jetzt der letztere an , unserm Teltower noch einmal alle Hochs und alle Hurras auf den alten Erzherzog ins Gedächtnis zurückzurufen : der Schwarz-weiße wußte seine Stimme sofort zu einem solchen durchdringenden Diskant emporzuschrauben , daß er schnell den Österreicher übertönte und die Unterredung im Nu beherrschte . » Sie irren sich ! « begann er von neuem . » Als der König von Deutz nach Köln hinüberfuhr , krachten da nicht die Kanonen , als ob die ganze Stadt bis in ihre Grundfesten zusammenschaudre , als ob der Dom ineinanderbrechen wollte ? Ja , Se . Majestät war gerührt über diesen Empfang . Die Augen des Königs leuchteten Lust und Seligkeit . Etwas bleich und schüchtern hatte er die Eisenbahn verlassen , aber rosig und glücklich zog er ein in die donnernde Freudenstadt ! « Österreicher und Preuße schwiegen , denn an der andern Seite des Saales erhob sich plötzlich ein solcher Sturm des Begrüßens , des Trampelns und des Serviettenschwenkens , daß der alte Gürzenich in eine schwingende Bewegung geriet und daß ich nicht anders meinte , als daß wir jeden Augenblick in den untern Raum des Gebäudes , in die Siruptöpfe und in die Butterfässer des Kaufhauses hinabstürzen würden . - - Es war kein Zweifel mehr , eben erschien der König und der Reichsverweser , und einmütig sang man das bereits erwähnte echt germanische Ragout von Inkermann . Freundlich lächelten die hohen Herren auf die singende Menge hinab . Als aber der Zauber der Inkermannschen Poesie wie mit fernem Nachtwächtergedudel in den letzten Winkeln des Riesensaales verklungen war , da sprang empor von der Bank der Fürsten , in strahlender Uniform und mit geistreichem Antlitz : Se . Majestät der König , jetzt mit der Linken Ruhe gebietend und jetzt die Rechte mit gefülltem Römer erhebend , zu begeisterndem Toaste : » Ich trinke auf das Wohlsein eines deutschen Mannes , auf das Wohlsein eines meiner treuesten Freunde . Wie er Ihr Vertrauen besitzt , so besitzt er auch Mein Vertrauen und Meine Liebe . Möge er uns einige und freie Völker geben ; gebe er uns einige und freie Fürsten . Hoch lebe Erzherzog Johann , der Reichsverweser ! « So ungefähr sprach Se . Majestät und leerte den Römer bis auf den Grund und machte die Nagelprobe mit unendlicher Grazie ! - Das letztere schien vor allen Dingen einen berauschenden Eindruck auf die Zuschauer hervorzubringen . Mehrere meiner Nachbarn rasten vor Wollust . Sie fühlten sich in die Zeiten des Kaisers Max zurückversetzt , der auch wohl mit den Leuten derlei harmlose Späße trieb . So z.B. in Nüremberg . Der dumme Magistrat hatte nämlich damals für die Dauer der Reichsfestlichkeiten alle schönen unverheirateten Frauenzimmer aus der Stadt verbannt , weil ihm die ungesetzliche Liebe als ein Greuel vor dem Herrn erschien . Vor den Toren standen nun die armen lüsternen Dinger und ennuyierten sich à mort . Da kam der Kaiser , und ehe er sich ' s versah , umlagerten ihn ein Dutzend der hübschesten Bajaderen und sagten ihm , er sei ein vernünftiger Mann , der Magistrat bestehe aber aus Eseln , und er , der Kaiser , möge doch seine bessere Einsicht bei diesen Blödsinnigen geltend machen und dafür sorgen , daß sie , die Bajaderen , dennoch Erlaubnis erhielten , das Fest durch ihre Locken , Lippen und wogenden Busen verherrlichen zu dürfen . Max hörte die liebenswürdigen Geschöpfe ruhig an und lächelte . Ehe er aber weiterritt , befahl er statt aller Versprechungen dem zunächst stehenden jungen Kinde , einmal hinter das kaiserliche Roß zu treten und des Pferdes Schweif zu fassen , und der zweiten gebot er , sich wieder hinter ihre Genossin zu stellen und deren Rock zu ergreifen , und als nun die erste den Schwanz des Gaules in der Hand hielt und die zweite den Rock der erstern faßte und die dritte den Rock der zweiten und so fort , da gab Kaiser Max seinem Pferde die Sporen , und mit ein , zwei , drei , vier , acht , zwanzig , ja , wer weiß mit wieviel braunen und blonden kichernden Weibern im Schlepptau ritt er fürbaß gen Nüremberg , wo der Magistrat schon an den Toren stand , um den Kaiser zu empfangen , und aus Scham und Wut schier verrückt zu werden meinte , als er zugleich mit dem Einzug des Kaisers auch das süße Gefolge seines Roßschwanzes passieren lassen mußte . Die Nüremberger Chronik setzt hinzu , daß die damaligen Festlichkeiten zu den » verteufelt-fidelsten « gehört hätten . Wie es der ehrliche Max mit den Weibern machte , so machte es König Friedrich Wilhelm mit dem Wein . Mit der Nagelprobe entzückte er den ganzen Gürzenich , und dieselbe Rolle , die der steife Magistrat in Nüremberg spielte , sie wurde in Köln von den unbeholfenen Liberalen gespielt , die mit Schrecken sahen , wie ein König sogar imstande ist , nur durch eine Nagelprobe alle Herzen wiederzugewinnen und alles vergessen zu machen , ja alles , alles , vom 18. März an bis auf den heutigen Tag . O geht und laßt euch hängen , ihr Demokraten , ihr dummen Republikaner ! Was ist all eure Berserkerwut gegen die Nagelprobe eines klugen Königs ? Dem Könige folgte der Erzherzog Reichsverweser . Das Glas erhebend , sprach er : » Dem Fürsten , der eben meine Gesundheit ausbrachte , dem Könige von Preußen ! und dem , was an unserm Dom geschrieben steht : Eintracht und Ausdauer ! « Die beiden Fürsten umarmten sich und küßten sich ; laut schallte der Jubel der Versammlung , und ihre schwarz-weißen und schwarz-rot-goldnen Leidenschaften fluteten ineinander . Was wollt ihr mehr ? Preußen ging in Deutschland und Deutschland in Preußen auf in diesem Kuß vor allem Volke , in dieser versöhnenden Umarmung . Was wollt ihr mehr , die ihr noch immer das Gespenst des Bürgerkrieges zwischen den beiden Kokarden seht ? Ist es nicht offenbar , daß es mit aller