den Beutel alsbald aus den Falten seines Gürtels zum Vorschein und hielt den Fund mit lautem Geschrei in die Höhe , während die Türken ringsum in den Lieblingsruf : Allah kerim ! ( Gott ist groß ) , ausbrachen . » Was sprichst Du nun , Sohn einer ungläubigen Hündin ? « zürnte der Pascha . » Bringt ihn hinaus in den Hof und gebt ihm fünfzig Stockstreiche zur Strafe für seine Frechheit ! « Der Grieche war Anfangs sprachlos gewesen über den so unerwarteten Beweis , der sich gegen ihn gefunden . Dann , als er das rasche und schmachvolle Urtheil vernahm , kehrte seine Besonnenheit zurück und er vertheidigte sich mit aller Lebhaftigkeit seiner Nation gegen den Verdacht , indem er anführte , es müsse ihm im Gedränge des Streites der ihm unbekannte Dieb den Beutel heimlich eingesteckt haben , wenn nicht der Ankläger selbst etwa aus Bosheit dies bei der Durchsuchung gethan habe . Ein eigenthümlicher spöttischer Strahl in dem Auge Fatinitza ' s , den er während seiner Worte auffing , bestärkte seinen letzteren Verdacht . Als daher der Pascha , ohne seiner Widerrede viel zu achten , nochmals das Zeichen zu seiner Fortführung gab , wehrte er die Khawassen mit Gewalt zurück , sprang auf den Pascha zu und rief : » So wahr Du ein Krieger bist , Selim-Bey , halte ein und untersuche die Wahrheit , oder laß mich lieber tödten , als solche Schmach erdulden . Ich bin ... « Wiederum , mit Blitzesschnelle , sah er das Türkenmädchen das frühere Zeichen wiederholen . Zugleich neigte sie sich zu dem Ohre ihres Vaters und flüsterte ihm einige Worte zu . Der alte Selim neigte zustimmend das Haupt . » Awret der ! 34 « sprach er , » aber ihr Rath ist gut . Kannst Du einen Bürgen stellen in dieser Stadt , der Dich kennt , Christ ? « Grivas dachte an den alten Kaufmann , aber zugleich fiel ihm ein , daß er durch dessen Nennung leicht ein weiteres Nachforschen und eine Entdeckung herbeiführen könnte , die den alten Mann in Ungelegenheit und Gefahr bringen mußte . Er verneinte . Der Türkin schien dies unerwartet zu kommen . Wieder wandte sie sich zu dem Pascha und flüsterte ihm in ' s Ohr . Der Bey nickte . » Es kann etwas Wahres unter dem Unrath sein , den Du sprichst , Grieche . « sagte er dann . » Wir wollen die Sache morgen weiter untersuchen . Bis dahin , da Du keinen Bürgen stellen kannst , mußt Du im Gefängniß bleiben . Geht ! - Diesen beiden unreinen Thieren aber , « er deutete auf die zwei anderen Gefangenen , » gebt eine Tracht Schläge , weil sie uns nach dem Gebet belästigt haben und werft sie vor das Thor . Fort ! « Eine entschiedene Handbewegung ließ die Wachen sich schnell der Gefangenen bemächtigen und vergeblich war alles Protestiren des Griechen ; er wurde mit den Anderen hinausgezerrt . Nur als er am Eingang noch ein Mal den Blick zurück wandte , sah er Fatinitza zum dritten Male wie beruhigend das Zeichen machen . Während die Wachen ihn über den Hof führten , kam der Tschokadar , sein Ankläger , ihnen nach und änderte mit einem überbrachten Befehl ihre Richtung . Ihr Weg wandte sich nun in die Gebäude längs des See ' s und durch einen gewölbten Gang wurde der Gefangene in eine ziemlich geräumige Zelle gebracht , deren stark vergittertes Fenster auf die Gewässer sah . Durch dasselbe erblickte Grivas auch rechts zur Seite den in die Fluthen vorspringenden Thurm , auf dessen Höhe das Gefängniß des Freundes war , zu dessen Rettung er hierher gekommen . Eine tiefe Niedergeschlagenheit bemächtigte sich seiner Seele , als er bedachte , wie sein Unstern , oder diesmal vielmehr die eigene Schuld ihn nöthigte , den Blutbruder auf ' s Neue ohne Hilfe in der Todesgefahr zu lassen und Nichts für seine Rettung thun zu können . Seine Phantasie malte ihm das Bild des Czernagorzen vor , wie er zwischen Himmel und Erde über den dunklen Fluthen hing , vergeblich nach dem Waffengefährten durch die Nacht spähend . Sie malte ihm Stephana ' s lauten Vorwurf , die verächtliche Geberde des greisen Häuptlings , die Schande , die ein tapferes Volk auf seinen Namen häufte , - und das Alles um den Blick eines Weibes , das mit dämonischer Natur alle seine Seelenkräfte gefesselt hielt , ohne daß er noch ein Wort mit ihr gewechselt , wie der Blick der Schlange den Vogel gebannt halten soll in seinen Zauberkreis , daß er nicht die rettenden Schwingen zu regen vermag , bis der tödtende Zahn ihn erreicht . Vergeblich krampfte er in die eisernen Stäbe der Fensteröffnung , - das feste Metall aus den riesig dicken Mauern zu reißen , hätte es der Kraft eines Giganten bedurft ; selbst wenn er die Feile noch besessen , die er dem Freunde gesandt , hätte die Arbeit einer Nacht nicht hingereicht , die dicken Stäbe zu durchbrechen . Verzweifelnd warf er sich auf das Holzgestell , das an einer Wand zum Lager diente , und brütete über seinem Schmerz , mit tausend Verwünschungen sich und die Verlockung beladend , während draußen die Nacht immer tiefer und dunkler über See und Berge sank . So mochte er stundenlang gelegen haben , als er aus seinem Schmerz durch einen Lichtstrahl erweckt ward , der an der gegenüber liegenden Wand seines Kerkers sich brach . Erstaunt richtete er sich empor und bemerkte , daß der Strahl aus einer kleinen etwa handbreiten Oeffnung in der Wand über seinem Lager kam . Zugleich fühlte er seine Sinne befangen durch einen warmen wohlriechenden Duft , der durch jene Oeffnung zu quellen schien und seinen Kerker erfüllte . Er stieg auf die Holzwand , sein Auge reichte gerade an die fensterartige , mit einem feinen Drahtgitter verschlossene Oeffnung und seine Blicke umfaßten trunken und verzehrend das ungeahnte Schauspiel ,