durchdringendem Blicke hart vor Dagobert hin , und fragte : » Nun , Bundesgenosse ! Habt Ihr gethan nach meinen Worten ? « - Dagobert bejahte . - » Wird er gehorchen ? « fuhr sie fort , dringend und fest . - » Er wird ! « erwiederte der Bruder . » In wenig Tagen schon . « - » Hm ! ich weiß ; « sprach Wallrade mit fliegendem Lächeln : » ich erfuhr bereits ... er geht nach Mörsburg , als bischöflicher Jagdmeister . Es kömmt darauf an , ob er mir dort lästig scheint . In diesem Falle rechne ich auf Euern neuen Beistand , ihn von dannen zu treiben . « Diese Worte empörten Dagobert ' s Gefühl , so gut er bis jetzt an sich gehalten hatte . » Ich begreife nicht , « sprach er mit Heftigkeit : welch » unglücklich Schicksal diesen Mann , der einem Verbrecher nicht ähnlich steht , zu einem Geachteten , Vogelfreien gemacht hat , der vor der Drohung eines Weibes sich verbergen muß , jede Stätte verlassend , wo er gedenkt zu bleiben ; .. aber so wenig mir gelüstet , der Theilnehmer Eures Geheimnisses zu seyn , so wenig biete ich auch ferner meine Hand zu dieser im Verbergenen schleichenden Gewalttätigkeiten . Hat dieser Mann Euch so schwer beleidigt , daß nur sein Verderben Euch zu versöhnen vermag .... sagt ' s , und ich werfe diese Kutte auf einige Tage von mir , um mit dem Degen in der Faust den zu strafen , der Euch mißhandelte . Das ist Bruderpflicht . Aber Euer Foltersknecht bin ich nicht , werde es nie seyn . Ich habe des armen Mannes Weib gesehen , sein Kind .... nicht mein Mund , nicht meine Hand wird das Geringste thun , diese Unschuldigen langsam mit zu martern durch die Qual des Gatten und Vaters . « » Sein Weib , sein Kind ? « fragte Wallrade schneidend : » Sie sind hier ? Diese Nachricht danke ich Euch . Schon hier ? Sehr wohl . Der Herr von der Rhön wird wohl thun , so schnell als möglich von dannen zu ziehen . Nicht meinetwegen allein ; « setzte sie langsam und laurend hinzu : » auch wegen des weichherzigen Bruders Empfindsamkeit , der die Laune hat , jungen Ehefrauen allein zugethan zu seyn , wäre es auch seines eigenen Vaters Weib , seine Stiefmutter . « » Wallrade ! « rief Dagobert entsetzt , und seine Zunge erstarrte ob der frechen Anklage . » Läugnet ! « entgegnete ihm Wallrade heftig und frecher : » Läugnet , was ganz Frankfurt weiß , was bis in meine tiefe Einsamkeit drang , und meinen Haß gegen Euch befestigte . Läugnet , was Eure Zunge lähmt , als ob sie Gottes Hand getroffen . Wagt es , mich zu beschuldigen und Euch heilig zu sprechen . Ich strafe nur ein Verbrechen , - Ihr lebt aber noch in Schuld und Fehl . Euer falscher Mund , konnte mich gestern berücken , heute aber steht der eigensüchtige , verläumderische , boshaft-üppige Bube Dagobert wieder in seiner vollen Blöße da , und von nun an keine Gemeinschaft zwischen uns . Thut was Euch beliebt . Das Schwert des Henkers legt sich zwischen Euch und mein Geheimniß , damit es der Schuldige nicht verrathe . Es ist todt für Euch . Versucht aber auch ja nicht den Schleier zu lüften ; offenkundig machte ich dann Eure eigene Schande , und diesen Arm ... « hier hob sie drohend ihre Rechte ... » ist stark genug , auch in des Bruders Brust Genugthuung zu suchen . - Verlaßt mich jetzt . « Stumm vor Kränkung , Wuth und Abscheu maß Dagobert die entartete Schwester mit einem Blicke der tiefsten Verachtung , und wendete sich von ihr , wie der fromme Märtyrer von dem Bilde Baals , dem zu opfern die Tyrannei ihn zwingen will . Fest entschlossen , die Unheilathmende nie wieder zu sehen , ging er hinweg . Neuntes Kapitel . Der Reiter und sein geschwindes Roß , Sie sind gefürchtete Gäste . Schiller . Der erste Tag des Jahres Eintausend vierhundert und fünfzehn hatte sich eingestellt , zur Freude von Alt und Jung ; denn obgleich der Winter jetzt erst anfing , so dachte schon Jedes mit Entzücken an die Fastnachtfreuden , und an die bald darauf folgenden gelben Himmelsschlüssel , die lieblichen Herolde des Frühlings . In Frankfurt war Alles lebendig , das Fest zu begehen ; die Kirchen waren gedrängt voll , und auf den Gassen summte es fröhlich umher . Aus den Pelz- und Zwillichmänteln schauten vergnügte Gesichter , und der Geschenke wurden fast viel gespendet . Freunde begabten Freunde , Verwandte den Blutsfreund , der Herr den Diener , der Unterthan seinen Vorgesetzten . Auf dem Römer saßen Bürgermeister , Schultheiß und Schöffenrath , um die gewohnten Gaben zu empfangen . In den Gotteshäusern waren die Opferstöcke dazu geöffnet ; Genossen der Brüderschaften der heil . Sebastian , Jost , Jörg und Stephan sammelten in verschlossenen Büchsen für die milden Stiftungen von Haus zu Haus . Und durch all dieses Getreibe hüpften und johlten schon von frühem Morgen an , die lustigen Gesellen ohne Haus und Hof , Frau und Kind , die Trinkstuben und Zunfthäuser füllend , weil an diesem Tage die strengen Zechordnungen so gut wie aufgehoben waren . Den Altbürger Diether Frosch hielt sein Amt als Schöffe auf dem Rathhause fest ; seine Ehefrau hatte die Liebfrauenkirche besucht , und wandelte nach ihrer Wohnung zurück , da der Gottesdienst zu Ende war , als Else , die unter der Thüre auf sie geharrt hatte , von Weitem schon auf sie zusprang . » Ach , liebe Frau , « sagte sie eilig : » erschreckt nur nicht . Es sitzt ein Gast in Eurer Stube , der Euch nicht angenehm ist . Ärgert Euch nicht , und denkt an Eure kostbare Gesundheit . « - »