ich sah ein , daß es so nicht länger ging , und da kam mir denn die Hauslehrerstelle in Berkow , die mir zu der Zeit angeboten wurde , gerade recht . Vollkommen freie Station , ein fabelhaftes Gehalt - ich war überglücklich . Jetzt hatte ich beide Arme frei und konnte endlich einmal etwas für die Familie thun . Ich dächte , Sie hätten das stets nach Kräften , oder über Ihre Kräfte gethan , sagte Oswald . Ach , Spaß , sagte der Andere ; die Lust war groß , aber die Kraft gering , und jetzt war die Unterstützung nöthiger , als je . Meine gute Mutter hatte schon lange gekränkelt , jetzt verfiel auch mein Vater in eine schwere Krankheit , die seine eiserne Natur so untergrub , daß er sich nie wieder ganz vollständig erholte , so daß das Schlimmste zu befürchten stand . Dabei waren meine drei Schwestern noch unversorgt . Welches Glück also , daß ich das prinzliche Einkommen von Zweihundert Thalern Gold hatte ! Ich gab die eine Hälfte meinen Brüdern - Und die andere Hälfte meinen Schwestern , schaltete Oswald ein . Und die andere Hälfte meinen Schwestern - fuhr Bemperlein fort und rieb sich vergnügt die Hände . Aber was behielten Sie denn für sich ? Für mich ? erwiederte Bemperlein erstaunt . Sagte ich Ihnen nicht , daß ich vollkommen freie Station hatte ? Und nun hören Sie nur ! Ich war ein Jahr auf Berkow gewesen , da läßt mich eines Tages die gnädige Frau zu sich rufen , und nachdem wir über Dies und Jenes gesprochen , sagte sie : Sie sind nun ein Jahr bei uns , lieber Bemperlein , nun sagen Sie einmal aufrichtig , ob es Ihnen bei uns gefällt . - Das bedarf wohl keiner Frage , gnädige Frau , antwortete ich . - Nun , das freut mich , sagte sie , aber haben Sie nicht noch irgend einen speciellen Wunsch ? - Das ich nicht wüßte , sagte ich . - Aber Ihr Gehalt ist doch offenbar zu gering , sagte sie mit dem freundlichsten Lächeln . Ich war so erstaunt über diese Worte , daß ich keine Antwort zu finden wußte . Ich will Ihnen nur gestehen , fuhr sie mit himmlischer Güte fort , daß ich die Zeit , die Sie jetzt hier sind , nur als Probezeit angesehen und Ihren Gehalt darnach berechnet habe . Es ist mir niemals eingefallen , zu glauben , daß ein Mann , dem ich die Erziehung meines Kindes mit vollkommener Sicherheit anvertrauen kann , überhaupt mit Geld zu bezahlen sei ; und wenn ich Sie jetzt bitte , mir zu erlauben , das geringe Gehalt , das Sie bis jetzt bezogen haben , zu verdoppeln , so bemerke ich dabei ausdrücklich , daß ich mich nach wie vor als Ihre Schuldnerin fühle . War ich vorher noch nicht erstaunt gewesen , so war ich es jetzt ; oder vielmehr ich war so gerührt - weniger durch das großmüthige Geschenk selbst , - als über die unbeschreibliche Liebenswürdigkeit , mit der es mir von der edlen Frau geboten wurde , daß mir die Thränen über die Backen liefen . Ich stammelte etwas von unmöglich annehmen können und dergleichen , da aber wurde sie ordentlich zornig , daß ich nur schnell einlenkte und sagte : ich nähme das Geschenk nicht für mich , was unverantwortlich wäre , sondern nur , weil ich für Andere sorgen müßte , die für sich selber noch nicht sorgen könnten . - Machen Sie damit , was Sie wollen , sagte sie schon in der Thür , aber bedenken Sie auch , daß Sie gegen sich selbst Verpflichtungen haben . Damit war die Sache zu Ende , aber noch nicht Frau von Berkow ' s Güte , die grenzenlos ist . Doch ich wollte Ihnen eigentlich ganz etwas Anderes erzählen ; nämlich , wie ich dazu kam , den Fehler zu entdecken , der sich in die Rechnung meines Lebens eingeschlichen hat , und welches dieser Fehler ist . Achtzehntes Capitel In diesem Augenblicke kam ein Reiter , der vor einigen Minuten aus einem Seitenwege auf den Hauptweg gebogen war , im Galopp an ihnen vorüber . Ein großer Neufundländer , den Oswald zuerst für Melitta ' s Dogge hielt , galoppirte in langen Sprüngen neben dem Pferde her , einem herrlichen rabenschwarzen Vollblut , dessen Brust mit weißen Schaumflocken benetzt war . Der Reiter , so weit man es in der Eile bemerken konnte , war ein Mann von vielleicht dreißig Jahren , lang und dürr , gegen die Gewohnheit der Gutsbesitzer hier zu Lande in langen Beinkleidern statt der Stulpenstiefeln ; seine Haltung zu Pferde durchaus die Haltung der Herren , welche man lateinische Reiter zu nennen pflegt . Aber es war das wohl mehr Nachlässigkeit und die Gewohnheit , sich gehen zu lassen , als wirkliche Ungeschicklichkeit , denn , als er fast unmittelbar vor den ihm Entgegenkommenden war , die er , in Nachdenken oder Träumereien verloren , jetzt erst bemerkte , warf er seinen Renner mit einer Kraft und Gewandtheit auf die Seite , die den tüchtigen Reiter bekundeten . Excusez , messieurs ! rief er , flüchtig an den Hut greifend und weiter galoppirend . Kennen Sie den Herrn ? sagte Oswald stehen bleibend und dem Manne nachschauend , dessen Züge ihm fremd und bekannt zu gleicher Zeit erschienen waren . Tiens ! sagte Herr Bemperlein , ebenfalls stehen bleibend , das muß der Baron Oldenburg gewesen sein . Ja , gewiß ist ' s der Baron ! rief er , als der Reiter jetzt bei den Knaben , die in der Entfernung von ein paar hundert Schritten folgten , angekommen , still hielt , und ihnen vom Pferde herab die Hand reichte . Ich hätte ihn kaum wieder erkannt mit seinem schwarzen Bart und seinem gelben Gesicht . Er sieht ja aus wie ein wahrer Kabyle . Seit wann mag er denn