Grunde doch mehr rührend als erschreckend waren . Er fürchtete sicher , Franziska Heunisch möchte wirklich auf schlimmen Wegen sein . Die Jagd kann Sie nicht rufen , fiel Dankmar ein , der in dem Jäger den über seine Nichte aufsteigenden Verdacht gleichfalls zerstreuen wollte ; ich denke , in den Wäldern hier mag es im Herbst lustig zu pirschen sein ... Es gibt nicht mehr viel Wild in den fürstlichen Wäldern , sagte der Jäger , sich sammelnd , aber noch mit zitternder Stimme . Sind Sie Hohenbergischer Jäger ? fragte der Fremde . Das bin ich . Früher Militair ? Militair . Dem alten Feldmarschall nahe gestanden ? Nicht wahr ? Nicht so nahe . Der selige Feldmarschall war kein Jäger . Und doch kein Wild ? bemerkte der Fremde , der sich so benahm , daß ihn Niemand mehr für einen wandernden Handwerker halten konnte . Doch kein Wild ! fiel der Jäger , der sich rascher beruhigte , als Dankmar erwartet hatte , ein . Das machen die Finanzen .... Wie so die Finanzen ? sagte Dankmar . Weil die Juden den alten Fürsten ganz in Händen hatten . Wie ihm kein Strohhalm mehr im Lande gehörte , ließen sie dann auch frisch aufs Wild losschießen , Reh ' und Haas , Alt und Jung , nur um Geld herauszuschlagen . Jetzt sind sie ja in Hohenberg All ' versammelt ; sie wollen zur Jagd wiederkommen , sagten mir neulich ein paar Steifböcke ; aber ich lachte und dachte mir : Bringt wieder , was Ihr schon Alles in unserm Wald vertilgt habt , dann wird sich ' s der Mühe lohnen . Übrigens schwieg ich ; denn kein Mensch weiß , was aus der Herrschaft werden soll und wer uns inskünftige was zu befehlen hat . Wer ist denn Alles oben ? fragte Dankmar , der den etwas frugalen Fremden in der Blouse gebeten hatte , sich des Weins gemeinschaftlich zu bedienen . Ich kenne sie nicht Alle , die geputzten Leute , sagte der Jäger . Aber Das weiß ich , solche sind ' s nicht , wie Die , die zur Zeit , als der Fürst und die Fürstin im Glanze lebten , da zu Besuch gekommen sind . Der Fürst ist in der Residenz gestorben , kam auch nie hinaus nach Hohenberg , schon die zwölf Jahre nicht , daß die Fürstin da wohnte . Als die fromme Frau noch lebte , durfte sich Niemand von den Creditores auf dem Schlosse sehen lassen . Das war so ausgemacht . Als sie aber die Augen zuthat , es sind nun zwei Jahre her , da ging ' s lustig los . Erst fing ' s auf den Wirthschaftshäusern herum und in der Rechnungskammer an zu rumoren . Hui , was für fremde Vögel , die da durcheinander zwitscherten : Das ist für meine Kralle , Das für meinen Schnabel ! Das Schloß blieb noch unangefochten , aber seit den drei Monaten , daß nun auch der Fürst in Gott entschlafen ist - ja , ja ! - in Gott - Gott hab ' ihn selig , es war ein guter , aber auch wieder ein recht schlimmer Herr - Da - Hurrah ! Da kamen sie denn Alle an , in großen Staatskutschen . Ritsch ! Ratsch ! Jetzt zerhackt und zerstückt das Ganze ! Wenn sich Keiner findet , der die halbe Million zahlt , die allein schon als Schuld auf dem Ganzen steht , ist ' s aus ! Es ist nun drei Wochen her . Schnedderedeng ! Trarara ! Das ganze Dorf unten - es heißt Plessen - kam zusammengelaufen und gaffte die Postillone all und Kuriere an , und die Herrschaften stiegen aus . Das sind nun Die , die viele Jahre lang erst auf den Boden , dann auf den Wald , zuletzt auf Geräth , Leinenzeug , Tisch- und Bettzeug und den letzten Spahn Holz im Schlosse Geld geliehen haben . Der Fürst ließ ja - Gott sei ' s geklagt ! - seine alte kostbare Lebensart nicht , brauchte zehn mal mehr als er einnahm und so war er zuletzt dermaßen herunter , daß sein Sohn in Paris die Erbschaft nicht antreten will und .. nicht antreten kann und .. nicht antreten wird . Während der Förster so plauderte , verzehrten die drei Reisenden vollends ihr bescheidenes Mahl . Dankmar hatte in der Zerstreuung das Taschentuch an den Fremden zurückzugeben vergessen . Hackert blinzelte ihm deshalb einige mal mit den Augen zu , ohne sich aber Dankmarn verständlich machen zu können . Liegt nicht am Fuße des Hohenbergs , fragte Dankmar , seine eigenen Angelegenheiten erwägend und darin , daß der Fremde in tiefes Nachdenken versunken schien , nichts Auffallendes erblickend , liegt nicht in Plessen eine Schmiede ? Ja wol , lautete die Antwort . Kennen Sie den Schmied ? Er heißt Zeck ! Ist blind und sein Sohn ist taub . Hackert lachte und fügte hinzu : Und hoffentlich sind bei ihm recht viel Pferde lahm ? Der Jäger sah den Witzmacher finster an und wandte sich in seinen Erläuterungen zu den Andern , Hackert den Rücken kehrend . Die Zeck ' sche Schmiede war sonst in Flor . Alle Fuhrleute haben da angesprochen und sparten ihre Reparaturen auf die plessener Schmiede ; jetzt kommt selten noch ein Wagen den Berg herunter . Wenn jetzt da oben Alles aus Rand und Band ist , fragte Dankmar , so gibt es wol viel verrufenes Gesindel auf der Herrschaft ? Das doch nicht ! Dann und wann einmal ein Wilddieb . Und Das selten , weil nichts zu dieben da ist . Ja ! Holz wird gestohlen .... Und Das tüchtig ! schaltete Lenchen ein , die ab-und zuging und manchmal ein Wort dreinredete , wie es einem resoluten Mädchen zukommen mag . Ja ! sagte der Jäger lachend ; mehr als billig . Aber wie reimt sich Das , bemerkte der Fremde , mit der