auch glaubt , daß man seine Augen an allen Stellen des Gartens gehabt , daß man keine unbeachtet gelassen , und daß man seine Leute zur genauesten Untersuchung angeeifert hat . Zu dieser Arbeit ist von Gott das Vogelgeschlecht bestimmt worden und insbesondere das der kleinen und singenden , und zu dieser Arbeit reicht auch nur das Vogelgeschlecht vollkommen aus . Alle Eigenschaften der Insekten , von denen ich gesprochen habe , ihre Menge , ihre Kleinheit , ihre Verborgenheit , und endlich ihre schnelle und plötzliche Entwicklung schützen sie gegen die Vögel nicht . Sprechen wir von der Menge . Alle Singvögel , wenn sie auch später Sämereien fressen , nähren doch ihre Jungen von Raupen , Insekten , Würmern , und da diese Jungen so schnell wachsen und so zu sagen unaufhörlich essen , so bringt ein einziges Paar in einem einzigen Tage eine erkleckliche Menge von solchen Tierchen in das Nest , was erst hundert Paare in zehn , vierzehn , zwanzig Tagen . So lange brauchen ungefähr die Jungen zum Flüggewerden . Und alle Stellen , wie zahlreich sie auch sein können , werden von den geschäftigen Eltern durchsucht . Sprechen wir von der Kleinheit der Tierchen . Sie oder ihre Larven und Eier mögen noch so klein sein , von den scharfen , spähenden Augen eines Vogels werden sie entdeckt . Ja manche Vögel , wie das Goldhähnchen , der Zaunkönig , dürfen ihren Jungen nur die kleinsten Nahrungsstückchen bringen , weil dieselben , wenn sie dem Ei entschlüpft sind , selber kaum so groß wie eine Fliege oder eine kleine Spinne sind . Gehen wir endlich auf die Abgelegenheit und Unerreichbarkeit der Aufenthaltsorte der Insekten über , so sind sie dadurch nicht vor dem Schnabel der Vögel geschützt , wenn sie für ihre Jungen oder sich Nahrung brauchen . Was wäre einem Vogel leicht unzugänglich ? In die höchsten Zweige schwingt er sich empor , an der Rinde hält er sich und bohrt in sie , durch die dichtesten Hecken dringt er , auf der Erde läuft er , und selbst unter Blöcke und Steingerölle dringt er . Ja einmal sah ich einen Buntspecht im Winter , da die Äste zu Stein gefroren schienen , auf einen solchen mit Gewalt loshämmern und sich aus dessen Innern die Nahrung holen . Die Spechte zeigen auf diese Weise - ich sage es hier nebenbei - auch die Äste an , die morsch und vom Gewürme ergriffen sind und daher weggeschafft werden müssen . Was zuletzt den unvorhergesehenen und plötzlichen Raupenfraß anlangt , den der Mensch zu spät entdeckt , so kann er sich nicht einstellen , da die Vögel überall nachsehen und bei Zeiten abhelfen . « » Wie sehr diese Tiere für das Ungeziefer geschaffen sind , « sagte er nach einer Weile , » zeigt sich aus der Beobachtung , daß sie die Arbeit unter sich teilen . Die Blaumeise und die Tannenmeise entdeckt die Brut der Ringelraupe und anderer Raupengattungen an den äußersten Spitzen der Zweige , wo sie unter der Rinde verborgen ist , indem sie , sich an die Zweige hängend , dieselben absucht , die Kohlmeise durchsucht fleißig das Innere der Baumkrone , die Spechtmeise klettert Stamm auf Stamm ab und holt die versteckten Eier hervor , der Finke , der gerne in den Nadelbäumen nistet , weshalb auch solche Bäume in dem Garten sind , geht gleichwohl gerne von ihnen herab und läuft den Gängen der Käfer und dergleichen nach , und ihn unterstützen oder übertreffen vielmehr die Ammerlinge , die Grasmücken , die Rotkehlchen , die auf der Erde unter Kohlpflanzen und in Hecken ihre Nahrung suchen und finden . Sie beirren sich wechselseitig nicht und lassen in ihrer unglaublichen Tätigkeit nicht nach , ja sie scheinen sich eher darin einander anzueifern . Ich habe nicht eigens Beobachtungen angestellt ; aber wenn man mehrere Jahre unter den Tieren lebt , so gibt sich die Betrachtung von selber . « » Auch einen eigentümlichen Gedanken « , fuhr er fort , » hat das Walten dieser Tiere in mir erweckt , oder vielmehr bestärkt ; denn ich hatte ihn schon längst . Allen Tatsachen , die wichtig sind , hat Gott außer unserem Bewußtsein ihres Wertes auch noch einen Reiz für uns beigesellt , der sie annehmlich in unser Wesen gehen läßt . Diesen Tierchen nun , die so nützlich sind , hat er , ich möchte sagen , die goldene Stimme mitgegeben , gegen die der verhärtetste Mensch nicht verhärtet genug ist . Ich habe in unserem Garten mehr Vergnügen gehabt als manchmal in Sälen , in denen die kunstreichste Musik aufgeführt wurde , die selten zu hören ist . Zwar singt ein Vogel in einem Käfiche auch ; denn der Vogel ist leichtsinnig , er erschrickt zwar heftig , er fürchtet sich ; aber bald ist der Schrecken und die Furcht vergessen , er hüpft , auf einen Halt für seine Füße , und trällert dort das Lied , das er gelernt hat , und das er immer wiederholt . Wenn er jung und sogar auch alt gefangen wird , vergißt er sich und sein Leid , wird ein Hin- und Widerhüpfer in kleinem Raume , da er sonst einen großen brauchte , und singt seine Weise ; aber dieser Gesang ist ein Gesang der Gewohnheit , nicht der Lust . Wir haben an unserm Garten einen ungeheueren Käfich ohne Draht , Stangen und Vogeltürchen , in welchem der Vogel vor außerordentlicher Freude , der er sich so leicht hingibt , singt , in welchem wir das Zusammentönen vieler Stimmen hören können , das in einem Zimmer beisammen nur ein Geschrei wäre , und in welchem wir endlich die häusliche Wirtschaft der Vögel und ihre Gebärden sehen können , die so verschieden sind und oft dem tiefsten Ernste ein Lächeln abgewinnen können . Man hat uns in diesem Hegen von Vögeln in einem Garten nicht nachgeahmt . Die Leute sind nicht verhärtet gegen die Schönheit des Vogels