hatte , setzten sich auch Mutter und Tochter an den Tisch zu ihrem Suppennapf , doch in bescheidener Entfernung und nicht ohne das Salzfaß zwischen sich und ihren vornehmen Gast zu stellen . Denn so wollte es die Sitte in den guten , alten Zeiten . Georg hatte , während sie das Frühmahl verzehrten , Muße genug , die beiden Frauen zu betrachten . Er gestand sich , daß die Hausehre des Pfeifers von Hardt eine stattliche Frau sei , die vielleicht manchen weniger kühnen Mann als seinen Führer und Erretter unter die Stelzen ihrer gewichtigen Schuhe ( Pantoffel hatte sie wohl nicht ) gebracht hätte . Auch das Kind des Spielmanns dünkte ihm eine liebliche Dirne , und ein so schöner Kopf , solche freundliche Augen hätten vielleicht in seinem Herzen einen nicht zu verachtenden Raum gewonnen , wäre es nicht von einem Bild schon ganz erfüllt gewesen , wäre nicht die Kluft so unendlich groß gewesen , welche Geburt und Verhältnisse zwischen den Erben des Namens Sturmfeder und der geringen Tochter des Pfeifers von Hardt befestigt hatte . Nichtsdestoweniger ruhten seine Blicke mit Wohlgefallen auf ihren reinen , unschuldigen Zügen , und wäre die runde Frau nicht mit ihrer Suppe zu beschäftigt gewesen , so wäre ihr wohl die Röte nicht entgangen , die auf den Wangen ihres Kindes aufstieg , wenn zufällig einer ihrer verstohlenen Blicke dem Auge des jungen Mannes begegnete . » Der Napf ist leer , jetzt ist es Zeit zu schwatzen . « Dieser richtige Spruch galt auch hier sobald das Tischtuch weggenommen war . Georg lagen vornehmlich zwei Dinge am Herzen ; er mußte gewiß sein , wann der Pfeifer von Lichtenstein zurückkommen würde , weil er nur seine Nachrichten über die Geliebte abwarten wollte , um dann sogleich zu ihr zu eilen ; und zweitens war es ihm sehr wichtig , zu erfahren , wo das Heer des Bundes in diesem Augenblick stehe . Über das erstere konnte er keine weitere Auskunft erhalten , als was ihm das Mädchen früher schon gesagt hatte ; der Vater sei etwa seit sechs Tagen abwesend ; habe aber versprochen am fünften Abend wieder hier zu sein , und sie erwarten ihn daher stündlich . Die runde Frau vergoß Tränen , indem sie dem Junker klagte , daß ihr Mann , seitdem dieser Krieg begonnen , kaum einige Stunden zu Haus gewesen sei ; er sei von früheren Zeiten her schon als ein unruhiger Mann berüchtigt ; jetzt murmeln die Leute auch wieder allerlei über ihn , und gewiß bringe er seine Frau und sein Kind durch sein gefährliches Leben noch in Unglück und Jammer . Georg suchte alle Trostgründe hervor , um ihre Tränen zu stillen ; es gelang ihm wenigstens insoweit , daß sie ihm seine Fragen nach dem Bundesheer beantwortete . » Ach Herr « , sagte sie ; » des ist a Graus und a Jomer ; ' s ist grad wie wenn der wild Jäger uf de Wolka reitet , und mit seine g ' schpenstige Hund übers Land wegzieht . ' s ganz Unterland hent se schau , und jetzt got ' s mit em hella Haufa ge Tibenga . « » So sind die Festungen alle schon in ihrer Hand ? « fragte Georg verwundert ; » Höllenstein , Schorndorf , Göppingen , Teck , Urach ? Sind sie alle schon eingenommen ? « » Älles hent se ; a Mann vo Schorndorf hot ' s g ' sait , daß se de Hollastoi , Schorndorf und Göppenga hent . Aber von Teck und Aurich kane Uich ganz gnau berichta , mer send jo koine drei , vier Stund davo . « Sie erzählte nun , am dritten April sei das Heer vor Teck gezogen ; sie haben einen Teil des Fußvolkes vor das eine Tor gesetzt , und sich mit der Besatzung über die Übergabe besprochen . Da seien alle Knechte zu diesem Tor geeilt und haben zugehört , und indessen sei das andere Tor von den Feinden bestiegen worden . Im Schloß Urach aber seien vierhundert herzogliche Fußknechte gewesen ; diese habe die Bürgerschaft nicht in die Stadt lassen wollen , als der Feind anrückte . Es sei zum Gefecht zwischen ihnen gekommen , worin die Knechte auf den Markt gedrungen seien , dort aber sei der Vogt von einer Kugel getroffen , und nachher mit Hellebarden niedergestoßen worden ; die Stadt habe sich dem Bunde ergeben . » Es ist koi Wunder « , schloß die runde Frau ihre Erzählung , » älle Burga und Schlösser nemmet se ei ; denn se hent lange Feldschlanga und Bombardierstuck , wo se Kugla draus schießet , graißer als mei Kopf , daß älle Maura zema brecha , und älle Tirn eifalle müaßet . « Georg konnte nach diesem Bericht ahnen , daß eine Reise von Hardt nach Lichtenstein nicht minder gefährlich sein werde , als jener Ritt über die Alb , denn er mußte gerade die Linie zwischen Urach und Tübingen durchschneiden . Doch war Urach schon seit mehreren Tagen von dem Heere verlassen ; die Belagerung von Tübingen mußte notwendig viele Mannschaft erfordern , und so konnte Georg dennoch hoffen , daß keine eigentlichen Posten mehr den Strich Landes , den er zu durchreisen hatte , besetzt halten werden . Mit Ungeduld erwartete er daher die Ankunft seines Führers . Seine Kopfwunde war geheilt ; sie war nicht tief gewesen , denn die Federn seines Barettes und sein dichtes Haar hatten dem Hiebe , der nach ihm geführt worden war , seine Schärfe benommen ; doch war der Schlag noch immer kräftig genug gewesen , um ihn auf so viele Tage des Bewußtseins zu berauben . Auch seine übrigen Wunden an Arm und Beinen waren geheilt , und die einzige körperliche Folge jener unglücklichen Nacht war eine Mattigkeit , die er dem Blutverlust , dem langen Liegen und dem Wundfieber zuschrieb ; doch auch diese schwand von Stunde zu Stunde , denn ein frischer Mut und