doch besser , als Andere , daß ich ganz in Ihrem Sinn gehandelt habe , wenn ich die aufgefundenen Documente , das heilige Vermächtniß Dahingeschiedener , als einen Schatz bewahrte ; wenn ich , so viel in meinen Kräften lag , gethan habe , den Schatz zu heben . Weiß ich doch , daß Ihr Zögern , Ihre Ungläubigkeit , Ihr Mißtrauen nur aus der edlen Furcht stammt , in dem Herzen eines Ihrer Mitmenschen glänzende Hoffnungen zu erwecken , die vielleicht - denn unmöglich , wenn auch sehr unwahrscheinlich , ist ja nicht , daß wir uns irren - der Erfolg nicht realisirt . Weiß ich doch , daß alle Betheiligten in dieser Sache nur einer Meinung sind , nur einer Meinung sein können , daß vor allem Ihr edler Herr Gemahl , dem Sie ohne Zweifel von dem Allem ausführliche Mittheilung gemacht haben , sich freut , eine alte , glücklicherweise noch nicht verjährte Schuld abzutragen . Die Situation einer eingefangenen Bärin , welche die immer heißer werdenden Platten ihres Käfigs zwingen , sich auf die Hinterfüße zu stellen und graciös zu tanzen , während sie am liebsten durch das Gitter brechen und ihre Peiniger zerreißen möchte , gleicht auf ' s Haar der , in welcher sich die Baronin von Grenwitz befand , als Herr Timm mit so grausamer Ironie an eine Rechtlichkeit und Billigkeit appellirte , die sie ihr Leben lang zur Schau getragen hatte und von der sie eben nur den Schein besaß . In ihrem stolzen , egoistischen Herzen kochte es . Wuth und Rache erfüllten ihre Seele . Sie hätte Timm , der mit lächelnder Miene vor ihr saß , vergiften , erdolchen , erwürgen mögen . Und sie konnte nichts : nichts , als ihren ohnmächtigen Grimm verschlucken und mit so viel Ruhe , als sie aufbringen konnte , sagen : Wie sehen die Sache nicht ganz so an , wie Sie , Herr Geometer ; und es ist auch kein Wunder , daß Sie , der Sie draußen stehen , nur die Außenseite derselben zu Gesicht bekommen . Ich fühle mich leider heute Abend zu angegriffen , um Ihnen meine Ansicht von der Sache darzulegen . Ich habe meinen Neffen Felix gebeten , dies an meiner Statt zu thun , und bitte Sie deshalb , was er Ihnen mittheilen wird , so anzusehen , als ob ich selbst es Ihnen gesagt hätte . Ich bin überzeugt , daß Ihnen die Wahl zwischen der Freundschaft der Familie Grenwitz und der eines namenlosen Abenteurers nicht schwer fallen wird . Leben Sie wohl , Herr Geometer . Bedaure unendlich , daß wir nicht länger das Vergnügen haben können , gnädige Frau ; sagte Herr Timm , die fortgehende Baronin bis zur Thür des nächsten Zimmer begleitend ; hoffe daß es nur eine vorübergehende Indisposition ist , welche eine längere Ruhe beseitigen wird . Wünsche wohl zu schlafen , gnädige Frau ! Und Herr Timm schloß die Thür hinter der Baronin , kam wieder zurück , setzte sich Felix gegenüber in den Lehnstuhl , stemmte die Hände auf die Kniee und sagte in einem kurzen , trocknen Ton , der seltsam mit der glatten Freundlichkeit seiner bisherigen Redeweise contrastirte : Eh bien ! Es erfolgte nicht sogleich eine Antwort . Die Beiden betrachteten ein paar Secunden lang Einer den Andern mit scharfen , argwöhnischen Blicken , wie zwei Kämpfer , die sich ihre Blößen gegenseitig ablauern wollen , wie zwei falsche Spieler , von denen Jeder weiß , daß er dem Andern sehr genau auf die Finger sehen muß und dabei doch noch immer vor einer Teufelei nicht sicher ist . Dazu kam , daß sie von der Zeit her , wo der Portepeefähnrich Baron von Grenwitz den Porteefähnrich Albert Timm in der Schlinge stecken ließ und sich selbst salvirte ( es handelte sich um eine fatale Wechselsache ) eine alte Rechnung mit einander abzumachen hatten und Felix wußte sehr wohl , daß Albert zu denen gehörte , die sich , wenn das Gesetz oder die Macht auf ihrer Seite ist , von ihren Schuldnern auf Heller und Pfennig bezahlen lassen . Er mußte deshalb seine ganze Gewandtheit aufbieten , um trotz des unbehaglichen Gefühls , das ihn , einem so gerüsteten , schonungslosen Gegner gegenüber , befiel , mit einer gewissen gutmüthigen Offenheit , die ihm sehr seltsam stand , zu antworten : Ich denke , Timm , wir behandeln die ganze Affaire ohne alle Heuchelei und Winkelzüge , wie zwei Männer , welche die Welt kennen und wissen , was sie wollen . Wenn Sie so genau wissen , was Sie wollen , wie ich weiß , was ich will , so wird der ganze Handel sehr einfach sein ; antwortete Albert trocken . Nun sagen Sie aufrichtig , was wollen Sie denn ? Ich bin der Verkäufer , Sie der Käufer ; es kommt Ihnen also zuerst zu , deutlich auszusprechen , was Sie von mir wollen . Wir wollen die Originale jener Copien dort auf dem Tisch und Ihr Ehrenwort , daß Sie niemals gegen Irgendwen , sei es , wer es sei , durch Schrift oder Rede oder auf irgend eine Weise von der Entdeckung , die Sie gemacht haben , etwas verlauten lassen . Bon ! die Forderung ist klar . Und Ihre Gegenforderung ? Albert beugte sich etwas vorn über und sagte mit leiser , aber sehr deutlicher Stimme - während seine Augen fest auf dem Gegner ruhten : Zwanzigtausend Thaler Preußisch Courant , zahlbar binnen hier und acht Tagen . Sie sind des Teufels ; rief Felix , trotz seiner Schwäche aus dem Lehnstuhl auffahrend , und in dem Zimmer umherrennend ; zwanzigtausend Thaler , das ist ja ein ganzes Vermögen ! Albert zuckte die Achseln : Die Zinsen zweier Jahre von dem Capitale , das in Stantow und Bärwalde steckt . Sie müssen ja am besten wissen , was Ihnen das Legat werth ist . Aber das ist ja horribel ! rief Felix , noch immer