eingerichtet stets in einem Palast Gradenigo zu wohnen - fügte er lächelnd hinzu - und in einer einsamen Hütte braucht man nicht viel . « Ich weiß nicht warum , allein mir wurden die Augen feucht . » Grämt Sie das , Sie Verwöhnte ! daß der Mensch wenig bedarf ? « fragte er liebreich . » Daß Sie gehen grämt mich ! rief ich mit heißen Thränen , und daß Sie in die einsame Ferne , wo Niemand Ihrer harrt , ziehen - grämt mich noch mehr . Wüßt ' ich Sie glücklich , sei ' s in Rom , sei ' s am Nord-oder Südpol - ich würde nichts sagen , aber jezt .... muß ich weinen . « » Leben Sie wol , Sibylle ! « sagte er mit bebender Stimme , mit schimmerndem Blick , und reichte mir abermals die Hand . Ich umklammerte diese Hand mit der Linken , ich legte die Rechte auf seine Schulter , und sagte : » Vor Jahren - ich selbst weiß nicht mehr vor wie langen Jahren .... hab ' ich Sie einmal beten sehen ; das was ich beten nenne : nicht bitten um irdische Güter oder himmlische Gaben , sondern die Seele aufschwingen zur Ruhe in Gott . Seitdem , Fidelis , hab ' ich viel gesehen und viel vergessen , aber .... wie Sie beteten hab ' ich nie und nimmer vergessen . Nun sagen Sie mir : können Sie noch jezt so beten ? « » Jezt erst recht ! « sprach er fest . Ich trat zurück , faltete meine Hände vor der Brust und rief : » Nun so gehen Sie denn , Sie gesegneter und verehrter Mensch ! und wenn ich dessen würdig bin , so gedenken Sie meiner Seele in Ihrem Gebet , damit sie im Schutz der Ihren zu Gott komme . « Eine Welt von extatischen Empfindungen trat während ich sprach in Sedlaczechs Antlitz . Als ich schwieg legte er wie aus einem Traum erwachend die Hand über die Augen , neigte sich stumm und tief vor mir und verließ langsam mein Cabinet . Otbert schloß mich freudig in seine Arme als ich ihm Sedlaczechs bevorstehende Abreise mittheilte und sagte : » Sie sind so bewegt durch den Abschied , Sibylle , daß ich mich derselben doppelt freuen muß . « » Durch den Abschied bin ich es allerdings , entgegnete ich , denn die Entfernung einer treuen Seele thut immer weh ; - durch unser Zusammensein bin ich es jedoch nie gewesen . « Otbert war unendlich dankbar , höchst liebenswürdig und angeregt , und oft gedachte ich Arabellas und begriff daß sie , grade sie , seinem Zauber nicht habe widerstehen können . Obgleich mein Bewußtsein mir sagte , daß ich auf keine Weise störend zwischen sie und Otbert getreten sei , so war mir doch immer zu Sinn als müsse ich sie heimlich meines Glückes wegen um Verzeihung bitten . Einmal gerieth ich auf den Einfall ihr zu schreiben , daß ich auf dem Punkt sei Otbert zu heirathen ; da aber unsre freundschaftliche Verbindung seit meiner Abreise von England abgebrochen und durch keinen brieflichen Verkehr wieder angeknüpft war : so schien es mir nach reiflicher Ueberlegung taktlos und grausam sie bei dieser Veranlassung wieder anspinnen zu wollen . Ueberdas gerieth ich durch das Glück in jene Verweichlichung welche uns ängstlich jede bittere oder peinliche Empfindung fliehen läßt . Ich wollte glücklich sein , und Otberts Liebe machte mich glücklich . Seine Treue und Ausdauer hatte er mir bewiesen ; jezt legte er mir sein Bestreben an den Tag auch in seiner geistigen Richtung , in seinen Studien und Beschäftigungen meinen Beifall zu gewinnen . Er arbeitete damals an seiner reizenden » Sirene . « Der Gegenstand foderte Bekanntschaft mit der venetianischen Geschichte . Wir lasen sie zusammen . Wir durchfuhren und betrachteten zusammen bis in die geringsten Einzelheiten ganz Venedig um das Characteristische und Eigenthümliche bis in dem entferntesten Winkel , der abgelegensten Sandbank aufzusuchen . Wir ruhten zusammen von diesen Excursionen bei Venedigs unvergleichlichen Kunstschätzen aus und gaben uns bei abendlichen Gondelfahrten dem vollen Zauber dieser Feenstadt hin . Zuweilen recitirte Otbert während dieser Fahrten einzelne Strophen aus der » Sirene « welche auf die Scenerie oder auf unsre eigene Stimmung paßten ; oder er besprach mit mir irgend ein Bild oder eine Idee , die er dem Gedicht einverleiben wollte . Zuweilen ordnete er Musik zu unsrer Begleitung an und dann war schweigen noch süßer als reden . So kam der Julius heran , den ich zu meiner Abreise nach der Schweiz festgesetzt hatte . Es war ein fürchterlich heißer Sommer ; die Sonnenhitze verwandelte Luft und Wasser in geschmolzenes Blei und brütete , ich mögte sagen mit dumpfer Wuth über der Lagune . Ich fürchtete für Benvenutas Gesundheit ; ich hatte freilich wieder die kleine Wohnung auf Torcello für sie genommen , aber sie kam ihr wenig zu gut , denn die Hitze begann mit Sonnenaufgang und dauerte bis gegen Mitternacht , so daß eigentlich nur die Paar Stunden der Nacht gegen den Morgen zu Kühlung gewährten . Ich sehnte mich nach der frischen Bergluft der Schweiz . Um so überraschender war es mir als Otbert mich eines Tages bat diese Reise aufzugeben , aber sein Glück nicht länger zu verzögern . Die Arbeit unter den gegenwärtigen Verhältnissen mache ihn so glücklich - die Umgebung wirke so harmonisch mit der innern Stimmung zusammen - die poetische Erregung sei so mächtig und übersprudelnd in ihm , daß ihm zu Muth sei als begehe er einen Frevel an seiner Muse wenn er von dieser geweihten Stätte weiche . Ueberdas sei ihm Venedig so lieb durch die Seltsamkeit und Seligkeit des Geschicks , welche er hier gekostet habe , daß er an keinem andern Ort der Welt den Moment der Erfüllung seines höchsten Glücks erleben möge . Er trug mir das Alles in seiner Weise vor , die ich unwiderstehlich fand , und die Folge