sie sie deuten sollte . Auch ich , sagte sie , habe mich so sehr an Ihre Gegenwart gewöhnt , mein Freund , daß ich Sie ungern scheiden sehen würde , wenn Ihre amtlichen Verhältnisse Sie einmal abrufen , oder sonst ein Ereigniß Sie von hier entfernen sollte . Indeß , das wird ja unabänderlich nöthig sein und wir sehen uns dann wohl auch wieder . Ich gehe nicht fort , Therese ! sagte er ernsthaft , ich habe mir das selbst gelobt . Was soll ich in der Welt suchen nach Glück , nach Ehre ? Mein Glück ist bei Ihnen , mein Stolz , mein höchster Ehrgeiz wäre es , Ihnen eben so unentbehrlich zu sein , als Sie mir . Mein ganzes Streben ist , Ihnen Freude zu machen , Sie zu erheitern , denn Sie sind traurig seit einiger Zeit . Ich sehe Sie leiden und ich weiß nicht wodurch . Könnten Sie mir doch vertrauen , könnte ich Ihnen doch Etwas sein . Sie sind mir viel , sehr viel ! antwortete sie , da sie jetzt plötzlich zu ahnen begann , welche Gefühle Theophil für sie hege . Sie sind mir theuer , wie ein jüngerer Bruder , dem man gern vertraut , auf dessen Zukunft man hofft , weil man sie mit genießen will . Ich rechne darauf , Sie einst froh und stark in das Leben blicken zu sehen , und daß ich Ihnen werth bin , daß Sie gern mit mir sind , macht mich sehr , sehr glücklich . Glauben Sie mir das , mein Freund ! Aber Sie lieben mich nicht , Therese ? fragte er plötzlich . Sie schwieg erschreckt . Sie werden mich niemals lieben ? fragte er dringender . Scheine ich Ihnen des Glückes so ganz unwerth ? Er sprach nicht lauter , nicht lebhafter , als er es sonst pflegte , er sah sogar ganz ruhig aus und doch hatte die tiefe Innerlichkeit seines Tones etwas so Klagendes , daß sie davon schmerzlich erschüttert ward . Sie ergriff seine Hand und sagte sehr weich : Ich bin sicher , Sie täuschen sich über sich selbst . Ich hoffe zuversichtlich , Sie lieben mich nicht , denn ich könnte die Liebe , die Sie fordern , nicht erwidern , so theuer Sie mir sind . Ich bin nicht frei , nicht Herr meiner Neigung . Nehmen Sie das Geständniß , das ich mir selbst kaum zu machen wage , als den höchsten Beweis von Vertrauen , den ich Ihnen geben kann . Theophil barg das Gesicht in seinen Händen und schwieg . Das peinigte sie und sie fuhr fort : Glauben Sie mir , mein Freund ! es ist wie ich Ihnen sage . Denken Sie nur , ich bin um mehre Jahre älter als Sie ; Sie sind so jung , Sie können ein Herz verlangen , das in der Liebe zu Ihnen zum Bewußtsein erwacht . Ich habe meine Jugend früh in Hoffnungslosigkeit verloren , ich bin nicht glücklich gewesen , Theophil ! Darum möchte ich versuchen , Sie glücklicher zu machen , rief er . Lassen Sie mir wenigstens die Hoffnung , daß Ihr Sinn sich einst zu mir wendet , daß es mir einst gelingt , Sie über eine frühere Neigung zu trösten . Nein , sagte Therese bestimmt , das können Sie nicht ; ich liebe heute noch ganz so und stärker , als in den Tagen der frühesten Jugend . Jene Liebe ist mein Leben . Ich kann der Hoffnung entsagen , glücklich durch sie zu werden , und das habe ich früh gethan , die Liebe verleugnen kann und - werde ich nie . Und ich hatte Ihnen meine Zukunft geweiht , klagte er schmerzlich . In Ihnen , Therese , ruhte mein Glück und meine Hoffnung ! - und Sie stoßen mich von sich ? Nein ! nein ! rief sie . Ich stoße Sie nicht von mir , ich wünsche vielmehr , daß Sie uns nicht verlassen . Bleiben Sie bei uns , prüfen Sie sich selbst und Sie werden ruhiger werden , als wenn Sie sich gewaltsam von uns trennten . Sie halten mich für gut , mein Freund ! Die Art , in der ich das Leben erfasse , sagt Ihnen zu ; Sie freuen sich , daß ich bei Ihnen bin , wenn Ihre kleinen Leiden Sie muthlos machen , und weil Sie mich lieb haben , glauben Sie , mir mit Ihrer Liebe danken zu müssen . Wie unrecht wäre es aber , nähme ich dies Geschenk von Ihnen an ; es hieße Wucher treiben , verlangte ich Liebe auch für die innigste Freundschaft . Ich bleibe Ihnen ja , ich selbst will Sie glücklich wissen und wie ich Ihr Wort darauf verlange , daß Sie nicht jetzt , nicht plötzlich von uns gehen , so verspreche ich Ihnen , daß Sie in allen Wechselfällen des Lebens die treueste Freundin in mir finden sollen , die theilnehmendste Vertraute . Wollen Sie mich zu einer solchen annehmen , Theophil ? Wollen Sie mir die hohe Freude machen , mir einst zu sagen , daß Sie sich über Ihre Gefühle für mich täuschten , wenn Sie ein Mädchen gefunden haben werden , das besser für Sie paßt als ich ? Theophil schüttelte schweigend das Haupt , aber er drückte die Hand , die sie ihm geboten hatte , an seine Lippen und sagte : Ich höre den lieben Ton Ihrer Stimme , aber ich fasse Ihre Worte nicht . Mir ist , als ob der Boden wankte , auf dem ich mein Haus gebaut . Ich werde bleiben , Therese ! denn in Ihrer Nähe zu leiden , ist mir noch Labsal gegen die Trennung von Ihnen . Auf Wiedersehen denn ! Mit den Worten ging er seufzend hinaus . II Ich bekomme so eben einen Brief von Reichenbach , der mich beunruhigt , sagte an einem der nächsten Tage der Präsident zu seiner Schwester