mittelmäßig . Capitel 23. Wie mein arm Töchterlein soll mit der peinlichen Frag beleget werden . Als nunmehro Akta an Ein lobsam Hofgericht verschicket worden , währete es wohl an die 14 Tagebevorab Antwort kam . Und war Se . Gestrengen der Amtshaubtmann sonderlich freundlich gegen mich , erlaubte auch , da das Gericht wieder heimbgekehret , daß ich mein Töchterlein so oft sehen kunnte , als ich begehrete , wannenhero ich den größten Theil des Tages umb sie war . Und , wenn dem Büttel die Zeit zu lange währete , daß er auf mich passen mußte gab ich ihm ein Trinkgeld , und ließ mich von ihm mit meim Kind einschließen . Auch war der barmherzige Gott uns gnädig , daß wir oft und gerne beten mugten . Denn wir hatten wieder eine steife Hoffnung und vermeineten , daß das Creuz , so wir gesehen , nun bald wäre fürübergezogen und der grimmige Wulf schon seinen Lohn bekommen würde , wenn ein lobsam Gericht Acta einsähe , und an die fürtreffliche Defension gelangete , so Dn . Syndicus vor mein Kind gefabriciret . Darumb fing ich auch wieder an aufzuheitern , zumalen als ich sahe , daß meinem Töchterlein die Wangen sich gar lieblich rötheten . Doch am Donnerstag den 25sten mensis Augusti umb Mittag fuhr Ein ehrsam Gericht abereins auf den Schloßhof , als ich mit meim Kind nach meiner Weis ' wieder im Gefängnüß saß und die alte Ilse uns die Kost brachte , so aber für Thränen uns die Nachricht nicht geben kunnte . Aber der lange Büttel schauete lachend zur Thüren herein und rief : » ho ho , nu sind se da , nu wadd dat Ketteln wohl los gahn1 « worüber mein arm Kind sich schudderte2 doch mehr über den Kerl denn über die Botschaft . Selbiger war auch kaum fortgangen , als er schon wieder kam , umb ihr die Ketten abzunehmen und sie abzuhohlen . Folgete ihr also in das Gerichtszimmer , wo Dn . Consul die Sentenz Eines lobsamen Gerichtes fürlas , daß sie über die gefaßten Artikul noch einmal in Güte sölle gefraget werden , und bliebe sie verstockt , wäre sie der peinlichen scharfen Frag zu unterwerfen , denn die beigebrachte Defension haue nicht aus , besondern es wären , indicia legitima praegnantia et sufficientia ad torturam ipsam3 fürhanden als : 1 ) mala fama4 2 ) maleficium , publice commissum5 3 ) apparitio Daemonis in monte6 wobei Ein Hochlobsam Hofgericht an die 20 Autores citiret , wovon wir aber wenig behalten . Als Dn . Consul solches meinem Töchterlein fürgelesen , hub er wiederumb an , sie mit vielen Worten zu vermahnen , daß sie müge in Güte bekennen , denn die Wahrheit käme jetzunder doch an den Tag . Hierauf gab sie standhaft zur Antwort : daß sie nach der Defension Dn . Syndici zwar ein besser Urtel gehoffet ; allein , da es Gott gefiele , sie annoch härter zu prüfen , beföhle sie sich ganz in seine gnädige Hand und könne sie nicht anders bekennen , denn sie vorhero gethan , daß sie nämblich unschuldig sei und böse Menschen sie in dies Elend geführet . Hierauf winkete Dn . Consul dem Büttel , welcher aus der andern Stuben Pastorem Benzensem7 in seinem Chorrock hereinließ , so von dem Gericht bestellet war , umb sie noch besser aus Gottes Wort zu vermahnen . Selbiger thät einen großen Seufzer und sprach : » Maria , Maria , wie muß ich dich wiedersehen ! « worauf sie anhub gar heftig zu weinen , und ihre Unschuld abermals zu betheuern . Aber er kehrete sich nicht an ihren Jammer , besondern nachdem er sie hatte das » Vaterunser , Aller Augen und Gott der Vaterwohn uns bei « beten lassen , hub er an ihr den Gräuel fürzustellen , den der lebendige Gott an allen Zauberern hätte , angesehen ihnen nicht nur im alten Testamente die Strafe des Feuers wäre zuerkannt worden , sondern auch der heilige Geist im N. Testament ausdrücklich sage , Gall . am fünften : daß die Zauberer nimmer würden das Reich Gottes erben , sondern ihr Theil würde sein in dem Pfuhl , der mit Feuer und Schwefel brennet , welches ist der andere Tod Apocal . 21. Sie möge also nicht trotziglich sein , noch dem Gericht die Schuld geben , wenn sie also geplaget würde , denn das Alles geschähe aus christlicher Liebe und umb ihre arme Seele zu retten . So müge sie denn umb Gottes und ihrer Seeligkeit willen nicht länger ihre Buße verschieben , ihren Leib martern lassen , und ihre arme Seele dem leidigen Satan übergeben , welcher ihr doch nicht in der Höllen halten würde , was er ihr hier auf Erden versprochen , denn er wäre ein Mörder von Anfang und ein Vater der Lügen Joh . am 8ten . O , Maria rief er aus mein Kindlein , die du so oft auf meinem Schooß gesessen und für die ich jetzunder alle Morgen und Abend zu meinem Gotte schreie , wiltu mit dir und mir kein Erbarmen tragen , so trage Erbarmen mit deinem rechtschaffenen Vater , den ich für Thränen nicht ansehen kann , da sein Haar in wenig Tagen schlooweiß geworden , und rette deine Seele mein Kind , und bekenne ! Siehe dein himmlischer Vater betrübet sich anjetzo nicht minder über dich , denn dein leiblicher Vater , die heiligen Engel verhüllen für dir ihre Augen daß du , die du einst ihr lieblich Schwesterlein warest , nunmehro eine Schwester und Braut des leidigen Teufels worden bist . Darumb kehre umb und thue Buße ! Dein Heiland rufet dich verirrtes Lämmelein heute wieder zurück zu seiner Heerden . Sollte nicht gelöset werden diese , die doch Abrahams Tochter ist , von den Banden , welche Satanas gebunden hat , lautet sein barmherzig Wort Lukas am dreizehnten ; item : kehre wieder zuabtrünnige Seele , so will ich mein Antlitz nicht