Stündlein , den erhobenen Rebstecken nach des Baumes Öffnung gerichtet . Er stellte einem Fischotter nach . Aber keinem Denker ist die Erforschung der letzten Gründe alles Seins so schwierig geworden , wie dem Hirtenknaben seine Otterjagd . Denn aus dem hohlen Ufer zogen sich noch allerhand Ausgänge in den Fluß , die der Otter wußte , Audifax nicht . Und wenn Audifax oft vor Kälte zitternd sprach : » Itzt muß er kommen ! « , so kam weit stromaufwärts ein Gebrause hergetönt , das war sein Freund , der dort die Schnauze übers Wasser streckte und Atem holte ; und wenn Audifax leise dem Ton nachschlich , hatte sich der Otter inzwischen auf den Rücken gelegt und ließ sich gemächlich stromab treiben ... In der Hohentwieler Küche war Leben und Bewegung , wie im Zelt des Feldherrn am Vorabend der Schlacht . Frau Hadwig selbst stand unter den dienenden Mägden , sie trug keinen Herzogsmantel , wohl aber einen weißen Schurz , teilte Mehl und Honig aus und ordnete die Backung der Lebkuchen an . Praxedis mischte Ingwer , Pfeffer und Zimt zur Würze des Teigs . » Was nehmen wir für eine Form ? « frug sie . » Das Viereck mit den Schlangen ? « » Das große Herz132 ist schöner « , sprach Frau Hadwig . Da wurden die Weihnachtlebkuchen in der Herzform gebacken , den schönsten spickte Frau Hadwig eigenhändig mit Mandeln und Kardamomen . Eines Morgens kam Audifax ganz erfroren in die Küche und suchte sich ein Plätzlein am Herdfeuer ; seine Lippen zitterten wie in Fieberschauer , aber er war wohlgemut und freudig . » Rüste dich , Büblein « , sprach Praxedis zu ihm , » du mußt heut nachmittag hinüber in den Wald und ein Tännlein hauen . « » Das ist nicht meines Amtes « , sprach Audifax stolz , » ich will ' s aber tun , wenn Ihr mir auch einen Gefallen tut . « » Was befiehlt der Herr Ziegenhirt ? « fragte Praxedis . Audifax sprang hinaus , dann kam er wieder und hielt einen dunkelbraunen Balg siegesfroh in die Höhe , das kurze glatte Haar glänzte daran , dicht und weich war ' s anzufühlen . » Woher das Rauchwerk ? « fragte Praxedis . » Selbst gefangen « , sprach Audifax und sah wohlgefällig auf seine Beute . » Ihr sollt eine Pelzhaube für die Hadumoth daraus machen . « Die Griechin war ihm wohlgesinnt und versprach Erfüllung der Bitte . Der Weihnachtsbaum war gefällt ; sie schmückten ihn mit Äpfeln und Lichtlein , die Herzogin richtete alles im großen Saal . Ein Mann von Stein am Rhein kam herüber und brachte einen Korb , der mit Leinwand zugenäht war . » Es sei von Sankt Gallen « , sprach er , » für Herrn Ekkehard . « Frau Hadwig ließ den Korb uneröffnet zu den andern Gaben stellen . Der heilige Abend war gekommen . Die gesamten Insassen der Burg versammelten sich in festlichem Gewand , zwischen Herrschaft und Gesind ' sollte heut keine Trennung sein . Ekkehard las ihnen das Evangelium von des Heilands Geburt , dann gingen sie paarweise in den großen Saal hinüber , da flammte heller Lichtglanz und festlich leuchtete der dunkle Tannenbaum - als die letzten traten Audifax und Hadumoth ein , ein Blättlein Goldschaum vom Vergolden der Nüsse lag an der Schwelle , Audifax bückte sich darnach , es zerging ihm unter den Fingern . » Das ist dem Christkind von den Flügeln abgefallen « , sprach Hadumoth leise zu ihm . Auf großen Tischen lagen die Geschenke für die dienenden Leute , ein Stück Leinwand oder gewoben Tuch und einiges Gebäck ; sie freuten sich des nicht allzeit so milden Sinnes der Gebieterin . Bei Hadumoths Anteil lag richtig die Pelzhaube . Sie weinte , als Praxedis ihr freundlich den Geber verriet . » Ich hab ' nichts für dich « , sagte sie zu Audifax . » Es ist statt der Goldkrone « , sprach der . Knechte und Mägde dankten der Herzogin und gingen in die Gesindestube hinunter . Frau Hadwig nahm Ekkehard bei der Hand und führte ihn an ein Tischlein . » Das ist für Euch « , sprach sie . Beim mandelgespickten Lebkuchenherz und dem Korb lag ein schmuckes priesterliches Samtbarett und eine prächtige Stola , Grund und Fransen waren von Goldfaden , dunkle Punkte waren mit schwarzer Seide drein gestickt , einige mit Perlen ausgeziert , sie war eines Bischofs wert . » Laßt sehen , wie Ihr Euch ausnehmt « , sprach Praxedis . Trotz der kirchlichen Bestimmung setzte sie ihm das Barett auf und warf ihm die Stola um . Ekkehard schlug die Augen nieder . » Meisterhaft ! « rief sie , » Ihr dürft Euch bedanken . « Er aber legte scheu die geweihten Gaben wieder ab , aus seinem weiten Gewand zog er die Pergamentrolle und reichte sie schüchtern der Herzogin dar . Frau Hadwig hielt sie unentfaltet . » Erst den Korb öffnen ! das Beste - « sprach sie , freundlich auf das Pergament deutend , » soll zuletzt kommen . « Da schnitten sie den Korb auf ; in Heu begraben und durch des Winters Kälte wohlerhalten , lag ein mächtiger Auerhahn drin , Ekkehard hob ihn in die Höhe , mit ausgebreiteten Flügeln reichte er über eines Mannes Länge . Ein Brieflein war bei dem stattlichen Stück Federwild . » Vorlesen ! « sprach die Herzogin neugierig . Ekkehard öffnete das unkenntliche Sigill und las : » Dem ehrwürdigen Bruder Ekkehard auf dem hohen Twiel durch Burkard , den Klosterschüler , Romeias , der Wächter am Tor . Wenn es zwei wären , so wäre einer für Euch . Da es aber auf zwei nicht geglückt hat , so ist der eine nicht für Euch und Eurer kommt nach . Gesendet wird er an Euch wegen Unwissenheit des Namens . Sie war aber mit der Frau Herzogin damals im Kloster