vollständig . Er beugte sich über den Rand des Sumpfes und streckte behutsam die Hand aus ... In diesem Augenblick ertönte hinter ihm ein zischender Laut , halb ein Schnaufen , halb wie das Schnarchen eines schlafenden Hundes . Die Büsche krachten leise . Robert fuhr auf , als habe ihn ein Schuß getroffen . Er drehte sich gedankenschnell nach der Stelle , von wo der Laut gekommen war - - Hinter ihm , kaum zwei Schritte weit entfernt , lag zwischen den Zuckerrohrpflanzen ein Krokodil von etwa drei Meter Länge mit aufgesperrtem Rachen , dessen Häßlichkeit noch durch die kleinen , raublustigen Augen mit ihren drei übereinander liegenden Lidern bedeutend verstärkt wurde . Das Tier schoß im gleichen Moment vorwärts , als Robert , dessen Geistesgegenwart ihn die Gefahr der Lage vollständig überblicken ließ , einen Seitensprung machte . Er wußte , daß die Krokodile an Land feige und unbeholfen sind , und daß sie sich mit ihrem kurzen Hals nur sehr schwer drehen können , aber dennoch blieb immerhin seine Lage bedenklich genug , da ihn zur Rechten der Sumpf am Rückzug hinderte , und zur Linken das dichtstehende Zuckerrohr . Ohne die Blicke von seinem greulichen Feind zu wenden , arbeitete er sich rückwärts in das Gebüsch hinein , unwillkürlich seinen Knüppel zum Schutz vorstreckend , wobei ihm Hände und Kleidung nicht wenig zerfetzt wurden . Das Tier folgte ihm , so schnell es seine kurzen Beine erlaubten . Auf freiem Gelände wäre es Robert ein Leichtes gewesen , sich der Gefahr zu entziehen , ebenso hätte er auch schießen können , wenn nur die Pistole nicht vorher erst hätte geladen werden müssen ; dazu aber blieb ihm keine Zeit . Solange seine Kräfte vorhielten , ging alles gut , als jedoch die Stämme des Zuckerrohrs anfingen , höher und umfangreicher zu werden , als sie seinen Schultern stärkeren Widerstand entgegensetzten , begann sich die Entfernung zwischen ihm und dem Krokodil langsam zu verringern . Er fühlte , wie ihm der Schweiß ausbrach und wie ihm die Füße den Dienst zu versagen drohten . Hätte er nur einen Baum erreichen können ! Etwas Schiffszwieback und Fleisch besaß er noch , auch die Pistole , um das Tier zu erschrecken , - er mußte also vielleicht die Nacht in den Zweigen des Baumes verbringen und das Krokodil aushungern , indem er es zwang , andere Beute zu suchen . Aber noch war kein rettender Stamm in der Nähe - - Es begann vor seinen Augen zu kreisen , und die Umrisse wurden verschwommener . Seine Schläfen klopften , und in seinen Ohren klang es wie das Brausen des Meeres - - Das Schnaufen des Raubtieres erklang in unmittelbarer Nähe , er sah kaum noch deutlich , was um ihn herum vorging , da - stieß er plötzlich mit dem Rücken gegen einen Baumstamm und jauchzte laut auf vor Freude . Den Stock , den er immer noch festgehalten hatte , unter Aufbietung seiner letzten Kräfte dem Untier in den geöffneten Rachen schleudernd , flog er blitzschnell in die Zweige des Mango hinauf . Es war zum Glück ein uralter Baum , dessen Äste bis tief zum Boden herabreichten und die nötige Stärke besaßen , um ihn tragen zu können . Seine Hände bluteten , sein Zeug hing in Fetzen herab , und seine Mütze lag unten zwischen dem Zuckerrohr , aber er selbst war vorläufig in Sicherheit . Mit beiden Armen umklammerte er den Stamm , schloß die Augen und ließ seine Brust wieder zu ruhigem Atmen zurückkehren . Eine Frucht des Mangobaumes , die unmittelbar in der Nähe hing und deren Saft er begierig einsog , brachte ihm einige Abkühlung . Er trocknete sich die Stirn und blickte hinab . Das Krokodil lag neben dem Baum . Robert öffnete die Jacke und ließ den Wind unter das schweißdurchnäßte Wollhemd dringen , er glaubte fast ersticken zu müssen , obgleich jetzt die größte Gefahr vorüber war . Das Krokodil blieb vielleicht zufällig in der Nähe , doch jagte es nicht mit Überlegung , wie andere , an Land lebende Raubtiere , sondern zog sich in seinen Sumpf zurück , wenn es das Opfer nicht mehr sah . Wenigstens glaubte sich Robert zu erinnern , es so gehört zu haben , daher hoffte er , daß sich der schwerfällige Feind jetzt nach kurzer Rast auf die Beine machen werde . Von oben herab zu schießen wäre völlig nutzlos gewesen , da eine Kugel an dem Panzer des Tieres abprallen würde wie an glattem Stahl . Nur wenn der Schuß in das Auge traf , konnte er töten . Viertelstunde auf Viertelstunde verrann , die riesige Eidechse rührte sich nicht vom Fleck . Robert fühlte , daß die knorrigen Äste des Baumes keineswegs ein angenehmes Ruhekissen waren , und daß seine Glieder anfingen zu schmerzen . Er zog die Pistole hervor , lud sie und drückte ab , dem Feind gerade auf den Rücken , aber ebensogut hätte er ein paar Blätter hinunterwerfen können . Das Tier nahm von dem Knall und von der Kugel durchaus keine Notiz . Robert begann zu klettern , um wenigstens nicht fortwährend von den Baumzweigen gedrückt zu werden . Er schwang sich in die höchste erreichbare Spitze und bombardierte das Tier mit einer wahren Flut von harten , halbreifen Früchten , die er ihm alle geschickt auf den Kopf warf , aber ohne die erhoffte Wirkung zu erzielen . Das Krokodil beachtete ihn beharrlich nicht . Robert mußte sich mit dem Gedanken , hier für die Nacht Quartier zu nehmen , endlich wohl oder übel befreunden . Nur mit dem Schlafen sah es übel aus , da er nichts besaß , um sich festzubinden . Aber diese Nacht konnte ja nicht ewig dauern . Er zog seinen Mundvorrat aus dem Tuch hervor und fand den Zwieback zu Pulver zerrieben , das Fleisch aber plattgedrückt wie einen Pfannkuchen . Jetzt mußte er doch lachen . Seine Berührung mit den Stämmen des Zuckerrohrs hatte die Verwüstung