an die warme Brust der Erde , damit er weiß , wo er steht , um vom sichern Boden aus den Himmel zu erwerben . In der Hütte ist Platz für eine ganze Welt , hier beherbergt er in stiller Zelle die zukünftige That und den unermüdlichen Willen , hier hütet er seine Liebe und seine Verzweiflung , hier wohnt er mit seinen Plänen , seinen Gedanken , seinen Scherzen und seinen Göttern . Wie das Haus vor den Elementen , so schützt ihn der Freund und das Weib vor den Schrecken der Einsamkeit ; die Liebe schützt ihn gegen Selbstsucht , der Haß gegen Gleichgültigkeit , der Hunger gegen Langeweile , die Thorheit gegen Altklugheit , die Eitelkeit gegen Selbstverachtung , das unbefriedigte Herz gegen Ermattung des Strebens . Damit der Mensch den Menschen kennen lerne , in Art , Tauglichkeit und Hoffnungen seines Wesens , haben sie neben einander ihre Hütten aufgerichtet in den Städten . Vor der Natur verliert sich der Mensch in das Element , in der Stadt gibt er sich an die Menschen hin , und findet in den Andern , in ihrem Irrthum und in ihrer Wahrheit , sich selbst wieder , aus ihrer Verzerrung setzt er sich seine Harmonie zusammen . Die Stadt ist der Pantheonstempel menschlicher Zustände , vor dessen Altar drei heilige Priester stehen , welche den Bund der Gemeinde geweiht und bekräftigt haben . Diese drei sind : das Recht , die Treue und die Sitte . Wo Menschen zusammen sind , und zu einem Verein sich gesellen , gibt es auch Recht , Treue und Sitte . Das ist das Große an jeder menschlichen Gesellschaft , daß sie ohne diese drei nicht zu bestehen vermag , sondern von selbst sie wie nothwendige Blüthen aus ihrem Schooß erzeugt . Ja , in der Stadt , wo Menschen sind , suche ich Recht , Treue und Sitte , und ich finde sie , mitten unter ihren Leidenschaften , ich finde sie , wie Edelsteine im schwarzen Schachte . Wenn Menschen sich an Menschen drängen , im Trieb des Daseins , wenn ihr Wollen und ihr Können wächst in der Gemeinschaft , wird ihnen in der Brust zugleich das Recht wach , das die Gesetze schreibt für Wollen und Können . Unrecht liegt nicht in der menschlichen Natur , denn sie möchte nur allzugern Jedes ausgleichen und versöhnen , selbst den Teufel . Das Recht ist der verständige Kopf des ganzen Gliedervereins , in dem Maß und Gleichgewicht des übrigen Körpers sich zusammengeschlossen halten . Und die Treue ist die Hand , welche der Mensch dem Menschen gibt , und woran sie sich fassen über der Woge des Tages , während das Leben schäumend mit ihnen fortstürzt . Und die Sitte ist das Auge , mit dem sie sich gegenseitig anblicken . Das Auge ist die Jungfrauschaft der Seele , und wenn es sich zu Dir aufschlägt , und Du tief in seinen Grund schauest , wird Dir heilig zu Muthe . Weil die Menschen sich in die Augen sehen , haben sie Ehrfurcht vor einander , und für Jeden liegt in dem Andern ein leises Geheimniß da , das er achten muß . Die Ehrfurcht der Augen ist die Sitte , sie ist ein zartes Geheimniß , wie der Blick . Wie dieser , trifft sie auf den feinsten Zusammenhang des Lebens , und spricht ihn aus . Wenn die Treue der Hand die Menschen an einander bindet in festverschlungenen Gruppen , so gießt das Auge der Sitte holdseeliges Licht der Schönheit aus über den Bund . Die Hand , die vielgefurchte , an der Arbeit des Tages oft erprobte , immer in den Stoffen des Lebens wühlende , sie ist wichtig für menschliches Sein und Thun . Sie schließt Verträge , bejaht mit ihrem Druck die Bündnisse der Liebe , schwört mit emporgehobenen Fingern zu Gott , sagt guten Tag und guten Weg zu den Nachbarn und zu den Freunden . Die Hand gehört den Nothwendigkeiten des Lebens an , aber das Auge ist ein freies Strahlen von Poesie . Die Sitte ist die Poesie der menschlichen Gesellschaft , sie ist der Adel der Form , die Verklärung der Gewohnheit , die Juwelenfassung des Umgangs , und die Ehrwürdigkeit der Ueberlieferung . Und der Kopf sieht ernsthaft darein , und läßt sich durch nichts bestechen , und durch nichts beugen , wenn er Recht hat . Das Recht ist der Mathematiker des Lebens , es urtheilt streng nach dem Buchstaben , und mißt genau Winkel an Winkel , Größe an Größe ab . Aber das genau gemessene Leben wäre todt , wenn nicht das Auge hineinlächelte , und die Hand es zusammenhielte . Und so bewegen sich die Menschen mit Kopf , Hand und Auge , und ihr Dasein steht in Flor , und ihre Städte regen sich , und tragen Frucht und Blume . Und so verbinden sich die Menschen mit Recht , Treue und Sitte , die , wie das Weichbild ihrer Städte , einen heiligen Kreis um ihr Zusammenleben schließen . Das ist die Freiheit der Städte , das ist der Gottesfrieden der Häuser ! Mögen die Städte blühen und gesegnet sein , ich liebe die Städte ! Ich liebe Städte und Häuser . Städte , Häuser , Straßen , Brücken , und das Volk dazu , welche großartige Malerei für einen Menschenfreund ! Keine Naturmalerei , mit ihren Abendröthen und Purpurwolken und allem Farbenschmelz der Thäler , keine Elegie und keine Hymne der Landschaft , reicht an dies hochdramatische Schauspiel der Städte hinan . Komm näher , Stadt , und empfange den Wandrer in Deinen zutraulich winkenden Ringmauern . Nimm ihn auf recht in die Mitte der menschlichen Gewohnheit , und laß ihn Alles sehen und schmecken , wie der Mensch es treibt . Ich will mich an die Welt Deiner Gesichter hingeben , und den Schöpfer loben , wann mir eines gefällt . Ich will Deine Künstler verehren , mit Deinen Gelehrten reden , Deine