zu beleben schien . Sie blickte bittend die Herzogin an , welche , ihre Stirn in die Hand gestützt , ohne Bewegung zusammen gesunken , in dem Sessel saß und diesen Blick nicht sah . Als nun die Gräfin sich beugte , um ihr Auge aufzusuchen , begegnete sie dem trostlosen , in Thränen schwimmenden Auge der Herzogin , und fürchtend für sie , obwohl ungewiß , warum , kniete sie vor ihr nieder , und sagte leise und zärtlich : Ihr leidet , seid Ihr krank , oder zürnet Ihr mir ? Nein , ich zürne Euch nicht , sagte die Herzogin und blickte tief in das Gesicht der Knieenden ; aber ich bin leidend . Doch vergebt , sagte sie gefaßt , ich vollende Euern Schmuck . Sie ergriff hierbei schnell das Armband und sagte feierlich : Eine theure , theure Hand legte dies Band zuerst Euch an , ich thue es zunächst und gelobe Euch , für Euch zu sorgen , wie der es thun würde , der es Euch gab , wenn es Gottes Wille so gefügt hätte . Während dieser Worte befestigte sie die Armbänder um die schönen Arme und erhob sich sogleich . Der Augenblick der Trennung schien gekommen , die Gräfin Melville erwartete das verabschiedende Wort mit ruhigem Anstande , und die Herzogin , die es verzögerte und mit sich uneins war über die Einleitung des ihr zunächst Liegenden , sah unruhig vor sich nieder , und das Schweigen , welches die Bescheidenheit ihrer jungen Gefährtin nicht zu unterbrechen wagte , lastete mit drückender Schwere auf ihr . Da kamen dumpfe Töne von dem Eingange her , welche sich schon oft und wohlbekannt hatten vernehmen lassen , ihrer Unentschlossenheit zu Hülfe . Sie folgte ihrem vorausgesandten Blicke und überschritt den Saal , die Thüre öffnend , an der nun bei den näher kommenden Schritten sich ein freudiges Gebell und unruhiges Kratzen vernehmen ließ , und durch den kleinen Spalt der sich öffnenden Thür drängte sich Gaston mit solcher Gewalt hinein , daß an den Rändern der Thür Haare von ihm haften blieben . Er wollte seine ungestüme Freude an der Herzogin auslassen , die jedoch wenig gestimmt schien , sie zu begünstigen , und sie durch ein paar streng ausgesprochene Worte mäßigte , während sie sich von ihm wandte , um zurück zu kehren . Jetzt gewahrte Gaston , der sich so zurückgewiesen sah , die Gräfin Melville , welche , nach den Terrassen gewandt , in ruhigem Nachdenken der Herzogin harrte . Er hob den Kopf und Schweif hoch empor , blickte schnell vorlaufend mit seinen klugen Augen zur Gräfin hin und war mit zwei Sprüngen nicht allein an ihrer Seite , sondern mit seinen Pfoten so hoch , daß sie sich augenblicklich von ihnen umarmt sah , und dies mit einem solchen Freudengeheul , daß dieser jähe Ueberfall des großen Thieres ihr einen lauten Schrei des Entsetzens entriß . Aber diese Folge der ersten Ueberraschung ging nun sogleich in die zärtlichsten Liebkosungen über . Gaston , o mein lieber Gaston ! rief sie und drückte das schwarze Gesicht an ihre Brust , und küßte seine Stirn , während Gaston ganz außer sich vor Freuden schien , wieder von ihr abließ , sie umkreisete , um immer wieder zu ihr hinan zu springen , und immer wieder ihre offenen Arme fand , und eine solche Theilnahme an seiner Freude , daß Alles , was sie beide umgab , dieser Empfindung weichen zu müssen schien . Sie gewahrte nicht , daß die Herzogin krampfhaft einen Pfeilertisch , dieser Scene gegenüber , ergriffen hielt , und mit bleichen , zuckenden Zügen und starren Augen hinein sah . O Mylady , rief jetzt die Gräfin , über Gaston wegschauend , glühend und fast athemlos , o sagt mir jetzt , wo ist er ? Gaston war nicht ohne ihn ; Ihr verbergt ihn , Ihr habt mich vorbereiten wollen durch Gaston auf seinen geliebten Herrn ! Doch ich bin jetzt gefaßt , rief sie voreilend , o laßt mich ihn sehen , fürchtet keine allzu heftige Erschütterung mehr ! - Gaston unterbrach diese Worte noch immer durch seine heftigen Liebkosungen , und dies entzog ihren stets dadurch abgelenkten Blicken die Veränderung der Herzogin und verschaffte dieser zugleich Zeit , die Fassung zu erlangen , die ihr jetzt doppelt nöthig schien . Nein , Mylady , es steht nicht in meiner Macht , Euern Wunsch zu erfüllen , ich kann Euch den Besitzer dieses Hundes nicht zeigen , ja , ich muß glauben , Ihr irret , wenn Ihr dies Thier schon früher zu kennen glaubtet . - Ich mich in Gaston irren ? In meinem lieben Gaston , rief die Gräfin , den ich selbst pflegte , als sein Fuß bei einem Sprunge von der Terrasse in dem Schloß meiner Tante blutete und verletzt war ? Heißt er denn nicht Gaston ? Und seht hier noch die Stelle , wo die Wunde war und kein Haar sich wieder darüber zog . Habt Ihr nicht gesehen , daß er mich erkannte ? - Und wahrlich , Gaston schien mit allen Tönen und Bewegungen , welche diesen edeln Kreaturen verliehen sind , ihr oft so starkes und feines Gefühl auszudrücken , diesen Worten Nachdruck geben zu wollen , und die Herzogin fühlte sich selbst davon so überzeugt , daß ihr für Heuchelei nicht geschaffenes Gemüth sich von dem Vorhaben abwendete , diese Bekanntschaft , an die sie leider nur zu fest glaubte , als eine Verwechselung in Abrede stellen zu wollen . Sie gebot Gaston Ruhe , welches sie mit Mühe erlangte . Dann ergriff sie die Hand der Gräfin und führte sie seitwärts vor . Sagt mir , sprach sie feierlich , wem glaubt Ihr , daß dieser Hund gehört ? - Dem Freunde meines Oheims , theure Lady . Er begleitete ihn stets , ich kenne ihn , glaubt mir . - Ich zweifle selbst nicht mehr daran , erwiederte die Herzogin , doch ich