so reißen sie einem bei der Hand an sich , daß man um und um purzeln möchte ; das kommt eben daher , daß sie so lang in der Not gesteckt haben ; ihre Gattung ist doch Menschenart , und diese soll doch einmal der Freiheit teilhaftig sein , zu Christen will man sie absolut machen , aber aus ihrem engen Fegfeuer der überfüllten Judengasse will man sie nicht herauslassen ; das hat nicht wenig Überwindung der Vorurteile gekostet , bis die Christen sich entschlossen hatten , ihre Kinder mit den armen Judenkindern in eine Schule zu schicken , es war aber ein höchst genialer und glücklicher Gedanke von meinem Molitor , fürs erste Christen- und Judenkinder in eine Schule zu bringen ; die können ' s denn miteinander versuchen und den Alten mit gutem Beispiel vorgehen . Die Juden sind wirklich voll Untugend , das läßt sich nicht leugnen ; aber ich sehe gar nicht ein , was an den Christen zu verderben ist ; und wenn denn doch alle Menschen Christen werden sollen , so lasse man sie ins himmlische Paradies , - da werden sie sich schon bekehren , wenn ' s ihnen gefällig ist . Siehst Du , die Liebe macht mich nicht blind , - es wär auch ein zu großer Nachteil für mich , denn mit sehenden Augen bin ich alles Schönen inne geworden . Adieu , kalter Mann , der immer über mich hinaus nach den Judenbroschüren reicht ; ich bitte Dich , steck das Bild an die Wand mit vier Nadeln , aber in Dein Zimmer , wo ich das einzige Mal drin war und hernach nicht mehr . Bettine An Bettine Du zürnst auf mich , da muß ich denn gleich zu Kreuz kriechen und Dir recht geben , daß Du mir den Prozeß machst über meine kurzen kalten Briefe , da doch Deine lieben Briefe , Dein lieb Wesen , kurz alles , was von Dir ausgeht , mit der schönsten Anerkenntnis müßte belohnt werden . Ich bin Dir immer nah , das glaube fest , und daß es mir wohler tut , je länger ich Deiner Liebe gewiß werde . Gestern schickte ich meiner Mutter ein kleines Blättchen für Dich ; nimm ' s als ein bares Äquivalent für das , was ich anders auszusprechen in mir kein Talent fühle , sehe zu , wie Du Dir ' s aneignen kannst . Leb wohl , schreib mir bald , alles was Du willst . Goethe Der durchreisende Passagier wird Dir hoffentlich wert geblieben sein bis ans Ende . Nehme meinen Dank für das Freundliche und Gute , was Du ihm erzeigt hast . - Wenn ich in Karlsbad zur Ruh bin , so sollst Du von mir hören . Deine Briefe wandern mit mir ; schreib mir ja recht viel von Deinen Reisen , Landpartien , alten und neuen Besitzungen ; das lese ich nun so gern . Weimar , den 4 , Mai 1808 Sonett , im Brief an Goethes Mutter eingelegt Als kleines art ' ges Kind nach Feld und Auen Sprangst du mit mir so manchen Frühlingsmorgen . » Für solch ein Töchterchen , mit holden Sorgen Möcht ich als Vater segnend Häuser bauen ! « Und als du anfingst in die Welt zu schauen , War deine Freude häusliches Besorgen . » Solch eine Schwester ! und ich wär geborgen : Wie könnt ich ihr , ach ! wie sie mir vertrauen ! « Nun kann den schönen Wachstum nichts beschränken ; Ich fühl im Herzen heißes Liebestoben , Umfaß ich sie , die Schmerzen zu beschwichtgen ? Doch ach ! Nun muß ich dich als Fürstin denken : Du stehst so schroff vor mir emporgehoben ; Ich beuge mich vor deinem Blick , dem flüchtgen . An Goethe Ist es Dir eine Freude , mich in tiefer Verwirrung beschämt zu Deinen Füßen zu sehen , so sehe jetzt auf mich herab ; so geht ' s der armen Schäfermaid , der der König die Krone aufsetzt ; wenn ihr Herz auch stolz ist , ihn zu lieben , so ist die Krone doch zu schwer ; ihr Köpfchen schwankt unter der Last , und noch obendrein ist sie trunken von der Ehre , von den Huldigungen , die der Geliebte ihr schenkt . Ach , ich werde mich hüten , ferner zu klagen oder um schön Wetter zu beten , kann ich doch den blendenden Sonnenstrahl nicht vertragen . Nein , lieber im Dunkel seufzen , still verschwiegen , als von Deiner Muse ans helle Tageslicht geführt , beschämt , bekränzt ; das sprengt mir das Herz . Ach , betrachte mich nicht so lange , nimm mir die Krone ab , verschränke Deine Arme um mich an Deinem Herzen und lehre mich vergessen über Dir selber , daß Du mich verklärt mir wiederschenkst . Bettine An Goethe Am 20. Mai Schon acht Tage bin ich in der lieblichsten Gegend des Rheins , und konnte vor Faulheit , die mir die liebe Sonne einbrennt , keinen Augenblick finden , Deinem freundlichen Brief eine Antwort zu geben . - Wie läßt sich da auch schreiben ! Die Allmacht Gottes schaut mir zu jedem Fenster herein und neigt sich anmutig vor meinem begeisterten Blick . Dabei bin ich noch mit einem wunderbaren Hellsehen begabt , was mir die Gedanken einnimmt . Seh ich einen Wald , so wird mein Geist auch alle Hasen und Hirsche gewahr , die drin herumspringen ; und hör ich die Nachtigall , so weiß ich gleich , was der kalte Mond an ihr verschuldet hat . Gestern Abend ging ich noch spät an den Rhein ; ich wagte mich auf einen schmalen Damm , der mitten in den Fluß führt , an dessen Spitze von Wellen umbrauste Felsklippen hervorragen ; ich erreichte mit einigen gewagten Sprüngen den allervordersten , der grade so viel Raum bietet , um trocknen Fußes drauf zu stehen . Die Nebel umtanzten mich ; Heere von Raben