; aber heute sagte es gar nichts mehr , denn nun wurde mit jeder Stunde die Erwartung gespannter . Dann auf einmal , als Heidi gar nicht daran dachte , ertönte laut der Ruf : » Maienfeld ! « Es sprang von seinem Sitz auf , und dasselbe tat Sebastian , der auch überrascht worden war . Jetzt standen sie draußen , der Koffer mit ihnen , und der Bahnzug pfiff weiter ins Tal hinein . Sebastian sah ihm wehmütig nach , denn er wäre viel lieber so sicher und ohne