doch ein Glück , nur soll er alles wissen . Darum soll ihm auch die Bedingung nicht verschwiegen sein , daß er sich nach fünf Jahren überall , wo er will , niederlassen darf , nur in Mielnica nicht . Denn das verschlechtert die Partie ! « » Nein , es verbessert sie ! « rief der Marschallik . » Ein junger Ehemann soll nicht immer unter den Augen seiner Schwiegereltern bleiben - es tut nicht gut , Frau Rosel , glaubt meiner Erfahrung , es tut nicht gut . Wie gern wird Sender nach fünf Jahren mit seiner Chaje und seinen Kinderchen , die ihm Gott schenken wird , hierherziehen oder nach Tarnopol - wohin er will , und wo es gut für ihn ist . « » Warum stellt Mortche diese Bedingung ? « fragte Sender . » Weil er « , erwiderte Frau Rosel , » seinen Ältesten auch zum Uhrmacher ausbildet und nicht will , daß du ihm einst vielleicht die Kunden wegfängst . Der Sohn soll das Geschäft erben . Nun , das ist im Grunde auch nur gerecht , und ich kann mir ja auch für dich nicht alles auswählen , wie für einen Prinzen . Ich muß Gott danken , daß sich die Sache mit dem Noah ereignet hat , sonst würde Reb Mortche gewiß nichts von dir hören wollen . Aber was dies betrifft - das besprechen wir noch , wenn es nötig sein sollte . Ich hoff ' aber , es ist nicht nötig . « Sie blickte den Sohn fest an und strich die Tischdecke glatt . » Ich dank ' Euch , Reb Itzig « , wandte sie sich dann an den Marschallik . » Sender weiß jetzt , um was es sich handelt und daß es wirklich ein Glück ist , das wir ihm zuwenden wollen . Also - heut ' ist Mittwoch , Sonntag früh fahrt Ihr mit ihm auf Brautschau . Es bleibt dabei , wie wir es verabredet haben , Sonntag früh bitte ich Euch hierherzukommen . « » Gut ! « erwiderte Reb Itzig . » Aber ein Glück für Sender sagt Ihr - nur ein Glück ? ! Im siebenten Himmel kann er sich fühlen , im vierzehnten , im vierundzwanzigsten Himmel . Also - Sonntag früh . Lebt gesund ! « Elftes Kapitel Er ging . Mutter und Sohn blieben allein . Es war ein langes Schweigen zwischen den beiden . » Sonntag früh « , begann die Frau , » fährst du also mit dem Marschallik nach Mielnica und läßt dich von den Eltern des Mädchens anschauen . Wenn du ihnen gefällst , so fahre ich in den nächsten Tagen hinüber und mache die Verlobung fertig - « » Und wenn das Mädchen mir nicht gefällt ? « » So fahre ich dennoch hinüber und schaue sie mir an . Ich werde plötzlich kommen , so daß die Leut ' sich nicht herausputzen können . Und wenn mir das Haus und das Mädchen gefallen , so bringe ich die Sache ins reine . « » Wirst du sie heiraten ? « » Auf die Schönheit kommt es nicht an ! « sagte Frau Rosel . » Und die Eltern wissen da überhaupt besser Bescheid als die Kinder . « Jeder Nerv ihres Herzens zuckte schmerzhaft , während sie so sprach . Sie erinnerte sich ihrer eigenen Jugend und wie ihr das ganze Leben entzweigebrochen war , weil sie gegen den Willen der Eltern und nach ihrem Herzen gewählt hatte . » Es war eine Sünde « , sagte sie sich , » und sie hat sich gerächt ! « » Mutter « , bat Sender , » hast du es auch wohl überlegt ? « » Ja ! « erwiderte sie fest . » Das ist abgemacht und bleibt abgemacht , soweit wir beide etwas dazu tun können ... Spare dir deine Worte « , fuhr sie mit lauterer Stimme fort , als er sprechen wollte . » Es würde nichts nützen ... Gute Nacht ! « » Mutter , treib ' mich nicht in mein ... « » Ja ... ich treib ' dich in dein Glück ... Gute Nacht ! « Er ließ die flehend erhobenen Arme sinken und ging in seine Kammer . Dort saß er im Dunkeln auf den Stuhl neben seinem Bette nieder und überdachte seine Lage . » Es geht nicht anders « , murmelte er endlich , » es muß sein ! « Er machte Licht , zog seine Schreibsachen hervor und malte langsam in so deutlichen Buchstaben , wie er sie irgend fertig bringen konnte , den folgenden Brief : » An den Herrn Wohltäter Adolf Nadler in Czernowitz . Weil Sie es mir erlaubt haben so werden Sie mir nicht bös sein . Aber auch wenn Sie es mir nicht erlaubt hätten , so möchten Sie mir gewiß zur Güte verzeihen , weil es meine einzige Hoffnung ist . Nämlich , in Barnow kann ich nicht bleiben . Erstens haben sie mir meinen Soldaten fortgeschleppt und erschossen , vielleicht hat es auch der barmherzige Gott von dem armen Menschen abgewendet , aber gehört habe ich nichts mehr von ihm . Nämlich dies war mein Lehrer , sein Unglück war mit einem Büchel vom Pfaffen Moritz Hartmann . Geheißen hat er Wild . Zweitens habe ich jetzt im Saale bei den Mönchen Bücher , aber allein verstehe ich nur sehr wenig , vom Erfrieren gar nicht zu reden . Und weil ein Unglück nie allein kommt , soll ich jetzt auch noch eine Braut kriegen . Der Herr Wohltäter kann mir wirklich glauben , daß ich jetzt schon der traurigste Pojaz auf Gottes Erde bin . Lieber Herr Wohltäter - wie ich in Czernowitz war , haben Sie mit mir gemacht , was Gott mit Moses gemacht hat , Sie haben mich auf einen Berg hinaufgeführt und haben mir von fern das gelobte Land gezeigt . Moses hat sich mit dem Anschauen begnügen