machte ihr Herz ängstlich schlagen . Das Fremde ist so selten etwas Gutes . Sie erbrach athemlos den Umschlag und fühlte sich wahrhaft erleichtert , als sie die Unterschrift : Cunigunde - las . Diese schrieb : » Meine Mutter wird Ihnen so eben sagen , daß ich Sie nicht mehr sehen soll , Holdselige ! Das betrübt mich tief ; denn nicht nur , daß ich Sie immer sehen möchte : ich habe auch eine dringende Bitte , die ich jetzt schriftlich an Ihr Herz legen muß . Mein guter Vater ist mit mir einverstanden , er billigt meinen Schritt , er unterstützt meine Bitte . - Unter den gegenwärtigen Verhältnissen bin ich Arme leider dem älterlichen Hause eine Last geworden . Es ist bitter für ein Kind , das zu erkennen ; doppelt bitter mir , weil ich selbst daran schuld bin und es doch nicht auf die Weise ändern kann , welche man von mir wünscht . Aber das Haus verlassen , wo ich Allen , nur nicht meinem armen lieben Vater , im Wege bin - das kann ich allerdings und das will ich . Dazu müssen Sie , Sie wahrhaft Gnädige , mir behülflich sein . Sie haben Verwandte und Freunde in der Ferne , die Ihrem Wort , Ihrer Bitte gern Gehör geben werden . Ach , für sich selbst haben Sie wol nie gebeten , Ihrem unausgesprochenen Wunsch sind gewiß Alle zuvorgekommen . Nun denn , so bitten Sie für mich , daß man mich aus Menschenliebe aufnehme , eine Freistatt mir gönne , einen Wirkungskreis mir anweise , den meine geringen Fähigkeiten ausfüllen können . Einen andern Anspruch an diese große Barmherzigkeit , als den , daß ich sie bedarf , habe ich freilich nicht , denn ich bin ein unbedeutendes , unentwickeltes Wesen , das denen , die sich meiner annehmen wollen , nichts verheißen kann , als Dankbarkeit . Aber wenn Sie das Gewicht Ihrer Bitte für mich in die Schaale legen , so sinkt sie gewiß herab . Zürnen Sie mir , weil ich diese Zuversicht zu Ihnen habe ? - Mein letztes Wort ist : möchte ich so bald wie möglich so fern wie möglich sein . « Nachdem Faustine mit tiefer Rührung diesen Brief gelesen , schrieb sie ihn ab , erzählte Andlau ausführlich Cunigundens Geschichte und auf welche Weise sie darin verflochten sei , beschwor ihn , bei seinen Schwägerinnen und wo man Vertrauen zu ihm habe , nach einer Freistatt für Cunigunden zu suchen , schloß die Copie in ihren Brief , und dachte erst , nachdem er gesiegelt , daß kein Wort von der gestrigen Begebenheit darin stehe . Aber dies ist auch wichtiger - fügte sie hinzu und schickte den Brief augenblicklich zur Post . - Daß sie dem armen Clemens versprochen hatte , sich heute auf dem Bassin des großen Gartens im kleinen Eisschlitten von ihm fahren zu lassen - war ebenfalls gänzlich ihrem Gedächtniß entschwunden , und fiel ihr erst dann ein , als er in später Abendstunde sich bei ihr anmelden ließ . Sie war eben an ihre Toilette gegangen , um sich auf einen glänzenden Ball zu begeben , wo sie mit Mengen über die Vorfälle des heutigen Tages plaudern wollte , also konnte sie Clemens nicht annehmen . Eine halbe Stunde später trat sie in den geschmückten Saal . Mengen stand mit Feldern so , daß er den Eingang im Auge hatte , und obgleich er lebhaft mit dem Freunde sprach , so flog doch sein zerstreuter Blick unablässig dorthin . Feldern war sehr niedergeschlagen , weil der Bruch mit Cunigunden unwiderruflich , und seine Achtung vor ihrem festen Willen seine Neigung nicht verminderte . » A revoir ! « sprach Mengen plötzlich ; » hernach reden wir weiter darüber . « » Heute nicht mehr , « sagte Feldern lächelnd , denn er folgte Marios Augen und sah Faustine . Sie stand an der Thür , die Unmöglichkeit einsehend , durch den Kreis der Tänzer und das Gedränge der Zuschauer zu brechen . Sie lehnte an dem Pfeiler mit übereinander geschlagenen Armen - eine Stellung , die den meisten Frauen wegen zu enger Kleidung unmöglich sein dürfte - und die Rechte tändelte mit dem Fächer , den sie sinnend an den Lippen hielt , nachdem ihre Gedanken nicht mehr durch die Umgebungen beschäftigt waren . Das meergrüne Kleid , die leichten , lang herabfallenden Locken , die stille Traurigkeit , welche sich wie ein silberner Schleier auf ihre weichen Züge legte , gaben ihr etwas so Aetherisches , daß Mario , während er sich Bahn zu ihr machte , unablässig sie im Auge behielt , um sich zu vergewissern , daß sie kein Traumgebild sei , oder um , wenn sie ein solches sei , doch wenigstens wahrzunehmen , wie sie sich in Duft auflöse . » Welch ein allerliebst verdrießliches Gesichtchen bringen Sie auf unsern muntern Ball , Gräfin Faustine « - sagte er , als er sie endlich erreicht . » Es ist übel , daß jede Trauer einen verdrießlichen Beischmack hat , « antwortete sie gelassen . » O keine Trauer heute ! « bat er , » ich bin glücklich - noch von gestern , glaub ' ich ! und dann hab ' ich die Nachricht bekommen , daß meine zweite Schwester dem Ziel ihrer Wünsche , der Verbindung mit einem längst Geliebten , durch unvorhergesehene günstige Umstände ganz nahe ist . Die beiden Menschen haben sich abgequält und abgezehrt , und nun ist plötzlich das Glück da . « » Sagen Sie lieber , die Qual ist aus ! ob das Glück nun kommt , ist fraglich . « » Sie hoffen es doch ! - Wollen Sie mit mir walzen , Gräfin Faustine ? « » Ich kann heute keine lustigen Leute leiden , Graf Mengen . « » Ich bin nicht lustig , nur heiter . « » Wenn die Heiterkeit sich auf äußere Dinge und Zeichen legt , wird