Ganzes zu bilden . Ist dieses gelungen , so haben wir alle einen Halt . - Ich werde ihnen und mir eine Heimat gründen . Vor allem kömmt es darauf an , den Freiherrn zu stimmen , sonach muß auf die Waldleute eingewirkt werden . Eine übermäßige Kraft scheint mir dazu nicht nötig zu sein , wohl aber ein zähes Bemühen . Diese Menschen sind wie Lehmkugeln ; ein Anstoß , und sie rollen eine Weile fort . Weiter kommen sie selbst , nur geleitet müssen sie werden , daß sie einem und demselben Ziele zustreben . Glieder sind genug , aber spröde und unschmiegsam selbander . Wenn nur erst die Kirche fertig ist , daß die Gemeinde ein Herz hat ; dann machen wir uns an den Kopf und bauen das Schulhaus . Im Herbste 1816 . In einer der letzten Wochen bin ich mit einem Papierbogen zu allen Hütten des Waldes herumgegangen . Da habe ich die Hausväter nach dem Stande ihrer Wirtschaft , nach der Zahl ihrer Familie , nach den Geburtsjahren und Namen der Leute gefragt . Das Geburtsjahr kann zumeist nur nach Geschehnissen und Zeitumständen angegeben werden . - Der ist geboren im Sommer , in welchem das große Wasser gewesen ; die ist zur Welt gekommen in demselbigen Winter , als man Strohbrot hat essen müssen . Solche Ereignisse sind ragende Marksteine . Das Namensverzeichnis wird nicht gar zu mannigfaltig . Die Bewohner männlicher Art heißen Hannes oder Sepp , oder Berthold , oder Toni , oder Mathes ; die Leute weiblicher Gattung sind Kathrein benamset , oder Maria , welcher Name in Mini , Mirzel , Mirl , Mili , Mirz , Marz umgewandelt und ausgesprochen wird . Ähnlich geht es mit anderen Namen ; und kommt einer von draußen , so muß er sich eine Umwandlung nach den Zungen der Hiesigen sogleich gefallen lassen . Mich haben sie einige Zeit den Andredl geheißen ; aber das ist ihnen ein zu großer Name für einen so kleinen Menschen , und heute bin ich nur mehr der Redl . Von Geschlechtsnamen wissen schon gar die wenigsten was . Viele mögen den ihren verloren , vergessen , andere einen solchen nie gehabt haben . Die Leute gebrauchen eine eigene Form , ihre Abstammung und Zugehörigkeit zu bestimmen . Beim Hansl-Toni-Sepp ! Das ist ein Hausname , und es ist damit angezeigt , daß der Besitzer des Hauses Sepp heißt , dessen Vater aber Toni und dessen Großvater Hansel genannt worden ist . - Die Kath-Hani-Waba-Mirz-Margaret ! Da ist die Kathi die Ururgroßmutter der Margaret . - Der Stamm mag doch schon lange in der Waldeinsamkeit stehen . Und so wird eine Person oft durch ein halbes Dutzend Namen bezeichnet und jeder schleppt die rostige Kette seiner Vorfahren hinter sich her . Es ist das einzige Erbe und Denkmal . Das Wirrsal darf aber nicht so bleiben . Die Namen müssen für das Pfarrbuch vorbereitet werden . Zu den Taufnamen müssen Zunamen erfunden werden . Das wird nicht schwer gehen , wenn man der Sache am Kern bleibt . Man benenne die Leute nach ihren Eigenschaften , oder Beschäftigungen oder Stellungen ; das läßt sich leicht merken und für die Zukunft beibehalten . Ich nenne den Holzarbeiter Paul , der die Annamirl geheiratet , nicht mehr den Hiesel-Franzel-Paul , sondern kurzweg den Paul Holzer , weil er die Holzstrünke auf den Riesen zu den Kohlstätten befördert und die Leute diese Arbeit » holzen « heißen . Der Schwammschlager Sepp , der seines Vaters Namen vergessen , soll auch nicht mehr anders heißen als der Schwammschlager , und er und seine Nachkommen mögen angehen , was sie wollen , sie bleiben die Schwammschlager . Eine Hütte in den Lautergräben nenne ich die Brunnhütte , weil vor derselben eine große Quelle fließt . Wozu den Besitzer der Hütte Hiesel-Michel-Hiesel-Hannes heißen ? Er ist der Brunnhütter und sein Weib ist die Brunnhütter , und wenn sein Sohn einmal in die Welt hinausfährt , Soldat wird oder Fuhrmann oder was immer , er bleibt der Brunnhütter allerwegen . So haben wir nun auch einen Sturmhanns ; der hat oben auf der stürmischen Wolfsgrubenhöhe sein Haus . Einen alten , sehr dickhalsigen Zwerg , den Kohlenführer Sepp , heißen sie seit lange schon den Kropfjodel . Da habe ich letztlich das Männlein gefragt , ob es zufrieden sei , wenn ich es unter dem Namen Josef Kropfjodel in meinen Bogen einschreibe . Er ist gerne dazu bereit . Ich habe ihm noch vorgestellt , daß aber auch seine Kinder und Kindeskinder Kropfjodel heißen würden . Da grinst er und gurgelt : » Zehnmal soll er Kropfjodel heißen , mein Bub ! « Und ein wenig später setzt der Schelm bei : » Den Namen , gottdank , den hätten wir ! - Ei , hätten wir den Buben auch ! « Drüben im Karwasserschlag stehen drei buschige Tannen , die der Holzschläger-Meisterknecht , der Josel-Hansel-Anton zu Schutz für Mensch und Tier hat stehen gelassen . Zu Lohn heißt der Mann Anton Schirmtanner für ewige Zeiten . Die neuen Namen finden Gefallen , und jeder , der einen solchen trägt , hebt seinen Kopf höher und ist zuversichtlicher , selbstbewußter , als er sonst gewesen . Nun weiß er , wer er ist . Jetzund kommt es darauf an , dem neuen Namen einen guten Klang zu erwerben und ihm Ehre zu geben . Schauderlich erschreckt hat mich nur der Almbursche Berthold . » Einen Namen , « ruft er , » für mich ? ich brauch ' keinen Namen , ich bin ja niemand . Zu einem Weib hat mich Gott nicht gemacht , und ein Mann sein , das erlaubt der Pfarrer nicht . Die Ehe ist mir verwehrt , weil ich bettelarm bin . Heißet mich den Berthold Elend ! Ich brech ' die Satzung und mein Fleisch und Blut verrat ich nicht ! « Nach diesen Worten ist er wie ein Wütender davon geeilt . Der einst so