machen und die Treue und Tugend seiner Gattin verdächtigen wollen ; allein er wies alle solche Angriffe als erbärmliche Waffen des Neides und der Mißgunst zurück , und war und blieb stolz darauf , daß es gerade seine Gattin war , welche den Sieg in der Gunst des Königs über alle andere Frauen davon getragen . Vielleicht hätten so auffallende Huldigungen , wenn ein anderer Mann sie gewagt , ihn sowohl gegen denselben wie gegen seine Gemahlin , die sie nicht zurückwies , sondern mit sichtlichem Wohlgefallen annahm , aufgebracht ; allein von dem Könige dargebracht , hatte er einen andern Maßstab dafür . Nicht etwa den einer gemeinen Bedientenseele , die sich geehrt fühlt , wenn sein Herr sich zu ihm herabläßt , und die sich als Ehre anrechnet , was sie von anderer Seite als Schimpf empfinden würde : sondern weil er wußte , daß seine Gemahlin zu stolz war , sich jemals zu einer Buhlerin wegzuwerfen , und weil er weiter schloß , daß dieser königliche Nebenbuhler ihn ja nur auf kurze Zeit verdunkelte , und weil er Elisabeth genug kannte , um zu begreifen , daß sie von dem ersten Ritter und königlichen Helden ihres Zeitalters ausgezeichnet , nun um so ruhiger auf die Huldigungen anderer Männer verzichten werde - und beinahe kaufmännisch berechnete der reichsstädtische Handelsherr , daß der eine durch seine Entfernung auf den Thron , wie durch den Raum ungefährliche Nebenbuhler ihm die Furcht vor jedem andern erspare ; denn aus den gewöhnlichen Alltagsmenschen ihrer Umgebung konnte ihm keiner erwachsen , der mit dem Einen sich hätte messen können . In dieser Beziehung war Elisabeth wirklich von ihrem Gatten verstanden , wie wenig er sonst auch der Mann war , die Höhen und Tiefen eines weiblichen Charakters zu ermessen , wie dieser Elisabeth ' s. Sie hatte den Triumph ihres Geistes und ihrer Schönheit mit vollen Zügen genossen , wie der König hier war , von Begeisterung war sie durchzuckt worden bei dem Gedanken , daß dieselbe Männerhand , welche ihre kleine Hand zärtlich drückte , die Geschicke einer Welt und das Scepter über viele Lande zu halten berufen war . Herrlich war es ihr erschienen , die Gedanken des Mannes zu erforschen , auf den viele Millionen Augen voll Hoffnung und Erwartung blickten : von ihm die Rettung aus verwilderten Zuständen hofften , eine neue Aera , eine neue Form für ausgelebte Verhältnisse , und göttlich die eigenen Gefühle neben ihm auszusprechen , aus den Flammen des eigenen Geistes Funken in das Licht des seinen zu werfen , mit einem kühnen Wort vielleicht die Anregung zu geben zu einer kühnen That , oder wieder durch eine weiblich sanfte Fürbitte Befreundeten zu nützen - das gewährte ihrem ganzen Wesen eine vollere Befriedigung und gab ihr einen höheren Schwung als die leidenschaftlichen Erregungen , an denen Gemüth und Sinnlichkeit den größeren Antheil haben . Aber jetzt war dieses Glück vorüber . Es schien , als wolle ihr Geschick ihr nur zeigen , wozu sie Beruf und Macht habe , was ihr Genüge und Beseligung geben könne , um es dann nach kurzem Besitz wieder von ihr zu nehmen ! - Die Muse eines Dichters und die Freundin eines Königs ! Das Schicksal hatte sie dieser seltenen Gunst gewürdigt ; aber jetzt war Beides vorüber ! Max war nur wie ein leuchtendes Phänomen neben ihr aufgetaucht , und jetzt erglänzte es in unerreichbarer Ferne . Sie sah wohl noch sein Leuchten - aber wie stolz und eitel sie auch war , sie wagte doch nicht sich einzubilden , der König werde unter den Sorgen der Krone und des Krieges noch ihrer gedenken . Sie sagte sich , daß er so wie ihr wohl schon vielen Frauen gehuldigt und vielen andern noch huldigen werde in seiner ritterlichen Weise , daß , wenn nicht andere Bürgerinnen , doch Edelfräulein und Fürstinnen ihr Bild verlöschen würden . Und Konrad Celtes ? Sie zweifelte nicht , daß sie in seinem Herzen fortlebte wie in seinen Liedern ; sie war sich ihrer geistigen Gaben genug bewußt , um zu wissen , daß er für das Verständniß seines geistigen Wesens keinen Ersatz für sie bei andern Frauen finden werde - aber sie konnte nicht ohne Schmerz und Bitterkeit an ihn denken . Er hatte sie doch nicht geliebt , so wie sie ihn liebte , sonst hätte er ihr nicht entsagt , da sie noch frei war - ach , warum gab es keinen Mann , der zu lieben verstand wie sie selbst , mit solcher Kraft und Hingebung und Treue ? ! Weil sie an Celtes zu der Erkenntniß gekommen war , nach einem Ideal zu jagen , für welches das Leben keine Verwirklichung habe , hatte sie dem ungeliebten Mann ihre Hand gegeben , um sich vor neuen Kämpfen zu bewahren . Und nun mußte gerade jetzt wieder eine Gestalt aus der goldenen Morgenzeit ihrer Jugend , die sie für immer zu vergessen wünschte , gleich einem Gespenst vor ihr auftauchen ? Jener Augenblick auf der Hallerwiese , da sie Eberhard von Streitberg wiedersah , gehörte zu den schrecklichsten ihres Lebens ! Sie war erst siebzehn Jahre alt , da sie ihn in Venedig kennen lernte . Leicht war es dem feurigen und damals auch äußerlich anmuthigen Ritter , das liebesehnsüchtige Herz der Jungfrau zu gewinnen , und im ganzen Sonnenglanz der ersten Liebe , von Italiens Sonne doppelt verklärt , flossen ihnen Tage und Monde dahin . Sie schworen sich ewige Liebe und Treue , und Elisabeth zweifelte nicht , daß ihre Eltern in Nürnberg ihren Bund segnen würden . Es kam schon vor , daß ein Ritter , der nicht besonders mit Schätzen gesegnet war , und Streitberg schien das auch nicht zu sein , sich ' s noch zur Ehre schätzen mußte , wenn ein reichsstädtischer Bürger ihm die Tochter mit der reichen Mitgift gab , die Einwilligung ihrer Eltern erhalten werde . Da sie von Venedig scheiden mußte , und er das belagerte Wien zum